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Tunesien lässt nach Ben Ali fahnden

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Tunis/Paris (dpa) - Tunesiens gestürzter Präsident Zine el Abidine Ben Ali wird nun auf Antrag der tunesischen Übergangsregierung international gesucht. Interpol bat seine 187 Mitgliedsstaaten, nach Ben Ali und fünf weiteren Verdächtigen zu fahnden und ihn vorläufig festzunehmen.

Ben Ali, seine Frau Leila Trabelsi und mehrere Clan-Mitglieder stünden unter Verdacht der Bereicherung und illegaler Devisengeschäfte, sagte der tunesische Justizminister Lazhar Karoui Chebbi in Tunis. Demonstranten fordern weiter den Rücktritt der Minister, die schon unter Ben Ali im Amt waren.

Seit Tagen belagert eine Menschenmenge rund um die Uhr den provisorischen Sitz der Übergangsregierung in Tunis. Viele sind aus dem Landesinneren angereist. Am Mittwoch setzte die Polizei erneut Tränengas ein, um Demonstranten am Durchbrechen einer Absperrung zu hindern.

In Sfax, der zweitgrößten Stadt des Landes, gingen nach Augenzeugenberichten Tausende auf die Straße, um den Rücktritt der Regierung zu fordern. Ein Generalstreik legte das öffentliche Leben lahm. Der Ausstand soll am Donnerstag auf Sidi Bouzid im Landesinneren ausgeweitet werden.

Seit dem Sturz von Ben Ali sind etwa 11 000 Häftlinge aus mehreren Gefängnissen des Landes entkommen. Etwa 1500 hätten sich freiwillig zurückgemeldet, sagte Justizminister Lazhar Karoui Chebbi. Bei mehreren Gefängnisbränden während der Unruhen seien insgesamt 71 Häftlinge ums Leben gekommen. Allein in Monastir habe es beim Brand der dortigen Haftanstalt 48 Tote gegeben.

Nach 23 Jahren an der Macht war Präsident Ben Ali am 14. Januar nach tagelangen Protesten ins saudi-arabische Exil geflohen. Die Schweiz blockierte mittlerweile mehrere Dutzend Millionen Franken von Ben Ali und seinem Umfeld. Zudem sei in Genf vorsorglich ein Flugzeug gestoppt worden, sagte ein Bundesratssprecher. Die EU will ebenfalls Vermögen Ben Alis blockieren, hat aber noch keine konkreten Schritte beschlossen. Frankreich leitete ein Ermittlungsverfahren ein.

Die Polizeiorganisation Interpol sandte eine weltweite Warnung aus und verbreitete die Steckbriefe der Gesuchten. «Wenn die Personen gefunden werden, wird die tunesische Regierung auf diplomatischem Weg um ihre Auslieferung bitten», heißt es in der Mitteilung. Über eine mögliche Festnahme der Gesuchten entscheiden die Staaten selbst.

Mitglieder des Clans der Präsidentengattin hatten wichtige Schlüsselpositionen der Wirtschaft besetzt und sich über Jahre hemmungslos bereichert. Ben Alis angeheiratete Verwandtschaft lebte in Saus und Braus. Deren Villen wurden nach ihrer Flucht systematisch von aufgebrachten Bürgern geplündert.

Bei der Regierungsumbildung geht es nicht nur um die alte Garde von Ministern, sondern es müssen auch mehrere Posten neu besetzt werden. Kandidaten für das Kabinett hatten aus Protest über die Zusammensetzung der Übergangsregierung einen Rückzieher gemacht.

Regierung / Konflikte / Tunesien
26.01.2011 · 19:39 Uhr
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