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UN warnen vor «zweiter Welle von Toten» in Pakistan

Flutopfer warten in einem Dorf nahe Sukkur auf Hilfe.Großansicht

Islamabad/Neu Delhi (dpa) - Die Vereinten Nationen haben vor einer «zweiten Welle von Toten» bei der Flutkatastrophe in Pakistan gewarnt und schnellere Hilfe der Weltgemeinschaft angemahnt.

In einem Spendenaufruf forderten die UN bei ihren 192 Mitgliedsstaaten 459 Millionen Dollar (352 Millionen Euro) Soforthilfe an. Sechs Millionen Menschen würden dringend Hilfe brauchen. Damit sei das Ausmaß der humanitären Katastrophe - obwohl es weniger Todesopfer gebe - schlimmer als beim Erdbeben in Haiti, beim Tsunamis 2004 oder bei dem Erdbeben in Pakistan 2005.

«Bislang ist die Anzahl der Toten begrenzt, weniger als 2000 Menschen sind gestorben», sagte der Sprecher des UN-Büros zur Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) in Pakistan, Maurizio Giuliano am Mittwoch in Islamabad. Sollte aber nicht schnell Hilfe kommen, bestehe die Gefahr, dass viele weitere Menschen an Krankheiten und Unterernährung sterben. «Wir müssen schnell sein, wenn wir die zweite Welle von Toten verhindern wollen.»

«Das Ausmaß der Katastrophe ist enorm, und enorm muss auch die Hilfe sein, die jetzt kommen muss», sagte OCHA-Chef John Holmes. Nötig seien zuerst Unterkünfte, sauberes Wasser, Lebensmittel, sanitäre Anlagen und medizinische Hilfe. Eine der größten Sorgen sei, dass es zu Epidemien durch unsauberes Wasser kommen könne, sagte der Engländer. Mit sechs Millionen Menschen, die dringend Hilfe brauchen, hätten die UN nicht einmal beim Tsunami und Anfang des Jahres beim Erdbeben in Haiti zu kämpfen gehabt. «Ich will keine Rangliste der Katastrophen erstellen, aber das Unglück ist gewaltig.»

Die 459 Millionen Dollar würden in den nächsten 90 Tagen zur Linderung der dringendsten Not gebraucht. Dazu zählen Nahrung, Trinkwasser und Materialien zur Wasseraufbereitung sowie Medikamente, Zelte, Kochgeschirr und Moskitonetze. 288 000 Häuser wurden zerstört oder schwer beschädigt. Die UN arbeiten zurzeit gemeinsam mit Nichtregierungsorganisationen und der Internationalen Organisation für Migration (IOM) in sieben verschiedenen Regionen des Landes.

Nach Holmes' Worten hatten verschiedene Staaten schon vor dem Spendenaufruf etwa 160 Millionen Dollar zugesagt. So hat Deutschland jetzt seine Hilfe auf zehn Millionen Euro verfünffacht. Die US- Regierung erweiterte ihre Hilfe um 20 Millionen auf 55 Millionen Dollar (42 Millionen Euro). Auch die EU sagte weitere 10 Millionen Euro zu. An den nun 40 Millionen Euro ist Deutschland noch einmal maßgeblich beteiligt.

Die pakistanischen Taliban forderten die Regierung in Islamabad und die Opfer der Jahrhundertflut zum Verzicht auf internationale Hilfe auf. Im Gegenzug boten die radikal-islamischen Aufständischen an, 20 Millionen Dollar (gut 15 Millionen Euro) Katastrophenhilfe zur Verfügung zu stellen. Der Sprecher der Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP), Maulana Azam Tariq, sagte der Nachrichtenagentur dpa per Telefon: «Alle Unterstützung, die kommt, ist von den Christen und Juden, die die Feinde des Islams sind. Die Menschen sollten gewarnt sein, dass die Ungläubigen uns versklaven wollen, indem sie die Hilfe stellen.»

Die Behörden evakuierten unterdessen weitere gefährdete Gebiete. Pakistanische Medien berichteten, in den Provinzen Punjab und Sindh seien Dutzende weitere Dörfer überspült worden. Im Norden Pakistans starben nach Angaben der Polizei bei Blitzschlägen 32 Menschen. Tote wurden auch aus der südwestpakistanischen Provinz Baluchistan gemeldet.

Die offizielle Katastrophenhilfe für Pakistan ist nach Einschätzung der Hilfsorganisation Oxfam Deutschland bisher völlig unzureichend. «Im Moment stehen umgerechnet nur 2,40 Euro pro Flutopfer zur Verfügung», kritisierte Paul Bendix, Geschäftsführer von Oxfam Deutschland, in Berlin. «Das ist extrem viel weniger als bei vergleichbaren Krisen.»

Auch in anderen Ländern gab es Überschwemmungen. Unter den Toten der Flutkatastrophe in der nordindischen Himalaya-Region Ladakh sind nach Angaben des indischen Außenministeriums fünf westliche Ausländer. Es handele sich um drei Franzosen, einen Italiener und einen Spanier. Konkrete Hinweise auf verunglückte Deutsche gibt es laut Botschaft nicht.

Erdrutsche und Überschwemmungen nach sintflutartigen Regenfällen am vergangenen Donnerstag kosteten nach offiziellen Angaben in Indien 185 Menschen das Leben. Zu 220 Ausländern - darunter 51 Franzosen und sechs Deutschen - habe man weiterhin keinen Kontakt, sagte der Sprecher der Leitstelle.

Bei einem Erdrutsch nach starken Monsunregenfällen kamen im Westen Nepals sieben Menschen ums Leben. Die Zeitung «Republica» berichtete am Mittwoch, im Distrikt Bajura seien am Vortag vier Häuser unter den Erdmassen begraben worden.

Wetter / Unwetter / Pakistan / Indien
11.08.2010 · 19:08 Uhr
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