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Trauerfeier für Terreblanche friedlich

Begräbnis von TerreblancheGroßansicht
Kapstadt (dpa) - Einige tausend Anhänger des ermordeten rechtsextremen Burenführers Eugene Terreblanche haben in Ventersdorp in Südafrika friedlich von dem Toten Abschied genommen. Ein Großeinsatz der Polizei und strenge Auflagen sollten die befürchteten rassistischen Auseinandersetzungen verhindern.

Die meisten Anhänger des Führers der «Afrikaner Weerstandsbeweging» (AWB) verfolgten den Gottesdienst in der überfüllten «Afrikaans Protestant Church» außerhalb des Kirchengebäudes auf Monitoren und über Lautsprecher.

An den Trauerfeierlichkeiten nahmen auch Südafrikas Polizeichef Bheki Cele sowie Landwirtschaftsministerin Tina Joemat Pettersson teil. Der Sarg des Ermordeten war bedeckt mit der weiß-roten Flagge des AWB, dessen Triskele-Zeichen dem Hakenkreuz der Nazis ähnelt. Die Trauergäste, vielfach in paramilitärischer Kleidung, sangen mehrfach die Hymne des vor 16 Jahren abgelösten, rassistischen Apartheid- Systems.

AWB-Generalsekretär Andre Visagie forderte einen verstärkten Schutz der weißen Farmer in Südafrika. In den vergangenen 14 Jahren seien über 3000 weiße Farmer getötet worden, sagte er. Südafrikas Behörden beziffern die Zahl der ermordeten weißen Farmer niedriger. «Wir haben es satt, wir wollen uns selbst regieren, wir haben unsere eigene Kultur, unsere eigene Sprache», meinte der Sprecher der AWB, die nach seinen Worten mehr als 100 000 Mitglieder haben sollen. «Wir wollen friedliche Verhandlungen mit der Regierung», betonte Visagie. Erst wenn diese scheiterten, sei «Gewalt die allerletzte Option».

Cele forderte am Rand der Trauerfeier die Südafrikaner auf, rassische Vorurteile zu überwinden. Es dürfe beim Kampf gegen die Kriminalität nicht darum gehen, Opfer oder Verbrecher mit Hautfarben zu kennzeichnen. «Wir sind alle Südafrikaner», betonte der schwarze Polizeichef. Im vergangenen Jahr seien in Südafrika über 18 000 Menschen getötet worden, wobei die Polizei nicht zwischen schwarz und weiß unterscheide, sagte er. Die Mordrate in Südafrika ist um mehr als das 30-fache höher als in Deutschland.

Südafrikas Behörden hatten angesichts der Spannungen seit dem Mord an Terreblanche Fahnen, öffentliche Reden und Aufmärsche bei den Trauerfeiern verboten. Allerdings hatte überraschend der südafrikanische Gewerkschaftsbund zu einer «dringenden Massenversammlung» von Farmarbeitern in Tsing nahe des Begräbnisortes eingeladen. Gewerkschafter begründeten das mit dem Versuch, Schwarze von den Beerdigungsfeierlichkeiten fern zu halten und damit Zusammenstöße zu verhindern. Zwischenfälle wurden am Freitag nicht bekannt, lediglich ein schwarzer Kameramann des Nachrichtensenders e- tv wurde von einem AWB-Anhänger gestoßen und beschimpft.

Terreblanche wurde nach dem Gottesdienst auf seiner Farm nahe Ventersdorp unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit beerdigt.

Am Dienstag hatte die Polizei vor dem Gerichtsgebäude in Ventersdorp nach Rangeleien zwischen rechtsradikalen Weißen und schwarzen Demonstranten einschreiten müssen. In dem Gericht fand die erste Anhörung der mutmaßlichen Mörder Terreblanches statt. Ein 15- Jähriger und ein 28-Jähriger werden beschuldigt, am vergangenen Samstag den 69-Jährigen auf seiner Farm nahe Ventersdorp nach einem Lohnstreit brutal mit einer Machete und einem Schlagstock getötet zu haben.

Sowohl die Regierungspartei ANC als auch Funktionäre der Splittergruppe AWB haben die Teilnehmer der Beerdigung zu Ruhe und Mäßigung aufgerufen. Nach dem Mord hatten burische Rechtsextreme zu Racheakten aufgerufen.

Innenpolitik / Kriminalität / Südafrika
09.04.2010 · 19:30 Uhr
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