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Unternehmensberater fordert staatliche Überwachung für Bankerboni

London/Berlin (dts) - Der Chef der Unternehmensberatung Booz & Co., Shumeet Banerji, fordert eine strenge staatliche Überwachung für Bonussysteme in Banken. "Wir müssen die Anreizstrukturen viel detaillierter überwachen als bisher - es ist nicht damit getan, die Haltefrist für die Aktien zu verlängern, die ein Manager als Vergütung erhält", sagte er im Interview mit der "Welt" (Dienstagausgabe). "Aufseher müssen zum Beispiel einschreiten, wenn ein Händler mit hohem Risiko unendliche Gewinne einstreichen kann, für Verluste aber nicht bestraft wird."

Offensichtlich seien die Banken alleine nicht in der Lage, die Vergütungssysteme grundlegend zu ändern. Die Vergütungsdebatte steht aus Sicht des 50-Jährigen im Zentrum der Bankenregulierung. Zwar hätten die Regulierer weltweit bei Kapitalquoten oder Verschuldungsgrenzen einiges erreicht. "Aber das Kernproblem sind aus meiner Sicht falsche Anreize für Bankmitarbeiter. Wenn man diese nicht in den Griff bekommt, bringt alles andere wenig", sagte Banerji der Zeitung. An diesen wesentlichen Stellschrauben habe die Politik bisher jedoch leider kaum gedreht: "Für den einzelnen Banker im Handelssaal hat sich überhaupt nichts geändert durch die Krise." Gleichzeitig ging Banerji mit den gängigen Bonussystemen der Investmentbanken hart ins Gericht. Einen erfolgreichen Wertpapierhändler mit zweistelligen Millionenprämien zu halten, mache nur dann Sinn, "wenn ich davon ausgehe, dass ich diese Gewinne nicht mehr mache, wenn der Händler kündigt. Das bezweifle ich aber", sagte der Berater der Zeitung. Wertpapierhandel gelte in den Banken nur als eine Frage des Talents, wie eine Fußballerkarriere oder ein Sieg in Wimbledon. "Das ist vollkommen übertrieben. Der Erfolg im Handelsgeschäft hängt von so vielen anderen Faktoren ab, etwa von der Kapitalausstattung, den technischen Möglichkeiten oder der Zinspolitik der Zentralbank", sagte Banerji. Für die von ihm geforderte strengere Überwachung müsste sich aus seiner Sicht jedoch auch die Aufsicht verändern. Idealerweise brauche sie die besten Fachleute in der gesamten Branche. "Dazu müssen wir diese Aufgabe zu einer der attraktivsten überhaupt machen und einem Top-Aufseher vielleicht auch drei Millionen Euro pro Jahr zahlen", sagte Banerji. Es gehe allerdings nicht nur um das Geld, sondern auch ums Prestige: Wenn in den USA jemand Finanzminister oder Richter am Supreme Court werden kann, "lässt er dafür alles andere stehen und liegen", so Banerji. "Dasselbe Prestige sollten wir für die Top-Positionen in der Bankenaufsicht anstreben."
DEU / England / Unternehmen / Finanzindustrie
03.08.2010 · 05:00 Uhr
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