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US-Abtreibungsarzt in Kirche erschossen

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Washington (dpa) - Ein bekannter amerikanischer Abtreibungsarzt ist in einer Kirche im Bundesstaat Kansas erschossen worden. Der 67- jährige George Tiller leitete eine von drei Kliniken in den USA, die auf Schwangerschaftsabbrüche im fortgeschrittenen Stadium spezialisiert sind.

Er war seit vielen Jahren Zielscheibe friedlicher und gewalttätiger Proteste von Abtreibungsgegnern und wurde im Eingangsbereich der Kirche aus nächster Nähe durch eine einzelne Kugel getötet, während er Gläubigen vor dem Sonntagsgottesdienst die Plätze zuwies.

Drei Stunden später nahm die Polizei in einem Vorort von Kansas City rund 250 Kilometer vom Tatort entfernt einen 51-Jährigen fest, der nach Zeugenaussagen nach dem Verbrechen mit einem blauen Auto geflohen war. Die Polizei untersuchte am Montag mögliche Verbindungen des mutmaßlichen Schützen Scott Roeder zur Anti-Abtreibungsbewegung: Ein Mann gleichen Namens hatte sich in der Vergangenheit wiederholt auf einschlägigen Webseiten unter anderem der prominenten Gruppe «Operation Rescue» (Operation Rettung) zu Wort gemeldet und dabei auch Tiller ins Visier genommen. US-Medien zitierten den stellvertretenden Polizeichef von Wichita, Tom Stoltz, es deute alles darauf hin, dass der Täter allein gehandelt habe.

«Operation Rescue» - eine der führenden Organisationen im Kampf gegen das Abtreibungsrecht - distanzierte sich von dem Verbrechen und sprach von einem «feigen Akt». Auch US-Präsident Barack Obama verurteilte die Tat als «abscheuliches» Verbrechen. So grundsätzlich auch die Meinungsunterschiede in schwierigen Fragen wie der Abtreibung seien, könnten sie nicht auf derartig gewalttätige Weise gelöst werden, sagte Obama in einer Erklärung.

Tiller war nach Medienberichten der wohl umstrittenste Abtreibungsarzt der USA. Demnach war bereits 1993 ein Anschlag auf ihn verübt worden, bei dem er Schussverletzungen in beiden Armen erlitt. Mitte der 90er Jahre wurde seine Klinik bei einem Bombenanschlag schwer beschädigt. Regelmäßig hatten Abtreibungsgegner vor seiner Klinik und seinem Privathaus demonstriert. Wiederholt wurde Tiller unter Polizeischutz gestellt. Er hatte den Berichten zufolge seit den 1970er Jahren Abtreibungen vorgenommen, auch nach der 21. Schwangerschaftswoche, wenn der Fötus außerhalb des Mutterleibs als überlebensfähig eingestuft wird.

Es war das erste Mal seit 1998, dass in den USA ein Abtreibungsarzt ermordet wurde. Justizminister Eric Holder bot als Konsequenz anderen Abtreibungskliniken und dessen leitendem Personal Schutzmaßnahmen an.

Abtreibung / Kriminalität / USA
01.06.2009 · 16:50 Uhr
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