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US-Großoffensive gegen Taliban

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Kabul/Washington (dpa) - Amerikanische Truppen haben am Donnerstag ihre erste Großoffensive gegen die radikal-islamischen Taliban in Afghanistan seit dem Amtsantritt von US-Präsident Barack Obama begonnen.

Rund eineinhalb Monate vor der Präsidentschaftswahl in dem Land am Hindukusch seien an der Operation «Khanjar» (Krummdolch) in der südafghanischen Provinz Helmand knapp 4000 US-Marineinfanteristen und 650 afghanische Sicherheitskräfte beteiligt, meldeten die US- Streitkräfte. Die Taliban haben weite Teile Helmands unter ihrer Kontrolle. Die Truppen machten zunächst keine Angaben zu Opfern.

In der südostafghanischen Provinz Paktika nahmen die Taliban unterdessen einen US-Soldaten gefangen. Ein Pentagonbeamter in Washington bestätigte, dass damit zum ersten Mal ein amerikanischer Soldat in Afghanistan in die Hände der Extremisten gefallen sei. «Wir schöpfen alle verfügbaren Mittel aus, um seinen Verbleib zu klären und seine sichere Rückkehr zu erreichen», hieß es aus dem Verteidigungsministerium. Der örtliche Taliban-Kommandeur Mullah Sangin sagte, neben dem US-Soldaten hätten die Aufständischen drei afghanische Soldaten gefangen genommen. Forderungen für die Freilassung des Amerikaners seien nicht gestellt worden. Darüber werde der Führungsrat der Taliban entscheiden.

Das US-Militär teilte mit, Ziel der Operation in Helmand sei es, der Bevölkerung in Orten entlang des Helmand-Flusses Sicherheit zu bringen und den Einfluss der Kabuler Regierung in der Gegend wieder herzustellen. Zudem sollten in der Region stabile Bedingungen für die Präsidentschaftswahl am 20. August geschaffen werden. Die Stärke der Truppen und die Schnelligkeit ihres Einsatzes unterscheide «Khanjar» von früheren Operationen. Der Sprecher des Gouverneurs von Helmand, Daud Ahmadi, betonte, der zivile Wiederaufbau werde parallel zur Militäroperation erfolgen.

Taliban-Sprecher Kari Jussif Ahmadi sagte der Deutschen Presse- Agentur dpa nach Beginn der Operation in Helmand, die Aufständischen hätten «mehr als ein Dutzend» ausländische Soldaten getötet. Die Taliban hätten keine Opfer zu beklagen. Angaben der Taliban gelten als hochgradig unzuverlässig. Ahmadi sagte weiter: «Die ausländischen Truppen bombardieren zivile Ziele statt Verstecke der Taliban.» Die Aufständischen hätten sich an sicheren Orten versteckt.

Die pakistanische Armee teilte mit, sie habe auf ihrer Seite der Grenze Truppen stationiert, um Taliban-Kämpfer an der Flucht aus Helmand zu hindern. «Unsere Soldaten werden die Bergwege bewachen, die die Taliban dazu benutzen können, die (südwestpakistanische) Provinz Balutschistan zu infiltrieren», sagte der pakistanische Armeesprecher Athar Abbas.

Vor Beginn der Operation in Helmand starben erneut zwei britische Soldaten in der Provinz. Das Verteidigungsministerium in London teilte am Donnerstag mit, die Männer seien am Vortag bei einem Einsatz getötet worden. Weitere sechs NATO-Soldaten seien verletzt worden. Damit erhöhte sich die Zahl getöteter britischer Soldaten seit Beginn des Einsatzes am Hindukusch im Oktober 2001 auf 171.

Ein hoher Beamter des Pentagons sagte nach Angaben des Nachrichtensenders CNN zu der Operation in Helmand: «Das ist nicht einfach ein Vorstoß, um ein paar böse Jungs zu fangen.» Es gehe darum, das Gebiet zu halten und dortzubleiben. Die Offensive trage die Handschrift des neuen US-Kommandeurs in Afghanistan, General Stanley McChrystal. Nach der neuen Strategie des US-Präsidenten werden die US-Truppen in Afghanistan um insgesamt 21 000 Soldaten verstärkt, und es wird ein neues Schwergewicht auf die zivile und wirtschaftliche Hilfe gelegt.

Die Sicherheitslage in Afghanistan hat sich in den vergangenen Monaten erheblich verschlechtert. Allein in der ersten Juni-Woche wurden nach den Worten des Kommandeurs der US-Truppen im Nahen und Mittleren Osten, General David Petraeus, mehr als 400 Angriffe von Aufständischen verzeichnet. Das sei die höchste Zahl seit der von den USA geführten militärischen Niederschlagung des Taliban-Regimes 2001. Im Juni vergangenen Jahres habe man wöchentlich noch etwas weniger als 250 Taliban-Angriffe gezählt, im Januar 2004 seien es weniger als 50 pro Woche gewesen, sagte ein Sprecher des Vier-Sterne-Generals.

Der neue NATO-Oberkommandeur in Europa, US-Admiral James Stavridis (54), äußerte sich zuversichtlich, dass die Afghanistan-Schutztruppe ISAF den Kampf gegen die radikal-islamischen Taliban gewinnen kann. «Die Lage ist sehr herausfordernd, aber sie ist keinesfalls hoffnungslos», sagte Stavridis unmittelbar nach seiner Amtsübernahme am Donnerstag im militärischen NATO-Hauptquartier in Mons (Belgien). «Ich hoffe, unser Herangehen wird im Umgang mit diesem Aufstand effizient sein.»

Konflikte / Afghanistan / USA
02.07.2009 · 22:38 Uhr
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