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Überschuldungsreport: Krankheiten treiben immer mehr Deutsche in die Schuldenfalle

Berlin (dts) - Schwere Erkrankungen treiben Menschen immer häufiger in die Schuldenfalle. Mittlerweile sind Krankheiten bereits der Hauptauslöser für jede zehnte Überschuldung in Deutschland. Das berichtet die Tageszeitung "Die Welt" (Montagausgabe) und verweist dabei auf den bislang unveröffentlichten "Überschuldungsreport 2011" des Hamburger Instituts für Finanzdienstleistungen (IFF).

Der Prozentsatz der überschuldeten Haushalte, die das Merkmal Krankheit als wichtigste Ursache für ihre angespannte finanzielle Situation angaben, habe sich seit 2005 von fünf Prozent auf 10,5 Prozent im ersten Quartal 2011 mehr als verdoppelt. Damit führten Krankheiten mittlerweile annähernd genauso häufig zu schweren finanziellen Schwierigkeiten wie Scheidung oder Trennung (12,5 Prozent) und der fehlgeschlagene Versuch, sich selbstständig zu machen (12,1 Prozent). An der Spitze liege unverändert die Arbeitslosigkeit. In 31,2 Prozent der Fälle war der Verlust der Arbeit Hauptauslöser. Übermäßiger Konsum spielt dagegen nur noch eine untergeordnete Rolle, wie die Zeitung weiter berichtet. Lediglich bei 8,2 Prozent der überschuldeten Haushalte werde ein ungezügeltes Ausgabenverhalten als Hauptauslöser gesehen. "Das Merkmal hat in der Schuldnerberatung damit lange nicht die Relevanz, die ihm in der öffentlichen Diskussion zukommt", zitiert die "Welt" aus der Studie. Als überschuldet gilt, wer seinen finanziellen Verpflichtungen nicht mehr nachkommen kann, ohne die eigene Grundversorgung zu gefährden. Zahlungsverzug, Kredit- und Kontokündigungen sind untrügliche Zeichen. Hochrechnungen zufolge gibt es 3,15 Millionen überschuldete Haushalte in Deutschland. Die Ergebnisse der jährlich erscheinenden IFF-Studie beruhen auf der Auswertung der Situation von 13.000 Menschen, die um Hilfe bei einer Schuldnerberatungsstelle baten. Insgesamt habe sich laut Studie die Wirtschaftskrise in der Überschuldungsstatistik mit einer Zeitverzögerung von eineinhalb Jahren niedergeschlagen, berichtet die "Welt" weiter. So sei die Zahl der Verbraucherinsolvenzen in Deutschland im Vorjahr auf 106.300 auf den höchsten Stand seit 1999 gestiegen. Allerdings gingen die Studienverfasser davon aus, dass es in der zweiten Jahreshälfte zu einer Trendwende kommt. Darauf deute bereits der Rückgang der Insolvenzeröffnungen im ersten Quartal 2011 hin. Die durchschnittlichen Verpflichtungen der Ratsuchenden bei Schuldnerberatungsstellen sanken laut Zeitung von 31.996 Euro im Jahr 2009 auf 27.132 Euro im vergangenen Jahr. Im ersten Quartal 2011 seien es sogar nur noch 23.244 Euro gewesen. Vor allem die Ausstände bei Banken gingen demnach deutlich zurück. Sie reduzierten sich seit 2009 von 14.598 Euro auf 11.364 Euro im ersten Quartal. Dabei nehme der Studie zufolge die Gruppe der Alleinlebenden unter den überschuldeten Haushalten weiter zu. Vor allem Männer seien immer stärker gefährdet. Ihr Anteil habe sich von 2009 auf 2010 von 34,1 Prozent auf 37,5 Prozent erhöht, der Anteil allein lebender Frauen sei hingegen von 18,6 Prozent auf 16,6 Prozent gesunken. Der Anteil der Paare, die in der Schuldenfalle landen, ging leicht zurück, das der Alleinerziehenden blieb auf dem Niveau der vergangenen Jahre. Wobei die Wahrscheinlichkeit nach wie vor bei Alleinerziehenden am größten ist, dass sie in der Schuldenfalle landen. Laut Statistik ist jede oder jeder Fünfte von ihnen überschuldet, genau 20,1 Prozent. Bei allein lebenden Männern liegt dieser Prozentsatz allerdings mittlerweile auch schon bei 15,8 Prozent. Die Gefahr der Überschuldung bei allein lebenden Frauen ist dagegen auf 6,1 Prozent zurückgegangen.
DEU / Gesundheit
25.09.2011 · 15:29 Uhr
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