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US-Militär: Parteienstreit fördert Terror im Irak

Anschlag in BagdadGroßansicht

Bagdad (dpa) - Nach dem Abzug der US-Kampftruppen aus dem Irak dringt Washington jetzt auf eine schnelle Regierungsbildung in Bagdad. US-Militärsprecher Stephen Lanza machte den seit Monaten andauernden Parteienstreit für die jüngste Zunahme der Gewalt mit verantwortlich.

Dem staatlichen Fernsehsender «Al-Irakija» sagte der Sprecher in der Nacht zum Freitag: «Die Bildung einer neuen Regierung ist eine Entscheidung der Iraker, die den terroristischen Sumpf trockenlegen wird.»

Die Al-Kaida-Terroristen hätten mit den Anschlägen der vergangenen Wochen beweisen wollen, «dass es derzeit keine Regierung gibt». Einen Zusammenhang zwischen dem Anstieg der Zahl der Terroranschläge und dem Abzug der US-Truppen stellte Lanza nicht her. Zu den Fähigkeiten der irakischen Sicherheitskräfte, die noch bis Ende 2011 von Einheiten der US-Armee unterstützt werden, sagte er: «Wir arbeiten daran, dass die irakischen Truppen (bis dahin) ein hohes Niveau erreichen.»

In den vergangenen Tagen hatten Tausende amerikanische Soldaten den Irak verlassen und damit den Kampfeinsatz praktisch beendet. Laut US-Militär sind in dem arabischen Land aktuell noch 52 000 amerikanische Soldaten stationiert, die zu «Unterstützungseinheiten» für die irakische Armee gehören. Ende 2011 sollen die letzten US- Soldaten den Irak verlassen.

Die Iraker hatten Anfang März ein neues Parlament gewählt. Die Koalitionsverhandlungen zwischen den Parteien, von denen keine die absolute Mehrheit erzielt hat, gestalten sich schwierig. Seit einigen Tagen wird in Bagdad spekuliert, dass sich der säkulare Ex- Regierungschef Ijad Allawi mit den beiden großen Kurdenparteien KDP und PUK und zwei religiösen Schiiten-Parteien verbünden will. Verlierer wäre dann der amtierende Regierungschef Nuri al-Maliki.

Um die Regierungsbildung zu beschleunigen, will sich nun wohl auch der schiitische Klerus einschalten. Der Geistliche Sadr al-Din al- Kabandshi sagte in seiner Freitagspredigt in einer Moschee der Stadt Nadschaf, das Oberhaupt der irakischen Schiiten, Großajatollah Ali al-Sistani wolle sich dieser Frage in den kommenden Tagen annehmen.

Auf Islamisten-Websites tauchte derweil ein Schreiben im Namen der Al-Kaida-Terroristen im Irak auf, in dem sich diese zu einem Anschlag auf Rekruten in Bagdad am vergangenen Dienstag bekennen. Darin heißt es, der Anschlag, der 60 Menschen das Leben gekostet hatte, habe Schiiten gegolten, die Handlanger des Iran gewesen seien.

In Bagdads südlichem Vorort Al-Dura starben am Freitag zwei Zivilisten durch einen Sprengsatz.

Konflikte / Irak
20.08.2010 · 15:28 Uhr
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