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UBS-Verwaltungsratschef Weber zeichnet düsteres Bild für Bankenbranche

Zürich (dts) - Der Verwaltungsratschef der Schweizer Großbank UBS, Axel Weber, sieht die Bankenbranche vor weiteren schmerzlichen Strukturveränderungen. "Wir sehen im Bankensektor derzeit eine ausgeprägte Strukturkrise. Und diejenigen, die zu lange an die Rückkehr der Vergangenheit glauben, werden meines Erachtens in der Zukunftsgestaltung hinterherhinken", sagte Weber im Interview mit dem "Handelsblatt" (Freitagausgabe) mit Blick auf die aktuelle Marktentwicklung und schärfere regulatorische Anforderungen.

Das Bankensystem der 1990er- und 2000er-Jahre werde nicht die Zukunft des Bankgewerbes sein. Es werde eine Rückbesinnung auf das Primärgeschäft geben, die Beratung und Finanzierung von Unternehmen. Derivategeschäfte hingegen würden eine geringere Rolle spielen. "In Zukunft wird es für Banker wieder wichtiger sein, ob man den Kunden kennt. So wird sich das Bankgeschäft in meinen Augen von einem zu stark auf sich selbst bezogenen Geschäft wieder zu einem kundenbezogenen Geschäft entwickeln müssen. Solange die Kunden das Gefühl haben, die Bank betreibe Geschäfte nur aus Eigennutz und nicht für den Kunden, wird kein neues Vertrauen aufgebaut", sagte der ehemalige Bundesbank-Präsident. Die UBS verkleinert dazu als einen ersten Schritt die Größe ihres Investmentbankings. "Den Eigenhandel haben wir praktisch schon eingestellt – und das ist gut so", sagte Weber. "Unsere Handelsaktivitäten richten sich nach Bedürfnissen für unsere institutionellen und privaten Kunden. Die Beratung von Unternehmen etwa bei Fusionen und Übernahmen sowie in allen Fragen der Finanzierung über die Ausgabe von Schuldtiteln und Aktien wollen wir ausbauen, und dafür haben wir auch neue und starke Leute eingestellt." Eine Zerschlagung der Universalbanken als Folge aus den Skandalen im Investmentbanking lehnt Weber indes ab. "Es spricht vieles für das Universalbankensystem, wenn man verhindert, dass es zwischen Retail- und Investmentbanking zu Fehlanreizen kommt, Risiken im Investmentbanking einzugehen zu Lasten der Kunden im Retailbanking", sagte Weber weiter. Wenn Kapitalvorschriften das verhinderten und Abwicklungsgesetze ermöglichten, dass einzelne Bankteile im Notfall abgewickelt werden können, sehe er keinen Grund, warum eine Bank nicht in normalen Zeiten unter einem Holdingdach ein Privatkundengeschäft und ein Investmentbanking betreiben könne.
Wirtschaft / Schweiz / Finanzindustrie
16.08.2012 · 18:30 Uhr
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