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Tsunami-Warnzentrum: High-Tech gegen Natur

Das Bild zeigt ein Tsunami-Frühwarnsystem. (Archivbild)Großansicht
Jakarta (dpa) - Die Alarmglocken schrillen im Tsunami-Warnzentrum in Jakarta: «Achtung, Achtung, Erdbeben entdeckt!» knarrt die Computerstimme auf Englisch aus den Lautsprechern. Rote Warnleuchten gehen an. Die indonesischen Techniker und Wissenschaftler beugen sich über die Bildschirme.

Auf der Landkarte auf der riesigen Leuchttafel an der Wand breiten sich rote Ringe aus. Die Computerstimme gibt die Parameter an: Zeitpunkt: 03.56 Uhr UTC, Ort: vor Sumatra, Magnitude: 3,7. 61 Kilometer unter dem Meeresboden - dann kommt die Entwarnung.

«Naja, da war was, aber winzig klein», sagt Horst Letz, deutscher Seismologe mit mehr als 30 Jahren Erfahrung. «Aber hier löst schon ein Schwapp in der Kaffeetasse Alarm aus», sagt er. So flott ging es damals nicht, am 26. Dezember 2004. Ein verheerendes Beben der Stärke 9,1 nördlich von Sumatra, löste den tödlichen Tsunami aus, der um den Indischen Ozean fast eine Viertelmillion Menschen in den Tod riss.

Die Naturkatastrophe hat neben einer beispiellosen Hilfewelle für die Opfer auch Wissenschaftler auf den Plan gerufen: mit deutscher Hilfe ist in der indonesischen Hauptstadt eine Tsunami-Warnzentrale entstanden, die mit neuesten Messgeräten und Computermodellen einmalig ist in der Welt. Federführend ist das GeoForschungszentrum GFZ aus Potsdam. Letz ist seit drei Jahren vor Ort und berät die indonesischen Partner. Im März soll das System fertig sein.

«Zeit ist Trumpf bei einem Tsunami, wir müssen in fünf Minuten alles fertig haben», sagt Letz. Die Erdbebenwelle legt sechs bis acht Kilometer in der Sekunde zurück, die Wasserwellen im tiefen Ozean 800 bis 1000 Kilometer in der Stunde. Weil die Erdbeben in der Region sehr nah vor der Küste passieren, können die Killer-Wellen innerhalb von 20 Minuten an Land schwappen. «So sind wir hier Weltmeister im Rechnen geworden», sagt Letz bei einem Rundgang durch die Zentrale.

Zehn Leute sind hier in jeder Schicht rund um die Uhr im Einsatz. Die Warnungen gehen zwar blitzschnell an die Lokalbehörden, doch hapert es dort oft an vernünftigen Alarmsystemen. Die Behörden arbeiten daran. Dennoch sind bei den rund zehn Tsunami-Alarmen der vergangenen zwei Jahre jeweils tausende Menschen auf Anhöhen gerannt.

Probleme gibt es immer wieder mit den Bojen. Eine der zehn deutschen Bojen trieb ab, konnte aber eingefangen werden. Eine zweite musste zur Reparatur in die Werft. Fischer kommen gerne, weil sich im Bojenschatten Fischschwärme tummeln. «Wir haben Griffe anmontiert, damit sie die Boote nicht an der Antenne festmachen», sagt Letz.

Eine US-Boje vor Sumatra ist kaputt. «Vandalismus», sagt David McKennie von der US-Ozeanbehörde NOAA. «Wahrscheinlich waren es Fischer.» Eine zweite US-Boje, die 2006 vor den Nikobaren-Inseln verankert wurde, liegt auch brach. Erst wurden die Messungen ungenau, dann war die Batterie alle. Thailand hat drei neue Bojen gekauft, die bis nächstes Jahr platziert werden sollen. «Wenn alle im Wasser sind, ist Thailand 100-prozentig in der Lage, Tsunami-Warnungen zu geben», sagt Viriya Mongkulveerapan vom thailändischen Warnzentrum.

Die Bojen liegen rund 200 Kilometer vor der Küste. Sie messen den Meeresspiegel und leiten Messdaten von Drucksensoren im Wasser an die Warnzentrale weiter. Dazu kommen noch Pegelstationen in Küstennähe und jede Menge seismologische Stationen an Land. Das Datenmaterial wird in Minutenschnelle mit tausenden vom Computer vorausberechneten Szenarien verglichen. Die Wissenschaftler sind sicher, dass die Messdaten im Ernstfall mit einem der Szenarien exakt übereinstimmen und Risiken und Schadensberechnungen minutenschnell vorliegen. «Wir haben die reelle Chance, mit diesem Frühwarnsystem Menschenleben zu retten», sagt Letz. Indonesien hat heute rund 150 Messstationen - einige Dutzend davon aus deutscher Hand. Die Bundesregierung hat für das Projekt 45 Millionen Euro bereitgestellt.

Katastrophen / Tsunami
26.12.2009 · 22:13 Uhr
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