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Unwetterbilanz: Drei Tote und Millionenschaden

Überflutete Straße. Drei Menschen verloren durch die Unwetter ihr Leben.Großansicht
Hamburg (dpa) - Drei Menschen starben und der Schaden geht in die Millionen: Das erste schwere Unwetter dieses Sommers in Deutschland hat vielerorts für Ausnahmezustände gesorgt. Der Düsseldorfer Flughafen stand am Freitagabend unter Wasser und musste für anderthalb Stunden gesperrt werden.

Im Porsche-Werk in Stuttgart- Zuffenhausen wurde nach einem Stromausfall die Produktion gestoppt. In Essen prasselten Hagelkörner - dick wie Taubeneier - nieder. Allein dort entstand nach Polizeiangaben ein Schaden von etwa einer Million Euro. In Sachsen-Anhalt hob der Sturm eine Festspielbühne an und versetzte sie um 30 Zentimeter.

Bei einem Unfall auf regennasser Fahrbahn wurde Brandenburgs Agrarminister Dietmar Woidke (SPD) verletzt. Wie die Polizei mitteilte, kam sein Auto auf der A 15 in Richtung Berlin bei heftigen Regenfällen ins Schleudern und prallte gegen die Mittelleitplanke. Ein weiteres Fahrzeug fuhr auf den Wagen des Ministers auf. Woidke und sein Fahrer wurden verletzt, konnten aber selbstständig ihr Fahrzeug verlassen. Sie wurden ins Krankenhaus gebracht. Die Insassen des anderen Autos, eine 27-Jährige und ihr 55 Jahre alter Vater wurden leicht verletzt.

Tragisches ereignete sich in Baden-Württemberg. Ein 33 Jahre alter Feuerwehrmann half beim Auspumpen eines vollgelaufenen Kellers in Korntal-Münchingen, als ihn ihm Wasser ein tödlicher Stromschlag traf. In Affalterbach kam eine 46 Jahre alte Frau ums Leben. Sie stand nach Polizeiangaben vor ihrem Haus, als ein Blitz in einen Baum neben ihrem Hundezwinger fuhr. Der umstürzende Baum verletzte die Frau tödlich. In Ludwigsburg wurde ein Arbeiter am Arm verletzt, als ein Blitz in einen Baukran einschlug.

In Frankfurt (Oder) rief die Feuerwehr am Samstagabend den Ausnahmezustand aus, die Hilfskräfte mussten zu mehr als 350 Einsätzen ausrücken. In Alt Tucheband wurde ein 42 Jahre alter Mann aus Burgstädt vom Blitz erschlagen, als er mit einer 22-jährigen Frau Schutz unter einem Baum suchte. Die Frau kam schwer verletzt ins Krankenhaus.

Der Autohersteller Porsche stoppte am Freitagabend die Produktion in seinem Werk in Stuttgart-Zuffenhausen. Mehrere Hallen standen unter Wasser, stundenlang fiel der Strom aus. Spezialkräfte seien das ganze Wochenende damit beschäftigt, die Schäden zu beseitigen, sagte ein Unternehmenssprecher am Samstag. Zur Frühschicht am Montag könne die Produktion voraussichtlich wieder aufgenommen werden.

Am Düsseldorfer Flughafen schaufelten am Samstagmorgen Kolonnen von Putzfrauen das Wasser im Ankunftsbereich weg, das dort zehn Zentimeter hoch gestanden hatte. Reisende mussten am Vorabend Verspätungen von bis zu drei Stunden in Kauf nehmen. «Es sind noch alle in den Urlaub gekommen», sagte ein Flughafen-Sprecher. Am Samstag gingen die Flüge wieder pünktlich raus.

Bei der Bahn fuhren mehr als 100 Züge im Raum Düsseldorf, Duisburg, Essen nicht planmäßig, weil die Elektronik in den Fluten versagte, abgerissene Äste in Oberleitungen hängen blieben und ein Blitz an einem Bahnübergang einschlug. Im Regierungsbezirk Düsseldorf mussten zu Beginn des ersten Ferienwochenendes 12 Autobahnabschnitte gesperrt werden. Zwölf Stunden war das Autobahnkreuz Meerbusch dicht, ehe das Wasser aus überfluteten Tunneln abgepumpt war. «Es war turbulent», sagte ein Sprecher der Düsseldorfer Feuerwehr.

In Essen meldete die Polizei Hagelkörner in Taubenei-Größe, überflutete Keller und umgestürzte Bäume. Bis Samstagmittag musste die Feuerwehr 780 Mal ausrücken. Das Technische Hilfswerk (THW) und Feuerwehren aus umliegenden Städten eilten den Essener Kollegen zu Hilfe.

In Kaiserslautern schlug ein Blitz in die Feuerwache ein. Zweieinhalb Stunden fiel der Strom aus, berichtete Einsatzleiter Peter Cornelius. Im saarländischen Sulzbach erfasste in der Hektik eines Unwetter-Einsatzes ein Feuerwehrauto einen 18-jährigen Fußgänger. Der Fahrer wollte einem THW-Fahrzeug ausweichen, das ebenfalls mit Blaulicht und Martinshorn fuhr und auf die Gegenfahrbahn geraten war. Der 18-Jährige erlitt Kopfverletzungen.

Auf dem Salzberg bei Zielitz in Sachsen-Anhalt trauten die Zuschauer der «Kalimandscharo»-Festspiele am Freitagabend ihren Augen nicht: Kräftiger Sturm hob die tonnenschwere Bühne an und versetzte sie um 30 Zentimeter. Hagelschauer rissen metertiefe Löcher in den Salzberg. Zwei Podeste und ein Sonnenschutzzelt flogen durch die Luft. Es gab keine Verletzten, teilte der Veranstalter am Samstag mit. Die Besucher der Vorstellung «Anna und das Irrenhaus am Rande der Stadt» hätten sich rechtzeitig in Sicherheit gebracht.

In Bayern standen nach dem Unwetter manche Autos bis zum Lenkrad im Wasser. Bei Weigendorf in der Oberpfalz wurde durch den Regen eine Gerölllawine ausgelöst, Steine auf der Fahrbahn blockierten nach Polizeiangaben stundenlang die Durchfahrt der angrenzenden Straße.

Auch die Schweiz blieb vom Unwetter nicht verschont: Zahlreiche Straßen des Dorfes Les Diablerets in den Waadtländer Alpen wurden überschwemmt und waren teilweise unpassierbar. Innerhalb von sechs Stunden seien in den Freiburger Voralpen und der Region Les Diablerets rund 40 bis 50 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen, sagte ein Sprecher von MeteoSchweiz der Nachrichtenagentur SDA.

Wetter / Unwetter
05.07.2009 · 11:02 Uhr
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