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Unvergleichlicher Netzer: Abschied ohne Duz-Angebot

Das Duo Netzer und Delling ist GeschichteGroßansicht
Hannover/Johannesburg (dpa) - Der «unvergleichliche Günter Netzer» ließ sich auch beim Abschied nicht verbiegen. Das vielfach erwartete Duz-Angebot an Gerhard Delling kam am Samstag nicht über seine Lippen. Immerhin bedankte sich der ARD-Experte bei seinem Partner für die langjährige Zusammenarbeit.

«Sie haben sich in den 13 Jahren als echter Freund erwiesen», sagte Netzer. Ehe sich sein Siez-Kumpel über das Lob freuen konnte, landete Netzer seinen letzten Treffer: «Meine Leidensfähigkeit wurde auf eine harte Probe gestellt. Und ich bin stolz, dass ich diesen Test bestanden habe.»

Mehr als ein Jahrzehnt moderierten der Ex-Nationalspieler und der TV-Mann die Fußball-Länderspiele im Ersten - ihre Sticheleien wurden Kult. Mit dem WM-Match um Platz 3 zwischen Deutschland und Uruguay beendete der frühere Weltklasse-Spielmacher sein TV-Engagement. Den Schlagabtausch mit dem künstlich beibehaltenen Sie hielten sie bis zum Ende durch.

«Ich kenne keine 'junge Kombination'. Aber ich werde nicht versuchen, Sie jetzt nach 13 Jahren noch zu verstehen», wies Netzer (65) seinen Partner Delling (51) auch beim letzten Hurra wie gewohnt in die Schranken. Dabei sind sie privat seit längerer Zeit befreundet, der «Blonde mit den großen Schuh» ist sogar der Trauzeuge von Delling.

Bundestrainer «Jogi» Löw übermittelte Netzer die Grüße der Mannschaft des WM-Dritten und dankte dem «lieber Günter» für die immer kompetenten Kommentare. «Jetzt hast Du bestimmt wieder mal Zeit und wir können zusammen essen gehen», sagte Löw. Auch der «Kaiser» verabschiedete das mit dem renommierten Grimme-Preis ausgezeichnete TV-Duo. «Günter wurde ja auch mit dem Gebrüder-Grimm-Preis ausgezeichnet. Schade, dass Du jetzt aufhörst. Aber Du hast die Unterhaltung und den Fußball befruchtet», erklärte Franz Beckenbauer per Videobotschaft.

«Das kriegt er zurück. Irgendwann muss ich ja wieder eine Laudatio halten», konterte Netzer aus dem WM-Studio in Johannesburg. Dort analysierte er zum letzten Mal den Auftritt des DFB-Teams, sparte dabei nicht mit Lob für die Löw-Truppe und fasste - kurz, knapp, kompetent und unaufgeregt wie fast immer - das vierwöchige Turnier in zwei Sätzen zusammen.

«Das war eine gut organisierte WM mit grausamen Getöse, mit schlechten Schiedsrichtern und durchschnittlichem Fußball. Alles wird überschattet durch die überragende deutsche Mannschaft», lautete Netzers persönliche WM-Bilanz. Sein Weggang hinterlässt eine große Lücke. Nachfolger Mehmet Scholl wird es schwer haben, sie zu schließen.

Fußball / WM / Netzer
11.07.2010 · 15:16 Uhr
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