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UN-Generalsekretär verspricht Pakistan weitere Hilfe

Hochwasser in PakistanGroßansicht

Islamabad (dpa) - UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat den Menschen in den pakistanischen Hochwassergebieten weitere Unterstützung der internationalen Gemeinschaft zugesichert. «Diese beispiellosen Überschwemmungen erfordern beispiellose Hilfe», sagte Ban am Sonntag in der Hauptstadt Islamabad.

Zwar unternähmen die Vereinten Nationen alles, um die notwendige Unterstützung zu mobilisieren. Die Staatengemeinschaft müsse jedoch noch mehr tun. Unterdessen starben im Nordwesten des Landes erstmals fünf Kinder an Unterernährung, weil Hilfskonvois nicht zu den verzweifelten Menschen vordringen konnten.

In den überfluteten Gebieten entlang des Flusses Indus verschaffte sich Ban per Hubschrauber ein Bild vom Ausmaß der Katastrophe. In der Nähe der Millionenstadt Multan in Provinz Punjab besuchte er ein Flüchtlingslager, wo er mit den Flutopfern über deren Notlage sprach. «Die Katastrophe ist noch längst nicht vorüber», sagte Ban und kündigte an, weitere 10 Millionen Dollar aus dem UN-Nothilfefonds zur Verfügung zu stellen.

UN-Organisationen würden sechs Millionen Menschen mit sauberem Trinkwasser und Lebensmitteln versorgen. 14 Millionen Menschen sollten medizinisch versorgt werden. «Wir brauchen jedoch mehr Hilfe der Staatengemeinschaft», forderte Ban.

Nach Angaben der pakistanischen Regierung haben die verheerenden Überschwemmungen unterdessen mehr Menschen ins Elend gestürzt, als zunächst angenommen. Premier Gilani sagte am Samstag, insgesamt seien 20 Millionen Menschen durch das Hochwasser obdachlos geworden. Das ist etwa jeder achte Einwohner des südasiatischen Landes. Die UN waren zuvor von 14 Millionen Betroffenen ausgegangen.

«Sintflutartige Regenfälle und verheerende Überschwemmungen haben 20 Millionen Menschen obdachlos gemacht», sagte Gilani in einer Fernsehansprache zum Unabhängigkeitstag am Samstag. Das Hochwasser habe Ernten und Lebensmittelvorräte im Wert von mehreren Milliarden Dollar vernichtet. Nach Angaben der Katastrophenschutzbehörde (NDMA) wurden bislang 1402 Menschen getötet und 2022 weitere verletzt. Mehr als 891 000 Häuser seien von den Wassermassen zerstört worden.

«Das Ausmaß der Katastrophe übersteigt unsere Vorstellungskraft», sagte Präsident Zardari am Sonntag. Gleichzeitig bat er seine Landsleute um Geduld. Der Wiederaufbau sei mühsam und viele Betroffene blieben vorerst auf Unterstützung angewiesen. «Die Hilfe wird noch mindestens zwei Jahr andauern müssen», erklärte Zardari.

Die meisten Todesopfer gab es bislang in der nordwestlichen Provinz Khyber Pakhtunkhwa. Dort starben auch fünf Kinder an Unterernährung. Wie der Sender Dawn TV am Sonntag unter Berufung auf Regionalpolitiker berichtete, sind die Todesfälle im Gebirgsdistrikt Kohistan eine Folge der schlechten Versorgungslage. Zerstörte Straßen machten es Hilfskonvois unmöglich, zu den Betroffenen vordringen.

Wegen der Flutkatastrophe beging Pakistan den 63. Jahrestag der Unabhängigkeit von britischer Kolonialherrschaft am Samstag ohne offizielle Feierlichkeiten. Die Armee wollte die Mittel, die für die Feierlichkeiten vorgesehen waren, Opfern der Katastrophe spenden.

Auch Premier Gilani forderte das Ausland erneut zur Hilfe auf. «Es ist eine angemessene Erwartung, dass die Welt uns in Wort und Tat beisteht», sagte der Regierungschef. Indien bot dem Erzfeind Pakistan Fluthilfe an und stürzte die Regierung in Islamabad damit in ein Dilemma. Der Sender Dawn TV berichtete unter Berufung auf Regierungsquellen in Islamabad, es werde beraten, ob das Angebot des Nachbarstaats angenommen werde.

Dawn berichtete weiter, der indische Außenminister S.M. Krishna habe seinem pakistanischen Amtskollegen Shah Mehmood Qureshi bei einem Telefonat fünf Millionen Dollar (3,9 Millionen Euro) Fluthilfe angeboten. Das sei eine «Geste der Solidarität mit dem pakistanischen Volk in dessen Stunde der Not».

Die Bundesregierung stockt die Pakistan-Hilfe von 10 auf 15 Millionen Euro auf. Das Geld wird besonders für die medizinische Versorgung, Nahrungsmittel und den Zugang zu Trinkwasser verwendet. Auch Unicef will seine Hilfe für die Opfer des Hochwassers ausweiten. Das Kinderhilfswerk hat nach eigenen Angaben weitere 100 Tonnen Medikamente, Hygieneartikel und Zusatznahrung für Kinder in das Land geflogen. Zudem will Unicef in der Provinz Punjab in den kommenden Tagen flächendeckend vor allem Kinder gegen Masern und Polio sowie schwangere Frauen gegen Tetanus impfen.

Die insgesamt zögerliche Spendenbereitschaft in Deutschland liegt nach Experteneinschätzung auch an der Urlaubszeit. «Das ist ein profanes, aber sehr ausschlaggebendes Element», sagte der Geschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen, Burkhard Wilke dem Radiosender NDR-Info am Sonntag. Zu dem Vergleich mit dem schweren Erdbeben zu Jahresbeginn auf Haiti meinte er: «Für die Erdbebenopfer in Haiti wurden insgesamt knapp 200 Millionen Euro gespendet, allein in Deutschland. Für Pakistan haben wir bisher grob geschätzt ein bis zwei Millionen Euro Spenden verzeichnen können.»

Flutstatistiken Katastrophenschutz

Zentralinstitut für soziale Fragen

Wetter / Unwetter / Pakistan
15.08.2010 · 18:36 Uhr
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