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US-Botschafter sieht Truppenaufstockung skeptisch

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Washington (dpa) - Der US-Botschafter in Kabul, Karl Eikenberry, hat laut Medienberichten vor der Entsendung zusätzlicher US-Soldaten nach Afghanistan gewarnt. Zunächst sollten Fortschritte der afghanischen Regierung im Kampf gegen Korruption und Missmanagement abgewartet werden.

Eikenberry machte seine Bedenken in der vergangenen Woche in zwei vertraulichen Schreiben deutlich, berichteten «New York Times» und «Washington Post» am Mittwoch unter Berufung auf US-Regierungsbeamte. Präsident Barack Obama kam am Mittwoch erneut mit seinem «Kriegsrat» zusammen, um über die weitere Strategie in Afghanistan zu beraten. Entscheidungen wurden nicht gefällt.

Mit seinen Bedenken gegen eine weitere Truppenaufstockung stellte sich Eikenberry, der frühere Oberkommandierende der US-Truppen in Afghanistan, klar gegen Einschätzungen seines Nachfolgers, General Stanley McChrystal, der die Entsendung von zusätzlich 40 000 US-Soldaten an den Hindukusch vorgeschlagen hatte.

In einer Erklärung des Weißen Hauses vom Mittwoch hieß es, dass der afghanischen Regierung klargemacht werden müsse, dass der US-Einsatz nicht unbefristet sei. Nach jahrelangem «beachtlichen Einsatz des amerikanischen Volks», müsse sich die Staatsführung in Afghanistan in «angemessener» Zeit verbessern.

Obama hatte am Mittwoch mit seinem «Kriegsrat» aus engsten Sicherheitsberatern die Debatte über die heikle Frage einer möglichen Truppenaufstockung am Hindukusch fortgesetzt. Den Zeitungen zufolge hatte der Kreis die zusätzliche Entsendung einer verhältnismäßig geringen Zahl von 10 000 bis 15 000 Soldaten erörtert, von denen die meisten allerdings Ausbilder für afghanische Truppen seien. Es war die achte solche Sitzung binnen zwei Monaten.

Diese Möglichkeit sei eine von vier Optionen, die Obama und seine Berater prüften, schreibt die «New York Times». Die anderen drei umfassten Truppenstärken von etwa 20 000, 30 000 und 40 000 Mann. Der derzeitige US-Oberbefehlshaber in Afghanistan, General McChrystal, hatte eine Erhöhung um 40 000 vorgeschlagen. Sonst werde die Mission «wahrscheinlich in einem Fehlschlag enden». Mit einer Entscheidung Obamas wird erst nach Rückkehr von seiner neuntägigen Asienreise gerechnet, die am (heutigen) Donnerstag beginnt. Als wahrscheinlich gilt eine Bekanntgabe Anfang Dezember.

Die Variante mit 10 000 bis 15 000 Soldaten würde nach Einschätzung von Pentagon-Beamten bedeuten, dass es zu keiner nennenswerten Erhöhung von Kampftruppen kommen werde. Dies käme de facto einer Ablehnung von McChrystals Plänen für eine ehrgeizigere Strategie im Kampf gegen die Taliban gleich, schreibt die Zeitung. Zurzeit sind rund 100 000 ausländische Soldaten in Afghanistan stationiert, darunter rund 68 000 amerikanische.

Konflikte / USA / Afghanistan
12.11.2009 · 10:29 Uhr
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