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Umfrage sieht Grüne erstmals gleichauf mit SPD

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Berlin (dpa) - Erstmals seit ihrer Gründung haben die Grünen die SPD in einer Meinungsumfrage eingeholt. Wenn jetzt gewählt würde, könnten beide Parteien mit je 24 Prozent der Stimmen rechnen - und kämen damit zusammen auf die absolute Mehrheit im Bundestag.

Das ergab der vom Institut Forsa ermittelte «stern-RTL-Wahltrend». CDU und CSU fallen laut Forsa auf 29 Prozent ab (minus ein Punkt). Die FDP kommt in der dritten Woche in Folge auf 5 Prozent. Mit zusammen 34 Prozent hätte Schwarz-Gelb ein Jahr nach der Bundestagswahl keine Chance, die Regierungsmehrheit zu verteidigen.

Noch dramatischer ist der Rückstand der Regierung, wenn man die dritte Oppositionspartei Die Linke (10 Prozent) einbezieht: Rot-Rot- Grün liegt danach mit 58 Prozent um 24 Prozentpunkte vor dem Regierungslager. Die Union liegt fast 5 Punkte unter ihrem mageren Resultat von 33,8 Prozent vor einem Jahr. Die FDP hat sogar rund zwei Drittel ihrer Wähler von 2009 verloren, als sie ihr Rekordergebnis von 14,6 Prozent erreichte.

Die SPD-Spitze reagierte mit Gelassenheit auf den neuen Umfrage- Höhenflug der Grünen. Diese profitierten derzeit stärker vom Vertrauensverlust der schwarz-gelben Koalition, sagte SPD- Generalsekretärin Andrea Nahles. Andere Umfragen sähen aber die SPD vorn.

Das Meinungsforschungsinstitut Allensbach sieht in seiner aktuellen Umfrage für die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» die Grünen bei 18,5 Prozent (plus 1,5 Punkte), die SPD bei 29,5 Prozent (minus 2,5). Nach dem in der Vorwoche veröffentlichten «ARD- Deutschlandtrend» des Instituts Infratest dimap liegen die Grünen bei 18, die SPD bei 29 Prozent.

Ihre Partei werde sich jetzt nicht «in einen Kleinkrieg mit den Grünen verheddern», sondern weiter selbstbewusst ihre Positionen bei den Themen Arbeitsmarkt oder Gesundheit vertreten, sagte Nahles. Wo es Schnittmengen gebe, werde man mit den Grünen eng zusammenarbeiten.

Nahles zeigte sich überzeugt, dass die SPD bei den Landtagswahlen im kommenden Jahr gegenüber den Grünen überall «die Nase vorn haben wird». Deshalb werde sich die Frage nicht stellen, eventuell als Juniorpartner in eine von den Grünen geführte Landesregierung einzutreten. Sie erinnerte daran, dass es im vorigen Jahr einen ähnlichen «Hype» um den Aufschwung der FDP gegeben habe. Dieser habe sich aber schnell wieder verflüchtigt.

Nach Ansicht des Parteienforschers Karl-Rudolf Korte ist der Höhenflug der Grünen in den aktuellen Umfragen einer «Popularitätsblase» geschuldet. Einen grundlegenden Wandel im Parteiensystem sehe er nicht, sagte der Politikwissenschaftler an der Universität Duisburg-Essen der dpa. Korte sprach von einer «geliehenen Macht der Grünen», die «nicht richtig belastbar» sei.

Die Mittelschicht fühle sich in Volksparteien nicht mehr beheimatet, sagte Korte weiter. «Die Volksparteien sind Volkspartei- Ruinen», sagte Korte. Davon profitierten vor allem die Grünen. «Das ist in der Wahrnehmung der Wähler eine Sympathieorganisation.» Auch die Debatte über die Laufzeitenverlängerung von Atomkraftwerken komme den Grünen zupass. Korte: «Das verortet die Grünen wieder eindeutiger.»

Nach den Worten von Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin werden sich in den nächsten Wahlkämpfen nicht mehr CDU und SPD als Hauptgegner gegenüberstehen, sondern CDU und Grüne. Er habe «mit Interesse zur Kenntnis genommen, dass Frau Merkel uns von Atom bis Stuttgart 21 als ihren eigentlichen Gegner sieht», sagte Trittin der «Rheinischen Post» (Mittwoch). «Diese Herausforderung nehmen wir gerne an.» Sollten die Grünen bei künftigen Wahlen, etwa in Berlin oder Baden-Württemberg, mehr Stimmen bekommen als die SPD, beantworte sich die Führungsfrage von selbst.

Der Parteichef der Linken, Klaus Ernst, sagte: «Die Menschen wollen nicht wissen, wer in drei Jahren vielleicht regiert, sondern wer jetzt die schwarz-gelben Gesundheitspläne oder die Rente ab 67 stoppt. Die Zerstrittenheit der Opposition ist Merkels Lebensversicherung.»

Parteien / Umfragen
22.09.2010 · 15:47 Uhr
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