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Umfrage: Schlechte Noten für EHEC-Krisenmanagement

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Berlin (dpa) - Schlechte Noten für die Bundesregierung in der EHEC-Krise: Mehr als die Hälfte der Deutschen ist einer Umfrage zufolge unzufrieden mit dem Krisenmanagement.

Jeder zweite Deutsche bewertet demnach den Umgang der Regierung mit dem Ausbruch des gefährlichen Darmkeims als «weniger gut» (35 Prozent) oder «schlecht» (23 Prozent). Nur knapp 40 Prozent sind damit zufrieden. Während der Epidemie haben mehr als die Hälfte der Deutschen ihre Essgewohnheiten geändert und auf bestimmte Gemüsesorten verzichtet, wie die Forsa-Umfrage im Auftrag des Magazins «Stern» weiter ergab.

Seit Beginn der Epidemie starben bundesweit mindestens 37 Menschen an den EHEC-Folgen. Hamburg meldete am Mittwoch den Tod eines etwa 90 Jahre alten Mannes. In mehreren Bundesländern stieg die Zahl der registrierten EHEC-Fälle leicht an. Nach Ansicht von Experten ist dies aber auf das lange Pfingstwochenende zurückzuführen. «Es sieht so aus, als hätten wir den Scheitelpunkt der Entwicklung erreicht», sagte eine Sprecherin des hessischen Gesundheitsministeriums.

Die EU-Kommission forderte unterdessen von Moskau die sofortige Wiederöffnung des russischen Marktes für europäisches Gemüse. Russland hält an der Handelsblockade fest - obwohl Tomaten, Gurken und Salat vom EHEC-Verdacht freigesprochen worden sind. «Das Importverbot muss umgehend aufgehoben werden», sagte eine Kommissionssprecherin in Brüssel. Moskau wies die Kritik zurück.

Entwarnung in Bayern: Bei dem auf einem Salat gefundenen EHEC-Keim handelt es sich nicht um den aggressiven Erreger-Typ. Nach Angaben des bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit und des Bundesinstituts für Risikobewertung konnte der in Norddeutschland aufgetauchte Keim auf dem Lollo-Rosso-Salat des fränkischen Gemüsebauern nicht nachgewiesen werden. Die vorläufige Sperrung des Betriebes wurde aufgehoben, wie die Behörden mitteilten.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind in weiteren 13 europäischen Ländern bislang 66 EHEC- und 36 HUS-Fälle gemeldet worden. Ein Mann aus Schweden starb an der Infektion mit dem Keim. In den USA erkrankte ein Mensch an HUS. Bis auf fünf hatten sich laut WHO alle Infizierten zuvor in Deutschland aufgehalten.

Wie viele Kranke ein Leben lang unter den Folgen der Infektion leiden werden, kann man nach Ansicht des Nierenspezialisten Rolf Stahl vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) noch nicht sagen. Bei der schweren HUS-Verlaufsform, dem hämolytisch-urämischen Syndrom, können auch die Nieren versagen. «Die Einschätzung, ob und wie stark die Nierenfunktion eingeschränkt sein wird, dauert Monate.» Wichtig sei eine regelmäßige Nachsorge.

Der Verbraucherschutzminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus (SPD), forderte alle Restaurants und Lebensmittel-Einzelhändler auf, Sprossen jeglicher Art aus dem Angebot zu nehmen. Es sei nicht nachzuvollziehen, dass manche Einrichtungen nach wie vor Sprossen anböten.

Weiter unklar ist, wie der EHEC-Erreger auf die Sprossen des Biohofes im niedersächsischen Bienenbüttel gelangen konnte. In rund 700 weiteren Proben von dem Hof in der Lüneburger Heide seien bislang keine neuen EHEC-Spuren gefunden worden, teilte das Landwirtschaftsministerium in Hannover mit.

«Wenn wir Pech haben, war ein Sack der Auslöser dieser ganzen Problematik. Und dieser ist schon verkauft, gegessen. Und wenn er weg ist, kann es sehr schwierig werden, drum herum irgendetwas zu finden», sagte Ministeriumssprecher Gert Hahne. Dennoch gehe die Suche mit Hochdruck weiter.

Gesundheit / Infektionen
15.06.2011 · 17:49 Uhr
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