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USA duldeten Folter im Irak

Washington (dpa) - Die Veröffentlichung von fast 400 000 geheimen US-Militärakten wirft ein grelles Licht auf Barbarei in irakischen Gefängnissen. Schilderungen in Hunderten, von der Internetplattform Wikileaks veröffentlichten Berichten deuten darauf hin, dass Folter keine Ausnahme war.

Das schreibt die «New York Times» am Samstag. Das Blatt analysierte wie auch das Nachrichtenmagazin «Spiegel» und die britische Zeitung «Guardian» die Dokumente. Häftlinge seien geschlagen, versengt und ausgepeitscht worden. Ganz generell seien die meisten irakischen Zivilisten durch die Hand ihrer Landsleute ums Leben gekommen.

Einige der Folter-Fälle seien von den Amerikanern untersucht worden, die meisten allerdings scheinen ignoriert worden zu sein - «mit einem institutionellen Schulterzucken: Soldaten erstatteten Bericht und baten die Iraker, eine Untersuchung einzuleiten».

Nach Angaben eines Pentagon-Sprechers sei die amerikanische Haltung zum Missbrauch von Gefangenen stets in Übereinstimmung mit dem Gesetz und der internationalen Praxis gewesen: Begehen Iraker die Tat, sind die irakischen Behörden auch für die Ermittlungen zuständig.

Die «New York Times» spricht von einem «beängstigenden Porträt der Gewalt» durch die Dokumente. In einem Fall verdächtigten US-Soldaten irakische Offiziere, einem Gefangenen die Finger abgeschnitten und ihn anschließend mit Säure verätzt zu haben. Daneben wurde aktenkundig, wie gefesselte Häftlinge exekutiert wurden.

Selbst wenn die Amerikaner Fälle von Missbrauch aufdeckten und berichteten, hätten die Iraker oft einfach nicht reagiert, schreibt die Zeitung weiter. In einem Bericht ist die Rede von einem irakischen Polizeichef, der eine Anklage gegen seine Beamten mit der Begründung ablehnte, der Gefangene zeige noch keine Wundmale. Ein anderer irakischer Vorgesetzter habe US-Ermittlern gegenüber ganz offen Folter «als Methode in den Ermittlungen befürwortet».

Die amerikanischen Streitkräfte hätten sich manchmal aber auch die Angst der Iraker vor den eigenen Sicherheitskräften zunutze gemacht. Dabei hätten sie Gefangenen gedroht, sie beispielsweise an die gefürchtete und brutale irakische Polizeieinheit «Wolfbrigade» zu überstellen, um an Informationen zu kommen.

Die schlimmsten Fälle von Missbrauch und Folter hätten sich in den späteren Kriegsjahren ereignet. Nachdem ein irakisches Polizeikommando den Selbstmord eines Gefangenen zu Protokoll gegeben hatte, brachte eine Autopsie unter US-Aufsicht ans Licht, dass «der Häftling Quetschungen und Verbrennungen am Körper hatte, wie auch sichtbare Verletzungen am Kopf, Arm, Oberkörper, Beinen und Hals». Im offiziellen US-Bericht ist derweil vermerkt, dass die irakische Polizei «angeblich mit einer Untersuchung begonnen hat».

Es habe aber auch Fälle gegeben, in denen die Amerikaner entschlossen eingriffen: So hätten sie bei einem Besuch bei einer Polizeieinheit zwei ausgetrocknete Häftlinge mit zahlreichen blauen Flecken entdeckt, nachdem sie Schreie hörten. Die Gefangenen wurden dann aus irakischem Gewahrsam geholt. In einem anderen Fall stoppte ein US-Soldat einen Iraker, der in einer Militärpolizei-Station mit einem Elektrokabel die Fußsohlen eines Häftlings peitschte.

Wikileaks stellte nach eigenen Angaben insgesamt 391 832 geheime Berichte der US-Streitkräfte zum Irak-Krieg ins Netz. US-Verteidigungs- und Außenministerium reagierten mit scharfer Kritik und warfen der Enthüllungsplattform vor, Leben aufs Spiel zu setzen.

Der Irak-Krieg begann im März 2003 mit der Invasion der USA, Großbritanniens und verbündeter Staaten. Deutschland, Frankreich und Russland stellten sich gegen die sogenannte Koalition der Willigen. Die Invasion erfolgte ohne Legitimation durch den UN-Sicherheitsrat. US-Präsidenten Barack Obama erklärte den Krieg am 31. August 2010 für offiziell beendet.

Konflikte / Internet / USA / Irak
23.10.2010 · 16:09 Uhr
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