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Ursula von der Leyen - die starke Frau hinter Merkel

Ursula von der Leyen gilt als ausdauernde, zähe und asketisch wirkende Kämpferin.Großansicht

Berlin (dpa) - Die kleinen Journalisten in spe kannten keine Gnade bei ihren Fragen an die Bundesarbeitsministerin.

Ob sie schon einmal richtig ausgerastet sei, wie sie Stress bewältige und wie sie den ganzen Ärger mit ihren Kollegen von der CSU und FDP finde, wollten die Kinder wissen, die Ursula von der Leyen vor der parlamentarischen Sommerpause für eine ARD-Sendung interviewten. Gehetzt zwischen zwei Terminen ging die Mutter von sieben Kindern freundlich und unverblümt auf die Fragen ein. Auf langgediente Reporter hätte sie womöglich nicht so leicht reagiert, erst recht nicht zwischen Tür und Angel.

Nein, ausrasten tue sie eigentlich nicht und solche Menschen seien ihr auch eher unsympathisch, bedeutete sie den jungen Fragestellern. Was sie von den gegenseitigen Beschuldigungen der Christsozialen und Freien Demokraten («Wildsau», «Gurkentruppe») hält, beschrieb sie so: Das kenne man doch aus der Schule, wenn sich immer wieder dieselben in die Haare bekämen, was die anderen nur störe und nerve. Wenn sie persönlich angegriffen werde, etwa von den Medien, dann lese sie an dem Tag keine Zeitung. Ansonsten helfe immer: «Laufen, laufen, laufen.» Bei diesem Sport bekomme sie den Kopf frei.

Die zierliche 51-Jährige gilt als ausdauernde, zähe und asketisch wirkende Kämpferin. In der Politik legte die promovierte Ärztin eine Blitzkarriere hin. Nach einer Stippvisite in der Kommunalpolitik wurde sie 2003 in Niedersachsen Sozialministerin unter dem damaligen Ministerpräsidenten Christian Wulff. 2005 holte Kanzlerin Angela Merkel sie als Familienministerin nach Berlin. Seit 2009 ist sie Arbeitsministerin. Sie hat auch ein Bundestagsmandat.

In den vergangenen Wochen fiel oft ihr Name, wenn es um Spekulationen ging, wer Bundeskanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel einmal nachfolgen könnte. Auf dem CDU-Parteitag im November soll sie als Vize-Vorsitzende in die Spitze einrücken. Auf den von ARD und ZDF ermittelten Listen der beliebtesten Politiker liegt von der Leyen auf Platz zwei - hinter dem CSU-Politiker und Verteidigungsminister Karl- Theodor zu Guttenberg und deutlich vor Merkel.

Von der Leyen verfolgt ihre Projekte hartnäckig, eloquent und telegen. Dem beliebten Elterngeld verhalf sie als Familienministerin zum Durchbruch. Die Tochter des früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht steht für eine moderne Sozial- und Familienpolitik. Parteiinterne Kritiker machen sozialdemokratische Züge bei der Christdemokratin aus und sind darüber verstört und manchmal auch empört.

Derzeit verantwortet sie als Arbeitsministerin mit gut 140 Milliarden Euro den mit Abstand größten Etat der Regierung. Davon fließen 80 Milliarden allein in die Rentenkasse. Ihre wichtigsten Projekte sind derzeit die Rente mit 67 Jahren und die Großbaustelle Hartz-IV-Reform mit einer Neujustierung der Regelsätze. Zudem soll sie den größten Beitrag aller Ressorts zum Sparpaket leisten.

Auf Mitarbeiter wirkt von der Leyen mitunter streng. Die Chefin stelle hohe Ansprüche - an sich selbst und an ihre Leute, heißt es. In Medien wird sie oft als «Frau der Superlative» beschrieben. So wurde sie auch nach dem überraschenden Rücktritt von Horst Köhler als Bundespräsident Ende Mai als seine Nachfolgerin gehandelt - als erste Frau in diesem höchsten deutschen Staatsamt.

Die Spekulationen hatte von der Leyen mit einer kleinen Geste selbst befeuert, indem sie auf die Frage nach ihrer beruflichen Zukunft scheinbar bedeutungsschwer den Finger auf den Mund legte. Das hatten viele so verstanden, dass sie mehr wisse, als sie sagen dürfe.

Angeblich soll Merkel sie aber gar nicht gefragt, sondern von Anfang an Wulff als Präsidenten im Auge gehabt haben. Für die erfolgsgewohnte Arbeitsministerin eine Enttäuschung, die sie nicht ganz verbergen konnte: «Das ist so, wie es ist, und fühlt sich so an, wie es sich anfühlt.» Geschadet hat es ihr nicht. Schließlich gilt sie spätestens seither als die starke Frau nach Merkel.

Bundesregierung / Parteien / CDU
15.08.2010 · 21:30 Uhr
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