News
 

Union will an Endlager Gorleben festhalten

Um den bisher als Endlager vorgesehenen Standort Gorleben ist erneut politischer Streit entstanden.
Hannover/Berlin (dpa) - Im Streit um die Endlagerung von hoch radioaktivem Müll aus deutschen Atomkraftwerken vertiefen sich die Gräben zwischen den Parteien. Die Union will am niedersächsischen Salzstock in Gorleben festhalten. Mehrere deutsche Wissenschaftler bezweifeln jedoch die Eignung des Standorts.

SPD, Grüne und Linke forderten einen Neustart bei der Suche nach einem Atommüll-Endlager, das für eine Million Jahre sicher sein soll.

Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) löste am Donnerstag zudem eine Debatte um alternative Endlager-Standorte in dem Bundesland aus. Er setzt zwar weiter auf das Projekt in Gorleben, sagte aber auch, bei einem Aus für den Standort würden Alternativen auch in Niedersachsen wieder hervorgeholt. Er nannte das Emsland und den Bereich Bad Zwischenahn. Diese Regionen seien in den 70er Jahren bereits bei einem Endlager-Suchverfahren dabei gewesen, sagte Sander dem Sender Hit-Radio Antenne.

«Wer glaubt, dass Niedersachsen aus dem Schneider ist, wenn Gorleben nicht kommen sollte, liegt falsch. Davor warne ich ausdrücklich», erklärte der Minister. Die Opposition reagierte mit Unverständnis auf die Aussagen des Ministers und warf ihm unter anderem vor, damit gegen niedersächsische Interessen zu verstoßen.

Neben Gorleben waren laut Umweltministerium in den bisherigen Untersuchungen der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Wahn im Emsland, Lichtenhorst nördlich von Hannover, Mariaglück in Höfer bei Celle und Zwischenahn im Gespräch. Auch Waddekath (Sachsen- Anhalt) und Gülze-Sumte (Mecklenburg-Vorpommern) gehörten in Norddeutschland dazu. Aber auch in Bayern und Baden-Württemberg liegen potenziell geeignete Gesteinsvorkommen.

Die Vizevorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Katherina Reiche (CDU), widersprach den Zweifeln von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) an der Eignung des Standorts Gorleben im Wendland. «Totgesagte leben länger», sagte die CDU-Umweltexpertin, nachdem Gabriel Gorleben als Endlager für «tot» erklärt hatte. Dem Minister gehe es nicht um eine Lösung der Endlagerfrage, sondern nur darum, Wahlkampf zu führen. Grünen-Spitzenkandidat Jürgen Trittin warf dagegen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor, wissenschaftliche Erkenntnisse und die Erfahrungen mit dem einsturzgefährdeten Atommülllager Asse bei Wolfenbüttel auszublenden.

Gabriel sieht keine Chance mehr für eine weitere Erkundung des Salzstocks Gorleben. Als Gründe nannte er begrenzte Erkundungsrechte und «vertuschte» Sicherheitsbedenken gegen die Eignung im Jahr 1983 durch die damalige unionsgeführte Bundesregierung.

Sander sprach sich in einer hitzig geführten Debatte im Landtag dafür aus, Gorleben weiter auf eine Eignung als Endlager zu untersuchen. Die Erkundung ist nach einer Vereinbarung der früheren rot-grünen Bundesregierung seit Jahren gestoppt, dieses Moratorium läuft aber 2010 aus.

Mehrere Wissenschaftler äußerten im ARD-Magazin «Panorama» massive Zweifel an der Eignung des Salzstocks. Unter anderem sagte der Kieler Geologe Prof. Klaus Duphorn, der bereits vor Jahrzehnten in einem Gutachten Bedenken geäußert hatte, er sei bedrängt worden, damit er sein negatives Votum ändere. Der Druck sei aus der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt gekommen, die dem Bundesforschungsministerium unterstellt war.

Das Bundesamt für Strahlenschutz in Salzgitter teilte am Donnerstag außerdem mit, dass es im unterirdischen Atommüllendlager Morsleben in Sachsen-Anhalt erneut Stabilitätsprobleme gibt. Im Zentralteil des Salzstockes, in dem keine radioaktiven Abfälle lagerten, könnten größere Gesteinsbrocken von der Decke fallen.

Atom / Gorleben
27.08.2009 · 18:37 Uhr
[13 Kommentare]

Die aktuellen Schlagzeilen

 
 

News-Suche

 

News-Archiv

 
Diese Woche
11.12.2017(Heute)
Letzte Woche
Vorletzte Woche
Top News

Weitere Themen