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Tunesisches Fremdenverkehrsamt: Reisen zu gefährlich

Stuttgart (dpa) - Das tunesische Fremdenverkehrsamt in Deutschland warnt vor Reisen in das von Unruhen erschütterte nordafrikanische Land.

«Es ist zu gefährlich», sagte der Sprecher des Amtes, Sami Krandel, am Samstag am Rande der Tourismusmesse CMT in Stuttgart. Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa sprach der 36-jährige Tunesier über die Situation in seinem Heimatland und die Folgen für die dortige Reisebranche.

Was bedeuten die blutigen Unruhen in Tunesien für die Tourismus-Industrie Ihres Landes?

Krandel: «Die Reiseveranstalter haben ihre Reisen storniert, und das tunesische Fremdenverkehrsamt rät derzeit von Flügen nach Tunesien ab. Es ist zu gefährlich. Zum Glück ist noch kein Tourist gestorben - bisher ist es eine rein nationale Angelegenheit. Ich glaube daran, dass eine neue Regierung Tunesien ein Stück Freiheit zurückbringen wird. Das wird das Image unseres Landes verbessern. Langfristig sehe ich daher eine Chance für ein besseres Image als Urlaubsland.»

Wie schätzen Sie dort die Situation ein?

Krandel: «Das ist schwer zu sagen, es ist alles sehr unübersichtlich. Meine Familie lebt dort. Ich weiß, sie ist in Sicherheit. Dafür bin ich sehr dankbar.»

Das tunesische Reiseangebot ähnelt anderen nordafrikanischen Ländern wie Marokko. Befürchten Sie nun einen Wettbewerbsnachteil, weil für diese Reiseziele von nun an als sicherer gelten?

Krandel: «Das ist die Branche, so geht das Spiel. Nach dem Anschlag auf die Kopten in Ägypten vor kurzem gingen dort die Urlaubszahlen zurück, nun sind wir an der Reihe. Aber auf lange Sicht hat das nichts zu bedeuten, davon bin ich überzeugt. Der Tourismus ist sehr wichtig in Tunesien, mehr als 400 000 Menschen arbeiten direkt in der Branche. Zum Glück ist derzeit keine Hochsaison, die beginnt im Mai. Dann würde uns die Urlauber-Lücke noch härter treffen.»

Fürchten Sie einen ähnlichen Imageschaden wie nach dem Anschlag von Djerba 2002, als 14 deutsche Touristen starben?

Krandel: «Nein. Denn wie gesagt, die Unruhen sind eine nationale Sache. Das ist nicht mit Djerba zu vergleichen, als viele Touristen starben. Seither haben sich die Urlauberzahlen aus Deutschland halbiert. In Tunesien gibt es jetzt einen Wandel, und ich glaube daran, dass er positiv ist. Es wird mehr Meinungsfreiheit geben und mehr Arbeit für die ganze Bevölkerung. Die Wirtschaft ist bislang in den Händen von einigen wenigen. Das muss sich ändern. Wenn sich die Lage am Arbeitsmarkt verbessert, wird das die Tunesier für ihre Arbeit im Tourismus motivieren. Das merken dann auch die Urlauber. »

Konflikte / Tourismus / Tunesien
15.01.2011 · 22:21 Uhr
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