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US-Entführer verurteilt: Mädchen neun Monate gequält

Brian David MitchellGroßansicht

San Francisco/Salt Lake City (dpa) - Für die Amerikanerin Elizabeth Smart war es ein «wunderbarer» Tag: Am Freitag hat eine eine Jury im US-Staat Utah einen Mann schuldig gesprochen, der Smart acht Jahre zuvor auf dem Haus ihrer Eltern entführt hatte und neun Monate lang gefangen hielt.

Sie sei von dem Urteil «total begeistert», sagte die 23 Jahre alte Frau nach Verlassen des Gerichtsgebäudes in Salt Lake City. «Es ist möglich, im Leben weiterzumachen, auch wenn etwas Schreckliches passiert ist», sagte Smart laut «People.com». Sie wolle anderen Opfern damit Hoffnung machen.

Dem 57 Jahre alten Brian David Mitchell droht nach dem Schuldspruch der Jury eine lebenslängliche Haftstrafe. Das Strafmaß soll Ende Mai verkündet werden. Smart sagte während des Verfahrens aus, sie sei von ihrem Kidnapper täglich vergewaltigt worden. Zudem habe er sie mit Drogen und Alkohol gefügig gemacht.

Smart war am Freitag mit ihren Eltern und ihrer Schwester im Gerichtssaal, als das Urteil verlesen wurde. Mitchell, ehemals ein vagabundierender Prediger, sang pausenlos eine Mormonenhymne, als er dem Richter vorgeführt wurde.

Das Mädchen war im Juni 2002 nachts aus seinem Elternhaus in Salt Lake City entführt worden, während die Eltern schliefen. Nur ihre kleine Schwester hatte das Kidnapping bemerkt. Aus Angst, der Entführer könne ihrer Schwester etwas antun, hatte sie ihre Eltern nicht sofort alarmiert.

Neun Monate später wurde Smart in Begleitung Mitchells und seiner Frau Wanda Barzee (64) entdeckt. Passanten hatte den wirr aussehenden, bärtigen Mann erkannt, nachdem die amerikanische Version der Fernsehsendung «Aktenzeichen XY ...», «Americas Most Wanted», über den Fall erneut berichtet hatte. Smart gab sich gegenüber der Polizei erst nicht zu erkennen. Experten äußerten die Befürchtung, dass Mitchell sie einer Gehirnwäsche unterzogen hatte.

Mitchell gab sich selbst als Propheten aus, der vor Obdachlosen predigte und auch einmal im Haus der Smarts als Handwerker gearbeitet hatte. Zusammen mit seiner Frau und dem Mädchen lebte er teilweise selbst auf der Straße, manchmal auch in einer kleinen Wohnung. Der Wohnungsbesitzer schilderte das Trio als ungewöhnlich, aber nicht verdächtig. Das Mädchen habe immer einen Schleier getragen, von ihren Schulklassen erzählt, Hymnen gesungen und überhaupt nicht verängstigt gewirkt, hieß es 2003 nach der Festnahme des Paares.

Der Entführer war bereits 2003 angeklagt worden. Er wurde später für geisteskrank erklärt, ein Richter entschied aber, dass er verhandlungsfähig war. Barzee bekannte sich im vorigen Jahr als Komplizin schuldig. Sie sitzt eine 15-jährige Haftstrafe ab.

Kriminalität / Prozesse / USA
11.12.2010 · 14:55 Uhr
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