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US-Wahl: Romney zieht die religiöse Karte

Religion und Glaube sind wichtig in den USA, gerade im Wahlkampf. Es geht um Gott und Werte, aber natürlich auch um Wählerfang. Das weiß auch der US-republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney. Foto: Sid HastingsGroßansicht

Washington (dpa) - Der Mormone Mitt Romney zieht die religiöse Karte - und will im US-Wahlkampf mit strikt konservativen Parolen punkten.

Demonstrativ trat Romney, der als Herausforderer von Präsident Barack Obama so gut wie feststeht, bei einer Abschlussfeier der konservativ-christlichen Liberty University auf. Seine Botschaft: Harte Arbeit, Familie und Glaube seien die Grundpfeiler der amerikanischen Gesellschaft. Seinen persönlichen Glauben erwähnte der Republikaner Romney dabei mit keinem Wort.

Kommentatoren werteten den Auftritt vor mehreren Tausend Studenten am Samstag als Versuch, streng christlich-konservative und evangelikale Wähler zu gewinnen. Auch habe er noch immer bestehende Vorurteile gegen Mormonen abbauen wollen. Die Liberty Universität in Lynchburg (Virginia) gilt als ausgesprochene Bastion des christlichen Konservatismus in den USA.

Eindringlich bekräftigte Romney seine Ablehnung der Schwulenehe, für die sich kürzlich Obama stark gemacht hatte. «Die Ehe ist eine Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau», rief er unter Beifall der Studenten. Geschickt versuchte Romney damit, zugleich evangelikalen Kritikern Wind aus den Segeln zu nehmen, die sich noch heute daran stoßen, dass Mormonen früher auch in Vielehe lebten.

Über weite Strecken sprach der in einem dunklen Talar gekleidete Romney von den Werten, die Amerika groß gemacht hätten. «Die besten kulturellen Aktivposten sind so grundsätzliche Werte wie persönliche Verantwortung, die Würde harter Arbeit und vor allem das Bekenntnis zur Familie.» Er habe es noch niemals im Leben bereut, wenn er einen beruflichen Termin wegen seiner Frau und seiner fünf Söhne versäumt habe.

Zwar erwähnte Romney in seiner Rede Obama mit keinem Wort, doch mehrere gezielte Spitzen galten dem Präsidenten. So sagte Romney: «Religiöse Freiheit ist die erste Freiheit in unserer Verfassung.» Immer wieder betonte er den Stellwert der Religion - und fügte mit Blick auf Obama hinzu, dies verärgere «diejenigen, die meinen, dass die höchste Weisheit und Autorität von einer Regierung kommt».

Im Gegensatz zu den meisten europäischen Ländern gilt in den USA Religion als ein entscheidender Faktor im Wahlkampf. George W. Bush wurde nach Ansicht von Experten 2004 vor allem deshalb wiedergewählt, weil es ihm gelang, christlich-konservative Wähler zu mobilisieren.

Doch die religiöse Karte ist nicht ohne Risiko für Romney. Radikale Evangelikale meinen noch heute, beim Mormonenglaube handele es sich lediglich um eine Sekte, die nicht wirklich christlich orientiert sei. Lange Zeit war in den USA umstritten, ob ein Mormone echte Chance habe, Präsident zu werden.

Doch offenbar denkt die Mehrheit heute anders: Nach einer neuen Umfrage der «New York Times» und des TV-Senders CBS würden 59 Prozent der Evangelikalen Romney wählen. Unter den weißen Evangelikalen seien es sogar 72 Prozent.

Wahlen / USA
13.05.2012 · 11:07 Uhr
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