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Trotz Gau: Uran-Industrie vor rosiger Zukunft

AKW Three Miles IslandGroßansicht

Sydney/Bangkok (dpa) - Uran ist für Australien ein riesiger Exportschlager. Der fünfte Kontinent hat selbst keinen Bedarf. Das Land ist mit anderen Energieträgern in Hülle und Fülle gesegnet - Kohle, Öl und Gas - und braucht deshalb keine Atomkraftwerke.

So wird alles exportiert, was gefördert wird. Und das sind riesige Mengen: rund 8000 Tonnen im Jahr. Australien verfügt über rund 40 Prozent der leicht förderbaren Uranreserven weltweit und liegt damit weit vor Kanada mit 15 Prozent, Kasachstan und Brasilien.

Uran-Minen gibt es im Northern Territory, wo das Jabiluka-Feld direkt im Kakadu-Nationalpark liegt, und im Bundesstaat South Australia. Dort, in Olympic Dam, rund 560 Kilometer nördlich von Adelaide, liegt das größte Uranvorkommen der Welt, das der Rohstoff-Konzern BHP Billiton mit dem weltgrößten Uran-Bergwerk beackert. In Western Australia soll die Förderung in drei Jahren anlaufen.

Zwar geht nach den Explosionen im havarierten Atomkraftwerk Fukushima in Japan weltweit die Angst vor Atomstrom um, doch bleibt die australische Uranindustrie entspannt. Die Vertrauenskrise gehe vorüber, sagt Ziggy Switkowski, der ehemalige Chef der Nationalen Atombehörde. Der Atomphysiker ist überzeugt, dass auch Australien eines Tages auf Atomstrom umschwenkt.

Die Uranförderer bekamen den Dämpfer auf jeden Fall erstmal deutlich zu spüren. Der Aktienkurs von Energy Resources of Australia, Tochter des britisch-australischen Bergwerkskonzerns Rio Tinto, sackte auf ein Sechsjahrestief. Peninsular Energy brach um 30 Prozent ein, und Energy and Minerals Australia, Extract Resources und Toro Energy mussten an der Börse auch heftig Federn lassen.

Das sei doch die beste Gelegenheit, sich günstig mit Aktien einzudecken, meint Analyst Dave Wall der Aktienmaklerfirma Hartleys. An der grundsätzlichen Solidität der Unternehmen und der Zukunft der Industrie zweifelt er nicht. «Man kann es ja auch so sehen: Wenn ein Erdbeben der Stärke 9 und ein Tsunami ein 40 Jahre altes Atomkraftwerk treffen und die Probleme dort wahrscheinlich unter Kontrolle gebracht werden können - das ist doch gar nicht schlecht», sagte er in einem Zeitungsinterview.

Auch Analyst Mark Busuttil von JP Morgan sieht die Sache entspannt. «Es macht doch keinen Sinn, wenn jetzt Regierungen weltweit ihre Atompolitik ändern - vor dem Hintergrund eines Desasters, dass durch eine Kombination von sehr unwahrscheinlichen und extremen Ereignissen passierte.»

«Die Nutzung von Atomenergie zur Produktion des für das Wirtschaftswachstum so wichtigen Stroms wird wachsen», meint auch der Atomkraftspezialist der Singapurer Nanyang-Universität, Alvin Chew. Die meisten Länder würden ihre Baupläne für Atomkraftwerke sicher vorantreiben. «Der Betrieb von mehr als 400 Reaktoren weltweit beweist doch, dass die Vorteile der Atomenergie alle Ängste vor einer Nuklearkatastrophe bei weitem übertreffen.»

«Wenn die australische Uran-Industrie ihr ganzes Potenzial ausschöpfen dürfte, könnte sie den Export von rund 10 000 Tonnen im Jahr 2007 auf 37 000 Tonnen bis 2030 ausweiten», frohlockt der Verband der Uran-Industrie.

Erdbeben / Atom / Rohstoffe / Japan / Australien
16.03.2011 · 12:21 Uhr
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