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Trauma-Experte: Klarheit ist für Mircos Eltern wichtig

Aachen (dpa) - Monatelang lebten die Eltern des kleinen Mirco in quälender Ungewissheit. Jetzt haben sie Klarheit, eine grausame Klarheit. Ihr Sohn ist tot. Umgebracht von einem Mann, der so seinen Stress abreagieren wollte. So grausam diese Wahrheit auch ist, mit dem Wissen kann für die Eltern die Verarbeitung beginnen.

Das sagt der Leiter der Traumaambulanz in der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Universitätsklinikum Aachen, Professor Frank Schneider. Wie gut sie das schaffen, hänge vor allem davon ab, ob sie in einem guten sozialen Netz leben.

Herr Professor Schneider, hilft Mircos Eltern das Wissen um das Schicksal des Jungen?

Schneider: «Die quälende Unruhe ist dadurch geprägt, dass man keine Klarheit hat. In dem Moment, wo man keine Klarheit hat, ist man selber nicht Akteur. Man ist hilflos, das heißt seinen Gedanken und Gefühlen ausgeliefert. In dem Moment, wo man Klarheit hat, kann man ein Mosaik zusammensetzen, kann eine Struktur in seine Gedanken bringen. Das ist ein absolut notwendiger Schritt, um solche Traumata zu überwinden. Der Betroffene muss wieder sein eigenes Handeln bestimmen. Und das kann man nur, wenn man das Geschehene auch einordnen kann.»

Wie verarbeitet man eine solche Erfahrung, den gewaltsamen Tod seines Kindes?

Schneider: «Verarbeiten heißt ja distanzieren, dass die Gedanken um das Kind nicht immer präsent sind - dass sie nicht Tag und Nacht im Kopf sind. Dazu muss man eine Art Schublade im Gehirn finden, wo man dieses Ereignis reinlegen kann und die man wieder aufmacht, beispielsweise, wenn man zum Friedhof geht, indem man bestimmte Rituale einhält. Angehörige, die ich kenne in dieser Situation, werden ja überflutet, sind nicht mehr Herr ihrer Gedanken.»

Finden Eltern, die betroffen sind, irgendwann in ihr Leben zurück?

Schneider: «Die Eltern sind im Moment sicherlich extrem betroffen, vom Psychischen her, vom Psychosozialen her. Das wird sicherlich auch körperliche Auswirkungen haben. Aber sie werden - vereinfacht gesagt - durch eine therapeutische Hilfestellung sicher wieder in ihr Leben hineinfinden. Es kommt auch darauf an: Haben die Eltern ein soziales Netz, sind die Eltern völlig allein oder im Streit? Das sind ganz wichtige Faktoren. Je besser das soziale Netz, je enger sie eingebunden sind in eine Gruppe, in der Familie und so weiter, desto besser ist es.»

Kriminalität / Kinder
28.01.2011 · 16:41 Uhr
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