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Uni Leipzig sieht Gefahrenpotenzial in weit verbreitetem Herbizid

Leipzig (dts) - Das weltweit am häufigsten eingesetzte Pflanzenschutz-Mittel "Glyphosat" steht im Verdacht, längst nicht so ungefährlich zu sein, wie bisher behauptet. Wie die "Westfälische Rundschau" (Freitagausgabe) berichtet, haben Forscher der Uni Leipzig Hinweise gefunden, dass auch Menschen das Gift möglicherweise über die Nahrungskette aufnehmen. "Glyphosat", das beispielsweise in Mitteln wie "Round Up" enthalten ist, gilt als einfach anzuwenden und effektiv: Unkraut verdorrt schon kurz nachdem das Herbizid verspritzt ist, Nutzpflanzen können ungehindert wachsen.

Der Wirkstoff sei "im Vergleich zu anderen Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen eher als wenig giftig anzusehen", glaubt bisher das Bundesamt für Verbraucherschutz. Und auch das NRW-Umweltministerium sieht Glyphosat "aus Umwelt- und Gesundheitssicht als unproblematisch" an. Doch nach Auffassung von Wissenschaftlern muss dringend eine Neubewertung erfolgen. In einer noch laufenden Studie des Instituts für Bakteriologie und Mykologie an der Uni Leipzig, wurden im Urin von fast allen untersuchten Rindern Rückstände von Glyphosat nachgewiesen. Und eine Untersuchung von 81 Männern und Frauen, die nicht in der Landwirtschaft tätig sind und daher keinen direkten Kontakt mit Pestiziden haben, ergab ebenfalls: Auch sie hatten Glyphosat im Körper. Die Leiterin des Instituts, Monika Krüger, vermutet im Gespräch mit der "Westfälischen Rundschau", dass Tiere wie Menschen den Giftstoff über die Nahrung aufgenommen haben. Im Körper könnte der Wirkstoff zu einer krankhaften Veränderung der Magen-Darm-Flora führen. Seit Jahren steigt die Menge des verkauften Giftes in Deutschland: Seit 1995 hat sie sich mehr als verdreifacht - vor allem nachdem das Patent des Erfinders Monsanto ausgelaufen ist und auch Nachahmer-Herbizide auf den Markt drängen. Damit sank auch der Preis. Und das Herbizid wird häufiger angewendet - bei Hobby-Gärtnern, vor allem aber in der Landwirtschaft. Das Gift wird dort nicht mehr nur auf den Acker gespritzt, bevor das Getreide wächst, sondern in manchen Fällen auch auf das fast fertige Korn. Die Behandlung ungleichmäßig reifer Getreidebestände erfolgt wenige Tage vor der Ernte. Dadurch werden die grünen Bestandteile des Getreides schon am Halm trocken. Die Leipziger Wissenschaftler fürchten, dass so auch das frisch ausgebrachte Glyphosat über die Körner in Lebensmittel gelangen könnte. Untersuchungen des Bundesamtes für Verbraucherschutz gaben darauf bislang jedoch wenig Hinweise. Allerdings wurden bundesweit im Jahr 2010 nur 197 Proben untersucht.
DEU / Umweltschutz / Wissenschaft / Nahrungsmittel
19.07.2012 · 21:11 Uhr
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