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Urheberrecht - Piraten setzen sich gegen Promis zur Wehr

Es war Anfang Februar, als tausende, meist junge Menschen in den Städten der Republik gegen ein Gesetzesvorhaben auf die Straße gingen, dem kurze Zeit zuvor kaum jemand Beachtung geschenkt hatte. Die Demonstrationen gegen das Anti-Piraterie-Abkommen Acta (Anti-Counterfeiting Trade Agreement) waren öffentlichkeitswirksam und gleich in doppelter Hinsicht erfolgreich. Acta wurde in mehreren Ländern die Unterschrift verwehrt, zugleich war der Debatte um ein zeitgemäßes Urheberrecht mit Acta der Sprung in die Mitte der Gesellschaft gelungen.

Seitdem schwelt die Diskussion um den Schutz geistigen Eigentums vor sich hin, immer wieder befeuert durch öffentlichkeitswirksame Positionierungen, wie die der Tatort-Autoren oder des Sängers Sven Regener. Die Wahlerfolge und das Umfragehoch der Piratenpartei geben dem Thema eine zusätzliche Relevanz. In einer aktuellen Forsa-Umfrage überholen die Freibeuter sogar erstmals die Grünen und landen bundesweit bei 13 Prozent.

Nun mischt sich die Presse ein. In seiner Sonderausgabe «Mein Kopf gehört mir» ließ das Handelsblatt 100 Prominente pro Urheberrecht zu Wort kommen. Dazu zählen Schauspielerinnen wie Maria Furtwängler oder Franka Potente genauso wie die FDP-Politiker und Minister Philipp Rösler und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger oder Wirtschaftsgrößen wie Utz Claassen und Thomas Middelhoff (Eine komplette Liste ist hier aufgeführt).

In Kurzbeiträgen verteidigen sie den Schutz des geistigen Eigentums. «Hundert Kreative provozieren die Netzpiraten», titelt das Blatt, in dem betreffenden Artikel ist die Rede von einem «Enteignungsprogramm», das die «Enteignungspartei» der Piraten verfolgt. Eine deutliche Attacke gegen die Überflieger der deutschen Politik.

Die Piraten freuen sich über kostenlose Wahlwerbung

Die Reaktionen im Netz ließen nicht lange auf sich warten. Bei Twitter und in unzähligen Blogs brach sich schnell die Empörung über die Sonderausgabe ihren Bann. «Pamphlet», «Propaganda-Artikel» oder «Irrsinn» gehörten dabei noch zu den freundlicheren Einschätzungen. Allein unter dem Artikel fanden sich schnell über 200 Kommentare, bei Twitter formierte sich hinter dem Hashtag «Handelsblatt» ein Sturm der Entrüstung.

Inzwischen haben die Piraten auch offiziell zurückgeschlagen. In einer am Montag veröffentlichten Pressemitteilung reagieren sie auf ihre Art und bedanken sich beim Handelsblatt für die «massive Wahlwerbung». Mit der Aktion «101 Piraten für ein neues Urheberrecht» kontern sie den Promi-Auflauf der Zeitung.

«Wer die Forderungen der Piratenpartei fälschlicherweise auf ein ‹wir wollen alles umsonst› reduziert, handelt entweder aus Unwissenheit oder verfolgt eigene Interessen», sagt Bernd Schlömer, stellvertretender Vorsitzender der Piratenpartei. Er würde sich vom Handelsblatt einen konstruktiven Dialog wünschen, so Schlömer.

Die Piraten vermuten eine gezielte Lobbyismus-Kampagne. «Nur vordergründig werden ‹Interessen von Kreativen› vertreten», sagt der Musiker und Labelchef Bruno Kramm, seines Zeichens selbst Mitglied der Piratenpartei. «Medienkonzerne, die den Anschluss an die moderne Informationsgesellschaft verpasst haben, wollen um jeden Preis ihre Verwertungsrechte aus der physischen Welt unverändert auf die Netzwelt anwenden und die Urheber weiterhin in restriktive, umfassende und einseitige Vertragsabhängigkeiten zwingen», so Kramm.  

Nicht zum ersten Mal nutzt das Handelsblatt die Mechanismen des Netzes und bietet internetkritischen Stimmen eine Plattform. Mit einem Debattenbeitrag in der Zeitung hatte der CDU-Bundestagsabgeordnete Ansgar Heveling Ende Januar einen regelrechten Shitstorm ausgelöst.

[news.de] · 09.04.2012 · 14:25 Uhr
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