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Trotz Abschied zu Real: Mourinho ist Inters Held

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Madrid (dpa) - Wie ein Feldherr stand José Mourinho nach dem 2:0-Sieg gegen Bayern München vor dem Fanblock von Inter Mailand. Er stemmte beide Hände in die Hüften und streckte sein Kinn nach vorn. Und während die Anhänger ihm ausgelassen zujubelten, blieb der Trainer lange in dieser Pose.

Dieser Moment sagt alles aus über Mourinho: Er ist extrem erfolgreich, wird in jedem seiner Vereine verehrt, ist aber auch ein Meister der Selbstinszenierung. Keine zwei Stunden später drehte sich schon wieder mehr um seinen bevorstehenden Wechsel zu Real Madrid als um Inters ersten Champions-League-Triumph seit 45 Jahren.

Zunächst nickte Mourinho in einem Sat.1.-Interview auf die Fragen, ob das sein letztes Spiel für den italienischen Triple-Sieger gewesen sei und sein künftiger Verein Real Madrid heiße. Später schränkte er dann ein: «Ich habe verschiedene Möglichkeiten. Inter ist eine Option, Real ist eine Option. Die Wahrscheinlichkeit, dass ich gehe, ist größer als die, dass ich bleibe.» Bis zu diesem Montag will er mit Madrids Präsident Florentino Perez darüber gesprochen haben. Der spektakulärste Trainerwechsel des Jahres ist nur noch eine Formsache.

Mourinho hat die Spekulationen darüber ständig geschürt. Er hat für eine Menge Unruhe gesorgt vor dem Finale, aber das hat weder seiner Bewunderung bei Inter geschadet noch dem großen Willen Reals, ihn zu verpflichten. Es gibt eine Art Gesetz im Fußball: Wo Mourinho ist, ist der Erfolg. Als erster Trainer nach Ottmar Hitzfeld und Ernst Happel hat der Portugiese die «Königsklasse» mit zwei Vereinen gewonnen: 2004 mit dem FC Porto, am Samstag ausgerechnet in Madrid mit Inter Mailand. «Ich bin genauso stolz wie nach dem ersten Mal», sagte der 47-Jährige. «Dieser Sieg ist für jeden ein Traum.»

Die Italiener feierten danach mehr als nur einen Titelgewinn. Sie fühlten sich nach 45 Jahren der Sehnsucht nach dieser Trophäe wie erlöst. Als Kapitän Javier Zanetti den Champions-League-Pokal in die Höhe stemmte, brachen viele «Tifosi» im Inter-Block in Tränen aus. Esteban Cambiasso zog sich das Trikot über, mit dem die «Nerazzurri» diesen Pott 1965 zuletzt geholt hatten. Als einer der Ersten bekam ihn Präsident Massimo Moratti in die Hände gedrückt. Der Öl-Tycoon hatte seit 1995 rund 850 Millionen Euro in neue Spieler investiert, um diesen Moment erleben zu dürfen. Aber erst Mourinho formte aus traditionell exklusiven Einzelkönnern bei Inter Europas bestes Team.

Sein Erfolg hat wie schon in Porto und Chelsea zwei Ursachen: Er bereitet seine Mannschaften bis ins kleinste Detail vor und schafft dabei ein Klima, in dem jeder für jeden durchs Feuer geht. Inter kann einen Gegner an die Wand spielen wie beim Halbfinal-Hinspiel gegen Barcelona (3:1), es kann sich nur aufs Verteidigen konzentrieren wie beim 0:1 eine Woche später, die Grundlagen sehen aber immer so aus wie beim Finalsieg gegen die Bayern: Mourinhos Teams sind perfekt organisiert, sie strotzen vor Kraft und machen kaum Fehler. «Das ist Extraklasse», meinte auch Münchens Sportdirektor Christian Nerlinger.

So sehr Mourinho durch sein Selbstvertrauen auch polarisiert in der Öffentlichkeit: Seine Spieler vergöttern ihn. Nach dem Sieg gegen den FC Bayern ging nicht etwa er zu ihnen, um sie zu umarmen. Die meisten liefen von ganz allein auf ihn zu. «Es ist nicht das Geld, das Siege bringt, sondern die Haltung, die Mentalität, und der Zusammenhalt. Das habe ich zu Inter gebracht», sagte der Portugiese.

Bei Real will er das nun auch schaffen. Nach der englischen und italienischen auch die spanische Meisterschaft zu gewinnen, ist sein Traum. Moratti hätte sauer auf ihn sein können oder enttäuscht, zumal Madrider Medien längst darüber spekulieren, dass er auch die Spieler Maicon und Milito mitnehmen möchte. Aber der Präsident nahm seinen Trainer nur innig in den Arm und sagte: «Mourinho ist einzigartig.»

Fußball / Champions League / Mailand / Mourinho
23.05.2010 · 13:33 Uhr
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