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Trauer um Terroropfer nach US-Triumph über Bin Laden

Obama am Ground ZeroGroßansicht

Nach dem Tod von Terroristenführer Bin Laden jubelten die Amerikaner, besonders in New York. Beim ersten Besuch von Präsident Obama am Ground Zero, wo am 11. September 2001 fast 2600 Menschen starben, herrschten die stillen Töne vor: Trauer in New York.

New York (dpa) - Trauer statt Triumph, Stille statt Jubel: Bei einem Besuch mit viel Symbolkraft in New York hat US-Präsident Barack Obama wenige Tage nach der Tötung von Terroristenführer Osama bin Laden der Opfer der Terroranschläge vom 11. September gedacht. Er legte am Donnerstag an Ground Zero einen Kranz nieder - dort, wo vor fast zehn Jahren Terroristen zwei Flugzeuge in die Zwillingstürme des World Trade Center steuerten und die Gebäude zum Einsturz brachten. 2600 Menschen starben damals in New York.

Bin Laden, der als Drahtzieher des schlimmsten Anschlags in der US-Geschichte gilt, war vor wenigen Tagen bei einer Kommandoaktion in Pakistan getötet worden. Tausende Amerikaner hatten mit Jubel reagiert. Die Regierung in Islamabad warnte am Donnerstag vor weiteren derartigen Einsätzen in Pakistan. Die USA entschieden, keine Fotos als Beweis für den Tod des Terrorchefs zu veröffentlichen.

Jetzt war es ein stiller Besuch Obamas. An Ground Zero selbst wandte er sich nur an die Menschen, die bei dem Terrorakt Familienmitglieder oder Freunde verloren hatten. Es gab keine öffentliche Ansprache und nur geladene Gäste kamen näher an den Ort heran. Tausende säumten die Straßen, durch die Obamas Fahrzeugkolonne fuhr. Sie jubelten dem Präsidenten zu, viele schwenkten Fahnen.

Nach der Kranzniederlegung traf Obama mit Familien von Opfern zusammen. Auf seinen Wunsch hin hatte sein erster Besuch als Präsident an dem symbolträchtigen Ort einen privaten Charakter. Obama wollte mit den Menschen von Angesicht zu Angesicht sprechen.

Auch beim vorherigen Besuch der Feuerwache «Pride of Midtown» mussten die Journalisten nach einer Weile nach draußen. Mit 15 toten Feuerwehrleuten hatte es diese Wache besonders schlimm getroffen - eine komplette Schicht starb. Insgesamt verloren 343 Feuerwehrleute und 60 Polizisten ihr Leben, als die Türme einstürzten. «Als wir sagten, wir werden niemals vergessen, meinten wir das auch so», rief Obama den Feuerwehrleiten nun zu.

«Es gibt eine gewisse Genugtuung, aber das wird niemals die Trauer und die Schmerzen aufwiegen, mit denen wir leben müssen», sagte Sally Regenhard, die ihren Sohn Christian bei den Anschlägen verloren hatte. Er war Feuerwehrmann.

Auch am Pentagon vor den Toren Washingtons wurde der Toten gedacht. Vizepräsident Joe Biden ehrte sie mit einer Kranzniederlegung und traf Hinterbliebene der 184 Opfer, die beim gezielten Absturz einer weiteren von Terroristen entführten Flugzeugs ums Leben kamen. Insgesamt starben bei den Anschlägen am 11. September 2976 Menschen.

Die Warnung Islamabads vor weiteren Einsätzen ausländischer Militärkommandos auf pakistanischem Boden richtete sich vor allem an Indien. Auch der Nachbar Pakistans wirft dem Land die Unterstützung von Terrorgruppen vor. Die aus Pakistan operierende Gruppe Lashkar-e-Taiba soll für die Anschläge in der Finanzmetropole Mumbai verantwortlich sein, bei der Ende 2008 mehr als 170 Menschen getötet wurden.

Der pakistanische Außenstaatssekretär Salman Bashir warnte: Wenn ein Land glaube, es könne die USA nachahmen, dann schätze es die Lage in Pakistan völlig falsch ein. Der Diplomat reagierte damit auf Aussagen ranghoher indischer Militärs. Diese hatten erklärt, auch Indien könne einen gezielten Militäreinsatz gegen Terroristen im Nachbarland führen.

Nach der US-Aktion will nun die pakistanische Regierung nach Medienberichten den ebenfalls im Land vermuteten Taliban-Chef Mullah Omar sowie Al-Kaida-Vize Eiman al-Sawahiri fassen. Wie die Zeitung «The News» unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtete, soll in nächster Zeit eine «massive Suchaktion» beginnen. Geheimdienstexperten in den USA und Europa sind einem Zeitungsbericht zufolge überzeugt, dass Bin Laden Hilfe von pakistanischen Behörden hatte.

Nach einer Umfrage der «New York Times» und des Fernsehsenders CBS kann Obama nach der Kommandoaktion kräftig punkten. Vor allem beim Thema Terrorbekämpfung stellten 72 Prozent ihrem Präsidenten ein gutes Zeugnis aus, vor der Aktion waren es noch 51 Prozent. 86 Prozent der Amerikaner befürworteten in einer Umfrage den Sondereinsatz.

Das Weiße Haus will die Fotos vom toten Bin Laden nun doch nicht freigeben. «Es ist uns sehr wichtig, dass sehr eindringliche Fotos von jemandem, der in den Kopf geschossen wurde, nicht zur Anstachelung weiterer Gewalt oder als Propaganda-Werkzeug im Umlauf sind», sagte Obama in einem Interview des Senders CBS. Es gebe keinen Zweifel, dass Bin Laden tot sei.

Nach den Worten einer US-Senatorin versuchte der Al-Kaida-Chef nach einer Waffe zu greifen, unmittelbar bevor er von Elitesoldaten erschossen wurde. Bin Laden sei dabei gewesen, «sich diese Waffen zu greifen. Da kann man kein Risiko eingehen», sagte die Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Senat, Dianne Feinstein. Die «New York Times» berichtet derweil von einem «extrem einseitigen Gefecht» während der Kommandooperation. Die Navy Seals seien nur ein einziges Mal beschossen worden, nämlich ganz zu Beginn der Aktion.

Terrorismus / USA
05.05.2011 · 21:43 Uhr
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