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Uneinigkeiten bei G20-Treffen in London

Großbritanniens Finanzminister Alistair Darling warnt vor einem Ende der Konjunkturprogramme.Großansicht
London (dpa) - Bei dem Treffen der G20-Finanzminister an diesem Wochenende in London zeichnet sich ein Zwist über die Begrenzung von Banker-Boni ab. Zudem sind sich die Länder nicht einig, wie der Ausstieg aus den milliardenschweren Konjunkturprogrammen auszusehen hat.

Während Länder wie Frankreich und Deutschland eine härtere Gangart bei Bonuszahlungen anstreben, will Großbritannien keine allzu drastischen Maßnahmen. Außerdem warnte London davor, dass andere Länder ihre Krisenprogramme zu schnell beenden könnten.

Bei dem Treffen der Finanzminister der führenden Industrie- und Schwellenländer an diesem Samstag in London sollen die Grundsteine für den G20-Gipfel am 24. und 25. September im amerikanischen Pittsburgh gelegt werden. Das weitere Vorgehen in der EU wird zudem auch Thema eines Sondergipfels der EU-Staats- und Regierungschefs in Brüssel sein, der für den 17. September einberufen wurde.

Der britische Finanzminister Alistair Darling warnte vor zu viel Euphorie: Zwar besserten sich die Wirtschaftsaussichten für 2010. Es gebe aber immer noch Unsicherheiten. «Das größte Risiko ist, dass wir denken, die Erholung sei garantiert», sagte er. «Kein Land kann selbstzufrieden sein - wir müssen das (die Konjunkturprogramme) durchziehen». Im Gegensatz zu Großbritannien hatten Deutschland und Frankreich zuletzt wieder ein leichtes Wachstum verzeichnet. Das schürte in London die Sorge, dass sich die Länder von ihren Konjunkturhilfen verabschiedeten.

Der Chef des Internationalen Währungsfonds IWF, Dominique Strauss- Kahn, forderte die Staatengemeinschaft auf, bei der Neuordnung der globalen Finanzmärkte nicht nachzulassen. «Ich fordere die Politik auf, an den Reformbemühungen festzuhalten», sagte er am Freitag in Berlin. Er habe die Sorge, dass der Reformwille nachlasse. Zuvor hatte auch schon Bundesbank-Präsident Axel Weber vor einem zu frühen Ausstieg aus den Anti-Krisenprogrammen gewarnt.

Derweil erteilte Darling dem französischen Vorschlag für eine Obergrenze für Boni eine Absage. «Ich denke, das würde nicht funktionieren - denn wenn man den Leuten den Bonus begrenzt, dann werden sie sich höhere Gehälter auszahlen.»

Der deutsche Finanzminister Peer Steinbrück sowie sechs weitere EU-Finanzminister forderten derweil scharfe Maßnahmen gegen hohe Bonuszahlungen. In einem gemeinsamen Beitrag für die Stockholmer Zeitung «Dagens Nyheter» attackieren die Minister die Verantwortung der Banken für die internationale Finanzkrise. Deren Agieren mit Blick auf extrem hohe Boni sei «ein Schlag ins Gesicht der Arbeitslosen».

Am Vortag hatten sich Deutschland, Frankreich und Großbritannien zwar gemeinsam für ein Ende exzessiver Bonus-Zahlungen ausgesprochen. Unter anderem lehnen sie «garantierte Bonuszahlungen» ab und erwägen, die Zahlungen ganz zu streichen, wenn die Bank schlechte Leistungen bringt. Unklar war aber noch, auf welche Art und Weise die Einschränkungen genau umgesetzt werden sollen. Großbritannien bangt vor allem um seinen Finanzplatz London.

Auf dem Londoner Treffen stehen zudem Diskussionen über die Kapitalausstattung von Banken sowie das Vorgehen gegen Steueroasen an. Zudem sind bisher nicht die 500 Milliarden Euro zusammengekommen, die die Staaten auf dem G20-Gipfel im April in London für den Internationalen Währungsfonds versprochen hatten.

G20 / Finanzen / Großbritannien
04.09.2009 · 14:28 Uhr
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