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UN-Klimachef de Boer wirft das Handtuch

UN-Klimachef Yvo de Boer, hier im Dezember 2009 in Kopenhagen, hat überraschend seinen Rücktritt angekündigt.
Bonn (dpa) - UN-Klimachef Yvo de Boer hat zwei Monate nach dem Desaster des Weltklimagipfels von Kopenhagen überraschend seinen Rücktritt angekündigt. Der 55-jährige Niederländer spielte jahrelang eine Schlüsselrolle bei den globalen Klimaschutz-Verhandlungen.

Sein vorzeitiges Ausscheiden bedeutet einen schweren Schlag für den Fortgang der Verhandlungen unter dem Dach der Vereinten Nationen. In einer persönlichen Erklärung zu seinem Rückzug hielt sich de Boer am Donnerstag mit Kritik an dem seit Jahren schleppenden Verhandlungsprozess für ein neues Weltklima-Abkommen zurück.

Yvo de Boer stand seit September 2006 an der Spitze des UN- Klimasekretariats in Bonn. Er wird zum 1. Juli dieses Jahres sein Amt vorzeitig aufgeben. Sein jetziger Vertrag wäre noch bis zum September gelaufen. Es gab bisher keine Anzeichen, dass er nicht verlängert worden wäre - zumal Ende des Jahres in Mexiko ein erneuter Anlauf zu einer neuen Weltklima-Vereinbarung unternommen werden soll. Namen für einen Nachfolger wurden noch nicht genannt.

Nach eigenen Angaben will de Boer zum privaten Beratungsunternehmen KPMG wechseln und dort internationaler Berater für Klimaschutz und ökologische Nachhaltigkeit werden. Außerdem werde er mit einigen Universitäten zusammenarbeiten.

Mit zu seiner Entscheidung dürfte auch das Scheitern des Kopenhagener Gipfels beigetragen haben. Bei dem taktierenden Ringen der Staats- und Regierungschefs wurde de Boer in eine ungewohnte Außenseiterrolle abgedrängt. Die politische Konfrontation zwischen den USA und China und der Unmut vieler Länder bestimmte schließlich wesentlich den Ausgang der Verhandlungen.

Yvo de Boer hatte im Schulterschluss mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon im Vorfeld auf ein substanzielles Ergebnis gedrängt und immer wieder vor den verheerenden Folgen der fortschreitenden Erderwärmung gewarnt. Besonders die Industriestaaten hätten die Verpflichtung, mehr für den Klimaschutz zu tun und ihre Treibhausgase stärker zu mindern.

Es sei für ihn eine «schwierige Entscheidung» gewesen, erklärte de Boer jetzt. «Aber ich glaube, die Zeit ist reif für mich, eine neue Herausforderung zu übernehmen.» Sein Wechsel in die Privatwirtschaft signalisiere auch die Bedeutung dieses Sektors für den Klimaschutz.

De Boer wird nun noch die UN-Zwischenkonferenz im Frühjahr in Bonn vorbereiten. Dabei soll die nächste große Konferenz im November/Dezember in Cancun (Mexiko) vorbereitet werden. Dort soll der Faden von Kopenhagen wieder aufgenommen und ein Folgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll verabschiedet werden. Die Aussichten dafür sind nach den Ergebnissen von Kopenhagen ungewiss.

UN / Umwelt / Klima
18.02.2010 · 14:10 Uhr
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