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UN-Gericht stoppt Japans Jagd auf Wale

Japanisches WalfangschiffGroßansicht

Den Haag (dpa) - Wale sind vom Aussterben bedroht und daher geschützt. Seit über 25 Jahren macht Japan dennoch Jagd auf die Meeressäuger - angeblich zu Forschungszwecken. Jetzt schieben Richter der Vereinten Nationen dem einen Riegel vor.

Das höchste UN-Gericht hat Japan die Jagd auf Großwale im Südpolarmeer verboten. Das Land verstoße dort gegen internationales Recht, urteilte der Internationale Gerichtshof (IGH) am Montag in Den Haag. Das Urteil hat generell Folgen für den Walfang zu Forschungszwecken. Aus wissenschaftlichen Gründen dürfen Großwale nach dem Urteil nur in sehr begrenzter Zahl getötet werden. Auch in einem anderen Jagdgebiet wäre Japan daran gebunden.

Die kommerzielle Jagd auf Großwale ist seit 1986 verboten. Japan hatte sich allerdings auf eine Ausnahmeregelung in der Konvention berufen. Danach dürfen die Tiere zu wissenschaftlichen Zwecken getötet werden. Seit mehr als 25 Jahren haben japanische Jäger im Rahmen eines umstrittenen Forschungsprogramms über 10 000 Großwale in den antarktischen Gewässern getötet. Australien, das die Klage 2010 angestrengt hatte, und Umweltschützer begrüßten das Urteil als großen Sieg für die geschützten Tiere.

Japan hat nach Auffassung des Gerichts im Prinzip das Recht, zu forschen und dafür Großwale zu töten. Doch Ziele, Aufbau und Methoden des betreffenden Forschungsprogramms Jarpa II im Südpolarmeer nannte der slowakische Gerichtspräsident Peter Tomka «zweifelhaft». So hatte Japan die Fang-Quoten ohne nähere Begründung auf fast 1000 Wale pro Jahr festgesetzt, und es gab praktisch keine wissenschaftlichen Ergebnisse.

Das Fazit der Richter war eindeutig: Die Jagd im Südpolarmeer dient «keinem wissenschaftlichen Zweck». Das Land muss die Jagd dort daher einstellen und alle Lizenzen mit sofortiger Wirkung widerrufen.

«Das bedeutet, dass wir keine Harpunen mehr im Südlichen Ozean sehen werden», sagte der ehemalige australische Umweltminister Peter Garrett dem Sender ABC. Er sei überglücklich angesichts der Entscheidung. Garrett hatte den Prozess angestoßen.

Der Regierungsvertreter Japans, Koji Tsuruoka, sagte nach Angaben der Nachrichtenagentur Kyodo, Japan werde sich der Entscheidung als ein Land, dass Gesetze respektiere, fügen. Gleichwohl drückte er seine tiefe Enttäuschung über das Urteil aus. Dieses ist für die Jagd im Südpolarmeer bindend. Es bezieht sich jedoch nicht auf das allerdings deutlich kleinere Walfangprogramm Japans im Nordpazifik.

Nach der fast zweistündigen Sitzung in Den Haag schüttelten sich die Rechtsvertreter beider Länder höflich die Hände. Doch während die Australier strahlten, verzogen die Juristen Japans keine Mine. Für Japan ist der Spruch ein schwerer Schlag. Der größte Teil seines Großwal-Fleisches kommt aus dem Schutzgebiet um den Südpol.

Eine Ausweitung des Jagdgebietes gen Norden halten Juristen und Umweltschützer für unwahrscheinlich. «Dort gelten dieselben Regeln» sagte ein Sprecher von Sea Shepherd in Den Haag. Die Schiffe der Umweltschützer hatten seit Jahren die Flotte der Japaner mit aggressiven Methoden gestört.

Sollte sich Japan wider Erwarten dem Richterspruch widersetzen, könnte nur der UN-Sicherheitsrat die Durchsetzung erzwingen. Bisher aber hatten sich in den meisten Fällen die Staaten dem Urteil des UN-Gerichtes gebeugt. Tokio könnte allerdings sein Forschungsprogramm überarbeiten, so dass es juristischen und wissenschaftlichen Kriterien entspricht.

Kommerzieller Walfang, wie ihn Norwegen und Island betreiben, ist nach einer Konvention von 1986 zwar ebenfalls verboten. Die Länder berufen sich aber auf andere Regeln als Japan. Das Gericht hatte sich nur mit der Ausnahme für wissenschaftliche Forschung befasst.

Das Urteil war nach Ansicht von Tierschützern überfällig. «Dies ist eine Sternstunde für den weltweiten Walschutz», sagte Tim Packeiser, Meeresschützer beim WWF Deutschland. «In ihrem wichtigsten Schutzgebiet sind bedrohte Finnwale nun endlich vor den Harpunen japanischer Waljägern geschützt.»

Von einem «starken Signal» gegen sinnloses Töten in der Antarktis sprach der Präsident des Deutschen Tierschutzbundes, Thomas Schröder. Sandra Altherr von der Organisation Pro Wildlife sprach von «einer schallenden Ohrfeige für Japans Walfangpolitik».

Wissenschaft / UN / Walfang / Japan / Australien / Niederlande
31.03.2014 · 19:04 Uhr
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