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UN-Klimagipfel ringt in Schlussphase um Einigung

UN-Klimagipfel in CancúnGroßansicht

Cancún (dpa) - Der Streit über die Spielregeln bei der Minderung von Treibhausgasen hat beim UN-Klimagipfel in Cancún einen echten Durchbruch zunächst verhindert.

Die Vertreter der rund 190 Staaten rangen am Freitag bis zuletzt in vielen Arbeitsgruppen um Ergebnisse in Einzelbereichen, etwa beim Schutz der Wälder vor Abholzung oder Milliardenhilfen für besonders vom Klimawandel getroffene Länder.

Die Inselstaaten wollten zudem einen Ersatz dafür, wenn ihre Heimat untergeht und sie sich nicht mehr an den Klimawandel anpassen können. Nach Angaben von Klimaschützern sperrten sich aber zunächst die Industrieländer gegen solche in die Milliarden gehenden Kompensationen. Der Bereich Anpassung an die Folgen des Klimawandels war ansonsten schon recht weit vorangeschritten - doch wie in vielen Fällen hing ein wirklicher Erfolg noch am Geld.

«Das Problem ist, dass es beim globalen Klimaschutz keine Führung gibt», sagte NABU-Präsident Olaf Tschimpke am Freitagmorgen (Ortszeit). «China will es nicht und die USA können es nicht.» Der Leiter der Klimapolitik bei der Umweltschutzorganisation Greenpeace, Martin Kaiser, sagte: «Mit der knallharten Androhung von Japan und Russland das Kyoto-Protokoll zu beerdigen, steht es kurz vor Ende der Verhandlungen Spitz auf Knopf».

Kaiser betonte, mit diplomatischen Mini-Fortschritten «ist uns im Kampf gegen die globale Erwärmung nicht geholfen». «Stillstand der Klimadiplomatie heißt weiterhin freies Spiel für die Mineralöl-, Kohle- und Holzindustrie.» Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) dürfe in den letzten Stunden nicht den Überblick verlieren und müsse Bausteine für einen globalen Klimaschutzvertrag vereinbaren, der dann 2011 beim Klimagipfel in Südafrika verabschiedet werden kann.

Japan bekräftigte, ein Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyotoprotokoll alleine sei kein effektiver Weg, um den Klimawandel zu bekämpfen. Der japanische Delegierte Akira Yamada betonte, es umfasse nur 27 Prozent der globalen Emissionen.

Japan will mit der Blockade auch erzwingen, dass besonders die USA und China stärker verpflichtet werden, ihre Emissionen drastisch zu reduzieren. China aber sperrt sich bisher gegen eine Überprüfung durch die Vereinten Nationen, ob Minderungsziele eingehalten werden. Unklar war zunächst, ob die freiwilligen Reduktionsziele von Kopenhagen, die immerhin Länder mit 80 Prozent der Emissionen umfassen, verbindlich festgeklopft werden können.

Cancún wird angesichts der zähen Verhandlungen daher nur eine Zwischenetappe sein. Ein Kyoto-Nachfolgeabkommen, in das Industrie- wie Entwicklungsländer eingebunden werden sollen, dürfte damit frühestens beim nächsten Klimagipfel im südafrikanischen Durban auf den Weg gebracht werden.

Beim Thema Nachfolge des Kyotoprotokolls sei auf Arbeitsebene der Punkt erreicht, an dem nur noch Politiker Lösungen finden könnten, sagte Arbeitsgruppenleiter John Ashe ernüchtert. Zur Ausgestaltung des Klimahilfsfonds für Entwicklungsländer lagen vier Optionen auf dem Tisch. Immerhin sah der Teamleitung eine Annäherung der Staaten, solch einen Fonds überhaupt zu etablieren.

Auch beim Waldschutzabkommen REDD+ waren Kernpunkte wie Finanzierung und ein Messsystem nicht endgültig geklärt. Zudem war noch nicht fertig ausformuliert, ob das Abkommen einzelne Wälder jeweils für sich oder die gesamten Wälder eines Landes betrachten soll. Falls nur ein Wald einzeln geschützt wird, besteht die Befürchtung, dass Holz im Nachbarwald geschlagen wird.

«Wir haben nicht mehr viel Zeit», mahnte die Verhandlungsleiterin des Gipfels, Patricia Espinosa, wenige Stunden vor dem offiziellem Abschluss des Gipfels. «Schauen Sie über Ihre nationalen Grenzen hinweg.» Umweltminister Röttgen forderte, nicht zu viele Probleme auf die Zukunft zu verschieben. «Je weniger wir hier in Cancún aufs Papier bringen, desto dicker wird der Rucksack für Durban», betonte Röttgen mit Blick auf die UN-Klimakonferenz 2011 in Südafrika.

Der Gipfel sollte in der Nacht zu Samstag deutscher Zeit enden. Bei der Konferenz würden nicht täglich Punkte abgehakt, sondern alles sei im Fluss, hänge miteinander zusammen und laufe damit auf eine Entscheidung am Ende hinaus, sagte Röttgen. Abkommen zum Erhalt der Wälder und ein «grüner Fonds», um Entwicklungsländer bei der Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen, könnten wohl erst verabschiedet werden, wenn man bei der Überwachung und Messung der Reduktion von Treibhausgasen zu einer Entscheidung komme.

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UN / Klima
10.12.2010 · 17:43 Uhr
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