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USA nehmen keine haitianischen Verletzten mehr auf

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Washington/Port-au-Prince (dpa) - Knapp drei Wochen nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti mit mindestens 180 000 Toten und etwa 200 000 Verletzten hat das US-Militär vorerst alle Evakuierungsflüge in die USA gestoppt.

Wie US-Medien am Samstag berichteten, seien Unstimmigkeiten darüber, wer die Behandlung bezahlt, Grund der Maßnahme. So habe der Gouverneur von Florida, Charlie Crist, bei der Regierung in Washington um finanzielle Hilfe gebeten. Der «Washington Post» zufolge schrieb Crist in einem Brief an Gesundheitsministerin Kathleen Sebelius, dass die Krankenhäuser in Florida «schnell an den Rand der Auslastung geraten».

Die Verteilung der Hilfen für die Überlebenden blieb weiter schwierig. Nach Drängeleien bei der Lebensmittelausgabe wollen die Vereinten Nationen in erster Linie nur noch Frauen versorgen. Das Welternährungsprogramm (WFP) richtete in Port-au-Prince 16 feste Verteilstationen für Lebensmittel ein. Wie WFP-Sprecher Marcus Prior am Samstag sagte, sollen in den kommenden beiden Wochen auf diese Weise zwei Millionen Menschen mit Nahrung versorgt werden. Bislang hatte das WFP etwa 600 000 Menschen erreicht. Jede Familie soll unter anderem einen Sack mit 25 Kilo Reis erhalten. Das WFP will eng mit der UN-Mission in Haiti und der US-Armee zusammenarbeiten, um Ausschreitungen bei den Verteilungen zu verhindern.

Crist habe nach Angaben der Zeitung nicht ausgeschlossen, dass weitere Patienten aus Haiti aufgenommen werden. Der Brief sei von Kevin Anandahl, einem Sprecher des US-Transportkommandos, aber als ein Grund für das Aussetzen der Flüge genannt worden. Nach Informationen der Zeitung beklagte sich Crist über einen «Mangel an Koordination seitens der Bundesbehörden». Florida habe hunderte verletzter Haitianer sowie 15 000 US-Bürger und andere Betroffene aufgenommen. Dass Fass sei übergelaufen, als er von Planungen gehört habe, auf unbestimmte Zeit jeden Tag 30 bis 50 Schwerverletzte nach Florida zu bringen. «Florida hat nicht die Kapazitäten für eine derartige Operation.»

Crist rief Sebelius auf, das nationale medizinische Notfallsystem zu aktivieren. Damit könnten Geld und Personal zur Verfügung gestellt und dafür gesorgt werden, dass Patienten in andere Staaten geschickt würden. Ein Sprecher des Weißen Hauses sagte, es werde mit Hochdruck daran gearbeitet, medizinische Einrichtungen in anderen Bundesstaaten zu finden, damit die Evakuierungsflüge wieder aufgenommen werden könnten. Es sei keine politische Entscheidung gefällt worden, die Evakuierungen zu beenden.

Der haitianische Präsident René Préval entschuldigte sich bei den Menschen für sein langes Schweigen nach dem Erdbeben. «Ein Präsident ist auch nur ein Mensch und der große Schmerz ist stumm», sagte er in seinem ersten Interview mit dem einheimischen Sender TVC am Samstag. Er selbst sei der Katastrophe nur entkommen, weil er den Präsidentenpalast wegen eines Termins früher als sonst verlassen habe.

Am Samstag wurden im Grenzgebiet zur Dominikanischen Republik zehn US-Bürger festgenommen, die das Land ohne Genehmigung mit 33 haitianischen Kindern verlassen wollten. Die Amerikaner gaben an, dass es sich um Waisenkinder handele, die im Nachbarland in einem Heim untergebracht werden sollten. Unabhängig von ihrer Motivation hätten die Amerikaner gegen haitianisches Recht verstoßen, teilten die Behörden mit. Allein das Sozialministerium in Port-au-Prince könne entscheiden, ob Minderjährige das Land verlassen dürfen. Die Kinder wurden in einem staatlichen Kinderheim außerhalb der Hauptstadt untergebracht. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) begann damit, die Waisenkinder im Erdbebengebiet zu registrieren, um sie besser schützen zu können.

Erdbeben / Haiti
31.01.2010 · 15:33 Uhr
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