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US-Wahlkampf - Geheimwaffe Präsidentenfrau

Barack Obama, der amerikanische Präsident, kümmert sich um die wichtigen Dinge in der Welt: Iran, Israel, Syrien und den Aufschwung der amerikanischen Industrie. Dafür wurde er schließlich gewählt. Mit den Vorwahlen der Republikaner beschäftigt sich Obama nicht. Was interessiert ihn die Schlammschlacht zwischen Mitt Romney und Newt Gingrich?

Für solch profane Themen hat der mächtigste Mann der Welt keine Zeit. Aber der Präsident ist ja nicht allein. Seine Frau Michelle unterstützt ihn, wo sie nur kann. Nicht zufällig hat sie zwei äußerst öffentlichkeitswirksame Termine in die Wochen gelegt, in denen der Zweikampf Romney-Gingrich seinen Höhepunkt erreicht: Besuche der Late Night Show von Jay Leno und dem Nachmittagstalk von Ellen DeGeneres. Bei beiden Gesprächen ging es vorrangig um gesunde Ernährung, zum Beispiel wie man die Pommes Frites mal durch frittierte Süßkartoffelscheiben ersetzt, und Sport.

Mit dem republikanischen Wahlkampf hatten Michelle Obamas Fernsehauftritte offiziell nichts zu tun. Aber inoffiziell geht es in Amerika längst darum, wen das Volk lieber im Weißen Haus sieht: Familie Obama oder Familie Romney.

Traditionell sorgt die Präsidentengattin für ein wenig Glamour im Weißen Haus, mal mehr, mal weniger. Jacqueline «Jacky» Kennedy beispielsweise sorgte für nahezu monarchischen Glanz im demokratischen Amerika. Bei Michelle Obama ist es ähnlich. Die First Lady hat extrem hohe Sympathiewerte in den USA. Und die werden jetzt im Vorwahlkampf genutzt - wie, zeigte sie bei Ellen Degeneres.

Wer schafft mehr Liegestützen?

Dort prahlte Michelle Obama mit ihrer körperlichen Fitness - und wurde von der Gastgeberin zu einem Liegestütz-Wettbewerb herausgefordert. Die First Lady nahm nicht nur an, sondern gewann locker mit 25 zu 20 Liegestützen gegen die blonde Moderatorin. Das Publikum tobte. Die Amerikaner lieben die lockere, kumpelhafte Art der Obamas. Und so färbt Michelles Coolness auch auf ihren Mann Barack ab.

So etwas wünschen sich auch die politischen Gegner. Längst hat das republikanische Lager verstanden, dass es bei der Wahl im November nicht nur um Mitt versus Barack geht, sondern auch um zwei unterschiedliche Familien. Die Obamas, dazu gehören die 13- und zehnjährigen Töchter Malia und Sasha, gegen die Romneys. Der Favorit der Republikaner, Mitt Romney, und seine Frau Ann haben fünf Söhne zwischen 41 und 30 Jahren - die mögen zwar sympathisch sein, spielen bisher in den Medien jedoch eine Nebenrolle. Kein Wunder, schließlich sind alle fünf erwachsen und würden auch im Falle eines Wahlsieges eher selten im White House zu Gast sein.

Anders die Obamas. Sie wohnen gemeinsam im Weißen Haus, sie sind die mediale Aufmerksamkeit gewohnt und sie setzen ihr Familienleben perfekt in Szene. Bei Ellen DeGeneres lästerte Michelle zum Beispiel über den Tanzstil ihres Mannes und kommentierte einen Einspieler, der den tanzenden Präsidenten zeigte, mit dem Satz: «Das ist so süß». Bei Jay Leno lobte sie Baracks Sangeskünste, ärgerte ihn in Abwesenheit damit, dass er sichtbar älter werde und fand ihn trotzdem «hinreißend». Nebenbei erzählte sie, dass die Töchter momentan alles, was die Eltern machen, peinlich finden, wohl ein Zeichen der beginnenden Pubertät.

Solche Insidergeschichten will das Volk hören, denn sie zeigen, dass die Bewohner des Weißen Hauses ganz normale Menschen sind, mit einem im Bad singenden Ehemann, einer Mutter, die wie verrückt auf gesunde Ernährung und Sport achtet und pubertierenden Mädchen, die das alles irgendwie doof finden und zugleich lieben.

Die Romneys: 5 Söhne und 16 Enkelkinder

Die Romneys sind da noch etwas zurückhaltender. Aber es kann kein Zufall sein, dass Ann Romney, zuletzt häufiger öffentlich auftritt. Zuletzt moderierte die 62-jährige Blondine diverse Wahlkampfauftritte ihres Gatten. Oft hatte sie dabei auch den ein oder anderen Sohn, ab und zu sogar ein Enkelkind, im Schlepptau. Jeder potenzielle Wähler soll das Glück der Romney'schen Großfamilie sehen, in der sich inzwischen 16 Enkelkinder tummeln.

Mitt und Ann sind sogenannten «Highschool Sweethearts», ein Paar, das sich schon in der Schulzeit kennen und lieben gelernt hat. Für konservative Wähler gibt es nichts romantischeres als die ewige Liebe zweier, die schon auf dem Abschlussball der Highschool das glamouröse Paar abgaben. Dass die nun 42 Jahre verheiratet sind und ihre Familie inzwischen riesig ist, verstärkt das Image der perfekten Konservativen noch.

Ganz anders Romneys parteiinterner Gegenkandidat Newt Gingrich. Er hat schon jetzt kaum noch Chancen auf das Präsidentenamt. Er hat auch keine so romantische Familiengeschichte vorzuweisen, denn er ließ sich zweimal scheiden und lebt seit 2000 in seiner dritten Ehe. Dass er damit näher an den privaten Verhältnissen der meisten amerikanischen Bürger ist als Barack Obama oder Mitt Romney bringt ihm im Wahlkampf nicht viel Sympathie. Ein Präsident ist auch immer ein Versprechen. Und Newt Gingrich hat das Versprechen ewiger Liebe bereits zweimal gebrochen.

[news.de] · 08.02.2012 · 10:17 Uhr
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