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Unfall in deutscher Urananlage: Arbeiter verstrahlt

Luftbild der Urananreicherungsanlage in Gronau. (Archivbild)Großansicht
Gronau (dpa) - Bei einem Störfall in Deutschlands einziger Uranfabrik im Münsterland hat ein Arbeiter radioaktive Strahlen abbekommen. Der Unfall hatte sich am Donnerstagnachmittag im Inneren der Urananreicherungsanlage in Gronau ereignet.

Der 45 Jahre alte Mann sei nach dem Unfall zur Beobachtung in die Universitätsklinik Münster gekommen, teilte die Atomaufsicht beim Düsseldorfer Energieministerium am Freitag mit.

«Ihm geht es aktuell sehr gut», sagte der Direktor der Klinik für Nuklearmedizin, Prof. Otmar Schober. Akute Schädigungen seien derzeit nicht erkennbar. Der Arbeiter hat laut Atomaufsicht eine noch unbekannte Menge Uranhexafluorid an Armen und Beinen abbekommen. Er erlitt zudem einen Schock. Uranhexafluorid entsteht als Nebenprodukt bei der Urananreicherung. Der Stoff wirkt ätzend, die Aufnahme in hohen Konzentrationen kann tödlich sein.

Für die Bevölkerung bestand nach Angaben der Betreiberfirma Urenco keine Gefahr. Die verstrahlte Raumluft sei gefiltert worden und nicht nach außen gedrungen, sagte eine Urenco-Sprecherin. Die radioaktiven Stoffe traten in der sogenannten Behältervorbereitung der Anlage aus. Seitens der Atomaufsicht hieß es weiter, die Ursache für den Zwischenfall sei noch unklar. Im Auftrag des Ministeriums begannen Gutachter noch am Freitag mit Untersuchungen in Gronau.

Der Mann wird nach Auskunft der Ärzte noch einige Tage in der Klinik bleiben. Zu möglichen Spätfolgen könne noch nichts gesagt werden. Weitere Erkenntnisse könnten Proben von Blut, Speichel und Urin bringen, die zur Auswertung in das Strahlenschutzzentrum in Jülich geschickt wurden.

In der einzigen Urananreicherungsanlage Deutschlands, die 1985 in Betrieb ging, wird in der Natur vorkommendes Uran derart verändert, dass der Stoff in Kernkraftwerken zur Energiegewinnung genutzt werden kann. Atomkraftgegner, Umweltorganisationen und die Grünen forderten die Stilllegung der Anlage. Es handele sich um einen der schwersten Störfälle, hieß es in einer Mitteilung des «Aktionsbündnisses Münsterland gegen Atomanlagen». Der nordrhein-westfälische Grünen-Chef Arndt Klocke sagte, der Zwischenfall beweise einmal mehr, dass Unfälle in Atomanlagen immer möglich seien. Für die NRW-SPD zeigt der Störfall: «Am Atomausstieg darf nicht gerüttelt werden.»

Atom / Unfälle
22.01.2010 · 17:47 Uhr
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