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Trotz Teil-Entwarnung: Vertrauen in Gemüse erschüttert

Berlin (dpa) - Trotz der EHEC-Entwarnung für Gurken, Tomaten und Salat ist das Vertrauen in Gemüse aus Sicht von Branchenexperten nachhaltig erschüttert.

«Die emotionale Angst ist noch immer da und die wird auch bleiben», sagte der Geschäftsführer des Deutschen Fruchthandelsverbandes, Andreas Brügger, am Freitag der Nachrichtenagentur dpa. Die Entwarnung für bestimmte Gemüsesorten sei zwar grundsätzlich positiv, aber «beruhigt sind wir gar nicht». Die Warnung sei von Anfang an «nicht sachgerecht» gewesen.

«Der Verzehr von Gemüse und Obst ist im Keller», sagte Brügger. «Die wirtschaftlichen Schäden sind da und werden auch noch lange da sein.» Die Fruchthändler verzeichneten einen Umsatzrückgang bei frischem Obst und Gemüse von bis zu 50 Prozent. Hauptfrage sei nun, wie das Vertrauen der Verbraucher zurückgewonnen werden könne. Viele Menschen haben aus Furcht vor dem EHEC-Erreger Gurken, Tomaten und Salat vom Einkaufszettel gestrichen.

«Der deutsche Einzelhandel ist vor allem erleichtert», sagte Kai Falk, Sprecher des Handelsverbandes Deutschland (HDE). Nun hänge es von der Nachfrage ab, wie schnell das Angebot wieder auf das Niveau vor der EHEC-Epidemie angehoben werden könne. «Es ist natürlich damit zu rechnen, dass die Zurückhaltung der Verbraucher eine Weile anhalten wird.» Der Einzelhandel könne das Vertrauen vor allem durch Eigenkontrollen wieder aufbauen. Wegen EHEC verzeichnet der Einzelhandel nach HDE-Angaben bei Obst und Gemüse Umsatzeinbußen von 30 bis 40 Prozent.

Für die Gemüsebauern sei die EHEC-Krise mit der teilweisen Entwarnung noch lange nicht beendet, sagte Karl Voges, Geschäftsführer der Gurken vermarktenden Gartenbauzentrale Papenburg, der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Samstag). «Jetzt muss viel unternommen werden, damit Gemüse wieder für das steht, für das es immer stand: für gesunde Nahrung.» In den vergangenen Wochen seien wegen EHEC allein in seinem Verbund Gurken im Wert von etwa einer Million Euro vernichtet worden.

Bauernverband-Präsident Gerd Sonnleitner zeigte sich optimistisch. «Der Verzehr wird jetzt sicher wieder auf normales Niveau ansteigen», sagte er dem Fernsehsender N24. Er setze darauf, dass das Vertrauen in den Markt zurückkehre. Die bislang entstandenen Verluste der deutschen Gemüsebauern bei Gurken, Tomaten und Salat bezifferte Sonnleitner auf rund 65 Millionen Euro. Auf europäischer Ebene betrügen die Verluste zwischen 500 und 600 Millionen Euro.

Die unter der EHEC-Krise leidenden Bauern sollen nach dem Willen der EU-Kommission mit 210 Millionen Euro entschädigt werden. «Wir versuchen, den Schaden komplett kompensiert zu bekommen», sagte Sonnleitner dem «Tagesspiegel» (Samstag). Zur Not müssten Bund und Länder die Hilfe aus Brüssel aufstocken.

Eine Sprecherin des niedersächsischen Bauernverbandes sprach in Hannover von einer «großen Erleichterung für die Betriebe». «Wir hoffen, dass die Verbraucher den Behörden glauben und auch wieder Vertrauen in die Produkte fassen - zumal wir mit vielen Untersuchungen nachgewiesen haben, dass sie tatsächlich EHEC-frei sind.» Die Bauern in Niedersachsen litten besonders unter der EHEC-Krise, seit die Behörden vor knapp drei Wochen erstmals vor Gurken, Tomaten und Salat in Norddeutschland gewarnt hatten.

Gesundheit / Infektionen / Agrar / Handel
10.06.2011 · 22:58 Uhr
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