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Über 147 Tote nach Jahrhundertbeben in Chile

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Santiago de Chile/New York (dpa) - Eines der schwersten jemals gemessenen Erdbeben hat Chile erschüttert und mindestens 147 Menschen das Leben gekostet. Das Jahrhundertbeben am frühen Samstag erreichte die Stärke 8,8 und löste eine Flutwelle aus.

Für nahezu die gesamte Pazifik-Region wurde eine Warnung vor einem Tsunami ausgerufen. Die Zahl der Opfer stieg im Verlauf des Tages immer weiter. Unter einem eingestürzten Wohnhaus in der besonders betroffenen Stadt Concepción wurden 150 Menschen vermutet. Auf der chilenischen Pazifik-Insel Robinson Crusoe rissen die Wassermassen mehrere Menschen fort und richteten schwere Zerstörungen an. Die Europäische Union und die Vereinten Nationen boten dem südamerikanischen Land Hilfe an.

«Die UN, insbesondere der Nothilfekoordinator, stehen bereit», sagte Generalsekretär Ban Ki Moon in New York. «Wir bieten schnelle Unterstützung, wenn das chilenische Volk und die Regierung das wünschen.» Er verfolge die Berichte aus Chile sehr genau, insbesondere nach den Tsunami-Warnungen im Pazifik. Hawaii, wo bereits Sirenengeheul zu hören war, sowie Japan und Neuseeland bereiteten sich auf einen möglichen Tsunami vor. Die erst Welle wurde um 11.19 Uhr Ortszeit (22.19 Uhr MEZ) auf Hawaii erwartet. Die südamerikanischen Küsten blieben jedoch weitgehend verschont.

Chiles Präsidentin Michelle Bachelet rief für die besonders vom Beben betroffenen Regionen im Süden der Hauptstadt Katastrophenalarm aus. Der gewählte Präsident Sebastián Piñera, der das Amt am 11. März übernehmen soll, rief die ganze Gesellschaft zur Solidarität mit den Opfern auf. «Das Erdbeben ist ein schwerer Schlag für die chilenische Gesellschaft», räumte der konservative Politiker ein.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sprach den Opfern sein Mitgefühl aus. «Mit großer Betroffenheit und Sorge haben wir die Nachricht von dem schweren Erdbeben vor der chilenischen Küste erhalten», sagte Westerwelle nach Angaben des Auswärtigen Amtes. «Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind bei den Angehörigen der Opfer und den Verletzten.» Im Tagesverlauf werde der Krisenstab im Auswärtigen Amt zusammenkommen, um über die Folgen der Katastrophe zu beraten. Am Samstagabend breche ein Erkundungsteam des Technischen Hilfswerks nach Chile auf.

In Chile gibt es zahlreiche deutsche Institutionen, und in der besonders betroffenen Region um Concepción leben besonders viele Nachfahren deutscher Auswanderer. Auch die von Deutschen gegründete berüchtigte frühere sektenartige Siedlung «Colonia Dignidad» (Kolonie der Würde) befindet sich in der Katastrophenregion. Über mögliche deutsche Opfer wurde jedoch zunächst nichts bekannt.

Die mächtigen Erdstöße um 3.34 Uhr Ortszeit hatten die Menschen im Schlaf überrascht. Hunderttausende rannten in Panik aus ihren Häusern und kampierten aus Angst vor Nachbeben im Freien. Das Epizentrum lag nach Angaben der US-Erdbebenwarte etwa 92 Kilometer nordwestlich der Stadt Concepción. Die Erde bebte in fast 60 Kilometern Tiefe. In schneller Folge gab es mehr als 20 Nachbeben mit Stärken von bis zu 6,9.

Hunderte unter Trümmern vermutet

Hunderte Menschen wurden noch unter den Trümmern vermutet. «Die Opferzahlen werden leider sicher noch steigen», sagte Piñera. Das ganze Ausmaß der Zerstörung vor allem in der Region um die Großstadt Concepción etwa 500 Kilometer südlich der Hauptstadt Santiago war auch Stunden nach dem Beben unklar. Der Sitz der Regionalregierung wurde zerstört. Mauern von Gefängnissen und mehrstöckige Gebäude stürzten ein. «So etwas habe ich noch niemals zuvor gesehen», sagte eine fassungslose Frau, die mit einer Wolldecke um den Schultern auf der Straße stand. Ein TV-Reporter berichtete: «Es gibt keine Straße in Concepción, wo kein Schutt liegt. Man hört Kinder unter den Trümmer schreien.»

Ein Erdbeben der Stärke 8,8 gilt als Großbeben, bei dem mit vielen Opfern und schweren Verwüstungen zu rechnen ist. Das heftigste je auf der Erde gemessene Beben hatte eine Stärke von 9,5 und ereignete sich 1960 ebenfalls in Chile. Damals starben 1655 Menschen.

Erinnerungen an Tsunami 2004

Noch Stunden nach dem Beben standen viele Menschen in Pazifik- Anrainerstaaten Ängste vor einem Tsunami aus. Erinnerungen an die Naturkatastrophe in Südostasien wurden wach. Weihnachten 2004 hatten Riesenwellen mehr als 230 000 Menschen getötet. Der Tsunami damals war nach einem 9,1-Erdbeben vor der indonesischen Insel Sumatra über umliegende Küsten hereingebrochen.

Das chilenische Fernsehen zeigte nach der Katastrophe vom Samstag Bilder von eingestürzten Wohnhäusern, Krankenhäusern, brennenden Gebäuden, zerstörten Brücken, auch in Santiago. Vor allem an älteren historischen Gebäuden wie Kirchen und Lehmziegelbauten entstanden schwere Schäden. In der Hauptstadt stürzten auch neue Autobahnbrücken ein. Die wichtigste Straßenverbindung, die Fernstraße Nummer 5 von Santiago in die besonders betroffenen Gebiete war zunächst unterbrochen. Bei Concepción stürzte eine alte, nicht mehr genutzte Brücke über den breiten Fluss Bío Bío komplett ein. Internet und Telefone funktionierten nicht. Die Strom-, Gas- und Wasserversorgung brach zusammen. Die Hochhäuser in Santiago hielten den heftigen Erdstößen jedoch stand.

Flughafen in Santiago geschlossen

Der internationale Flughafen von Santiago wurde erheblich beschädigt und für mindestens eine Woche geschlossen. Im Fernsehen waren eine eingestürzte Fußgängerbrücke zum Abflugbereich des Flughafens und heruntergefallene Deckenverkleidungen zu sehen. Die Behörden überprüften außerdem die Landebahn auf mögliche Schäden. Der Flughafenchef konnte zunächst nicht sagen, wann der Flugbetrieb wieder aufgenommen werden kann. Dies könnte auch die für den 11. März vorgesehene Amtseinführung von Piñera behindern.

Auch die südjapanische Inselprovinz Okinawa war am frühen Samstag von einem Erdbeben der Stärke 6,9 heimgesucht worden. Das Beben verlief jedoch glimpflich. Zwei Menschen wurden leicht verletzt.

Erdbeben / Chile
27.02.2010 · 22:18 Uhr
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