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Union prüft bis zu 28 Jahre längere Atomlaufzeit

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Berlin (dpa) - Die Union will auf Druck ihrer Wirtschaftspolitiker eine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke von bis zu 28 Jahren prüfen lassen. CDU/CSU-Politiker bestätigten eine entsprechende Bitte des Fraktionsvorstandes an die Regierung.

Auch wenn es sich zunächst nur um Modell-Rechnungen im Rahmen des für den Herbst geplanten nationalen Energiekonzepts handelt: Die Union entfernt sich damit von der von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) ins Spiel gebrachten Laufzeitverlängerung von «nur» etwa acht Jahren bis 2030.

Eine Verschiebung des Atomausstiegs um 28 Jahre auf das neue Endjahr 2050 brächte den Konzernen Eon, RWE, Vattenfall und EnBW über Jahre Milliarden-Zusatzgewinne für steuerlich längst abgeschriebene Anlagen. Schwarz-Gelb will davon aber einen großen Teil abschöpfen, um vor allem Speichertechnologien bei Öko-Energien voranzubringen. Kritik kam aus der Opposition und von Umweltschützern. Nach dem noch gültigen Atomgesetz soll der Atomausstieg bis 2022 vollzogen werden.

Nach einer Sitzung des Koalitionsausschusses betonten CSU- Landesgruppenchef Hans-Peter Friedrich und der Parlamentarische Geschäftsführer der Unions-Fraktion, Peter Altmaier (CDU), zur tatsächlichen Laufzeitverlängerung sei noch nichts beschlossen. Die Wirtschaftspolitiker hätten jedoch eingeräumt, dass die Szenarien für das Energiekonzept bei 28 statt bisher 20 Jahren enden sollten, sagte Friedrich. «Ich denke, das ist richtig.»

Die von der Bundesregierung geplanten Alternativ-Berechnungen dienen der Ermittlung der künftigen Anteile von Atom-, Kohle- und Ökostrom zur Sicherung der Energieversorgung (Energiemix). Röttgen, Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) und Kanzleramtschef Ronald Pofalla (CDU) hatten sich für die nötigen Modellrechnungen zuletzt auf Laufzeitverlängerungen von 5, 10, 15 und 20 Jahren verständigt. Jetzt geht es um ein weiteres Rechenmodell mit insgesamt 28 Jahren Verlängerung, die von RWE-Chef Jürgen Großmann gefordert wird.

Bei einer längeren Laufzeit von 28 Jahren würde sich die nach dem Atomgesetz angenommene Regellaufzeit für Reaktoren im Extremfall von 32 auf 60 Jahre verlängern. Auch FDP-Umweltsprecher Michael Kauch sagte auf dpa-Anfrage: «Die Rechnung von Szenarien ist keine Vorentscheidung. In der Koalition ist vereinbart, dass die Kernkraft nur eine Brücke in das regenerative Zeitalter sein soll.

Die atompolitische Sprecherin der Grünen, Sylvia Kotting-Uhl, forderte die Union auf, ihre Pläne noch einmal zu überdenken. «Dann käme sie vielleicht zu der Erkenntnis, dass längere AKW-Laufzeiten kein einziges Problem lösen, aber unzählige schaffen.» Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) warf der CDU/CSU vor, mit längeren Atomlaufzeiten die Modernisierung der Energieversorgung zu blockieren. Bis Mitte des Jahrhunderts sei ein Umstieg auf 100 Prozent Öko-Energien nötig, sagte BUND-Chef Hubert Weiger. Solche Investitionen würden jedoch durch die Laufzeitverlängerung verhindert. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin kündigte wie zuvor die SPD-Führung die Teilnahme an Antiatom-Aktionen im April an.

Atom / Energie
23.03.2010 · 17:21 Uhr
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