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UEFA bestellt Verbände zum Rapport

Festnahme im WettskandalGroßansicht
Hamburg (dpa) - Die europäische Fußball-Union UEFA bestellt die in den Wettskandal verwickelten Nationalverbände zum Rapport: Am Mittwoch treffen sich am UEFA-Sitz in Nyon neun Länder zu einem Krisentreffen, darunter Deutschland.

Von 11.00 Uhr an wollen die Verbände über die Ermittlungen der Bochumer Staatsanwaltschaft sprechen. 200 Fußballspiele in neun Ländern stehen nach Angaben der Bochumer Behörde unter Manipulationsverdacht. Die Staatsanwaltschaft nannte Belgien, die Schweiz, Kroatien, Slowenien, Bosnien, die Türkei, Österreich, Ungarn und Deutschland, wo bereits 15 Verdächtige in Untersuchungshaft sitzen.

Auch der italienische Fußball wird von einem Wettskandal erschüttert. Neun Festnahmen, 20 Verdächtige, acht mutmaßlich manipulierte Fußballspiele und Verbindungen zur Mafia. Ein Bezug zu den Drahtziehern des europäischen Skandals wurde jedoch von der Ermittlern auf einer Pressekonferenz zunächst ausgeschlossen. Man ermittele vor allem im Hinblick auf die Verbindungen der Verdächtigen zur örtlichen Mafia, erklärte der Chef der Carabinieri der süditalienischen Stadt Potenza, Domenico Pagano. Am Morgen hatte die italienische Polizei den Präsidenten des Fußball-Drittligisten Potenza Calcio, Giuseppe Postiglione, sowie acht weitere Verdächtige festgenommen, darunter ein bekannter Mafioso.

Wie die Ermittler mitteilten, wird den Festgenommenen nicht nur Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung und Wettbetrug, sondern auch um undurchsichtige Baugeschäfte, Schutzgelderpressung und illegales Glücksspiel vorgeworfen. Postiglione habe sich eine Art «kriminelle Holding» geschaffen, so Pagano. «Die Vorwürfe basieren auf Fakten», betonte auch der leitende Staatsanwalt, Giovanni Colangelo. «Wir haben klare Beweise gefunden, wonach es Drohungen und Einflussnahmen gegeben hat, um Spielergebnisse zu manipulieren», erklärte Colangelo.

Potenzas Club-Chef Postiglione und seine Komplizen stehen unter dem Verdacht, das Zweitligaspiel zwischen Ravenna und Lecce (1:3) am 26. April 2008 manipuliert zu haben. Nach Angaben italienischer Medien soll Postiglione auf das Spiel gewettet und 86 000 Euro gewonnen haben. Im Visier der Ermittler seien außerdem weitere sieben Spiele der dritten Liga, in der Potenza seit drei Jahren spielt und derzeit den viertletzten Platz belegt.

Postiglione scheint der Kopf der mutmaßlichen Betrügerbande gewesen zu sein. Im Juni 2006 war er im Alter von 24 Jahren als Präsident an die Spitze des Vereins getreten und damit zum jüngsten Club-Chef im italienischen Fußball aufgestiegen. Nun droht dem Medienunternehmer, der in Süditalien lokale Radio und TV-Stationen betreibt, der Absturz.

Als Funktionär sind Postiglione Wetten auf Fußballspiele laut Reglement der Fußballverbands (FIGC) generell verboten. Ihm und dem Club drohen damit unabhängig von den strafrechtlichen Konsequenzen harte Sanktionen vonseiten des FIGC, der umgehend ein Ermittlungsverfahren einleiten will.

Potenzas Antimafia-Staatsanwalt Francesco Basentini ermittelt derzeit gegen etwa 20 Verdächtige. Neben Postiglione wurden dessen Mitarbeiter Pasquale Giuzio sowie der Manager des Clubs Pro Vastese, Luca Evangelista, festgenommen. Die Staatsanwaltschaft hat ihre Nachforschungen bereits 2007 eingeleitet. Wie Carabinieri-Oberst Pagano mitteilte, handele es sich um «weitreichende Ermittlungen, die über Wettbetrug hinausgehen».

1980 war der italienische Fußball von seinem bislang größten Wettskandal erschüttert worden. Damals hatten zahlreiche Spieler und Club-Funktionäre Partien der ersten und zweiten Liga durch Ergebnisabsprachen manipuliert. Der AC Mailand und Lazio Rom wurden damals zum Zwangsabstieg verurteilt. Zahlreiche Stars wie Paolo Rossi, der 1982 Italien in Spanien zum Weltmeistertitel schoss, wurden mit langen Sperren belegt.

In der Schweiz hat nach dem Zweitligisten FC Thun ein weiterer Verein Verwicklungen in Manipulationen öffentlich gemacht. Der Zweitligist FC Gossau suspendierte seinen Mittelfeldspieler Mario Bigoni. Das bestätigte Vereinspräsident Roland Gnägi am Montag in der Zeitung «Blick». Laut Gnägi hat der 25-jährige Bignoni zugegeben, «dass in der letzten Rückrunde bei einem Spiel nicht alles sauber gelaufen» sei. Bereits am Sonntag hatte der FC Thun seinen Stürmer Omar Faye gesperrt. Der 22-Jährige war im Zusammenhang mit dem Wettskandal von der Polizei vernommen worden. In der Schweiz stehen 22 Partien der 2. Liga und 6 Vorbereitungsspiele unter Verdacht.

Österreich fordert für die Verantwortlichen Wettskandal «härteste Strafen». Es müsse ein klares Signal her, sagte der sozialdemokratische Sportminister Norbert Darabos nach Angaben der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Da zehntausende Menschen geschädigt wurden, seien höhere Strafen als für Doping-Vergehen angebracht. Die betroffenen Vereine müssten aus dem Spielbetrieb ausgeschlossen werden. In Österreich stehen elf Spiele in der Ersten und Zweiten Liga unter Manipulationsverdacht.

Fußball / Kriminalität / Wetten / Türkei
23.11.2009 · 16:07 Uhr
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