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US-Regierung kürzt Topmanagern Bezüge

Die US-Regierung begrenzt die hohen Gehälter und Boni-Zahlungen an 175 Spitzenmanager angeschlagener Unternehmen.Großansicht
Washington (dpa) - Die US-Regierung und die Notenbank gehen jetzt hoch bezahlten Topmanagern finanziell an den Kragen.

Angesichts weit verbreiteter öffentlicher Empörung über Gehälter und Boni in schwindelerregender Höhe beschloss das Finanzministerium am Donnerstag (Ortszeit) eine drastische Kürzung der Bezüge für die Spitzenmitarbeiter der sieben Unternehmen, die zum Überleben umfangreiche Regierungskredite in Anspruch genommen haben. Die Notenbank (Fed) plant zudem, dass sich 28 große und gewichtige Banken künftig die Entlohnung ihrer Mitarbeiter praktisch absegnen lassen müssen. Aber auch die Gehalts- und Anreizpraktiken bei tausenden kleineren Instituten sollen regelmäßig unter die Lupe genommen werden, teilte die Fed mit.

Mit dem Doppelschlag soll eine Fortsetzung der durch großzügige Boni geförderten riskanten Kreditgeschäfte unterbunden werden, die als wesentliche Ursache der Finanzmarkt-Krise gelten. Die Regierung will außerdem erreichen, dass die gewährten Staatskredite rasch wieder zurückgezahlt werden. Es handelt sich um den stärksten staatlichen Eingriff in die Lohnentscheidungen von Unternehmen, die bisher traditionell den Vorständen oder auch Aktionären überlassen worden waren.

Von der radikalen Kürzung sind die 25 höchsten und höchstbezahlten Manager der sieben Firmen betroffen, darunter der Versicherungskonzern AIG, die Finanzinstitute Citigroup und Bank of America sowie die Auto-Konzerne General Motors und Chrysler. Die Spitzenmanager müssen sich nun darauf einstellen, dass ihre Gesamtbezüge aus Sonderleistungen und Gehältern um durchschnittlich mehr als 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zusammenschmelzen, teilte der Sonderbeauftragte des Finanzministeriums, Kenneth Feinberg, in Washington mit.

Die aufs Konto überwiesenen Gehälter werden jährlich um durchschnittlich mehr als 90 Prozent gekürzt und für mehr als 90 Prozent der betroffenen 175 Manager auf maximal 500 000 Dollar pro Jahr begrenzt. Die restlichen Gehalts- sowie alle Bonuszahlungen gibt es nur als Firmenaktien, die frühestens ab 2011 und zum Teil nur über drei Jahre verteilt verkauft werden können - und dies auch nur dann, wenn bis dahin die Regierungskredite zurückgezahlt worden sind.

Die Neuregelung gilt von November an, also anteilig für die letzten beiden Monate dieses Jahres. Für das kommende Jahr sind neue Berechnungen geplant, laut Feinberg auf der Basis des jetzigen Modells. Allerdings gibt es eine Ausnahme: AIG hat nach Angaben des Sonderbeauftragten darauf bestanden, für 2009 vertraglich zugesicherte Bar-Leistungen für drei Spitzenmanager vereinbarungsgemäß auszuzahlen. Daran habe das Finanzministerium nichts ändern können, sagte Feinberg.

US-Präsident Barack Obama bezeichnete die Maßnahme als einen «wichtigen Schritt zur Beschneidung des Einflusses von Topmanager-Bezügen auf die Wall Street». Zugleich werde es den betreffenden Unternehmen «erlaubt, Erfolg zu haben und zu gedeihen». Obama betonte, er habe immer schon daran geglaubt, dass das US-System des freien Unternehmertums am besten funktioniere, wenn es harte Arbeit belohne. «Dies ist Amerika. Wir setzen Wohlstand nicht herab. Wir neiden es anderen nicht, wenn es ihnen gut geht», sagte der Präsident. «Aber es beleidigt unsere Werte, wenn die Manager großer Finanzunternehmen - Firmen, die ums Überleben kämpfen - sich selbst hohe Boni zahlen, sogar zu einer Zeit, in der sie weiter auf Steuergelder bauen, um über Wasser zu bleiben.»

Die Fed geht nicht so weit, die Höhe der Bezüge vorzuschreiben. Vielmehr plant sie ein Vetorecht, wenn sie bei der Prüfung der Lohnpraktiken zum Schluss kommt, dass sie die Gesundheit und Sicherheit des betreffenden Finanzinstituts gefährden könnten. «Die Notenbank arbeitet daran sicherzustellen, dass sich Kompensationspakete an längerfristigen Leistungen orientieren und kein ungebührliches Risiko für die Firma oder das Finanzsystem schaffen», sagte Fed-Chef Ben Bernanke.

Banken / Industrie / USA
23.10.2009 · 18:05 Uhr
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