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Trauer um früheren tschechischen Präsidenten Havel

Als Folge seiner jahrelangen Gefängnisaufenthalte unter dem kommunistischen Regime war Havel gesundheitlich scher angeschlagen. Foto: Filip DingerGroßansicht

Prag (dpa) - Staatspräsident, Dissident und Dramatiker: Der Tscheche Vaclav Havel, Symbolfigur der Wende 1989 in Osteuropa, ist im Alter von 75 Jahren gestorben. Das bestätigte Havels Sprecherin Sabina Tancevova der Nachrichtenagentur dpa.

Bis zuletzt setzte sich der als Held der «Samtenen Revolution» und moralische Stimme seines Heimatlandes verehrte Havel für die weltweite Einhaltung der Menschenrechte ein.

Havel starb am Sonntag in seinem Landhaus im Riesengebirge. Als Folge seiner jahrelangen Gefängnisaufenthalte unter dem kommunistischen Regime litt er unter einer chronischen Atemwegserkrankung. 1996 war er wegen Lungenkrebs operiert worden. Im Stadtzentrum von Prag versammelten sich zahlreiche Menschen. Sie legten an zentralen Schauplätzen der demokratischen Wende von 1989 Blumen nieder und zündeten Kerzen an.

Aller Voraussicht nach soll Havel am Freitag, den 23. Dezember, beerdigt werden, sagte Sprecherin Tancevova im tschechischen Fernsehen. Havels Witwe Dagmar werde am Montag mit Staatspräsident Vaclav Klaus zusammentreffen, um den weiteren Ablauf zu besprechen. Der Termin könne sich deshalb noch ändern.

Bundeskanzlerin Angela Merkel würdigte Havel als «großen Europäer». «Sein Einsatz für Freiheit und Demokratie bleibt ebenso unvergessen wie seine große Menschlichkeit. Gerade auch wir Deutsche haben ihm viel zu verdanken», schrieb Merkel nach Angaben des Bundespresseamtes an Havels Nachfolger Klaus.

US-Präsident Barack Obama erklärte zum Tode Havels: ««Sein friedlicher Widerstand erschütterte die Grundfesten eines Imperiums, entblößte die Leere einer Ideologie der Unterdrückung und bewies, dass moralische Führungskraft mächtiger ist als jede Waffe.» Wie Millionen Menschen sei er von Havels Worten und seiner Führungskraft inspiriert worden, fügte Obama in seiner in Washington veröffentlichten Erklärung hinzu.

Havel war während der kommunistischen Ära in der Tschechoslowakei (1948-1989) die Schlüsselfigur im gewaltlosen Kampf gegen das Regime. Die zwischen 1979 und 1982 aus dem Gefängnis geschriebenen «Briefe an Olga», seine 1996 verstorbene erste Frau, gaben auch den Lesern im Westen einen Einblick in das Unrecht und die Hoffnungslosigkeit dieser Zeit.

Im Wendejahr 1989 wurde Havel zu einem der Repräsentanten des demokratischen Aufbruchs. Die Rufe der Massen auf dem Prager Wenzelsplatz - «Havel in die Burg» - katapultierten ihn 1989 in das Präsidentenamt der neuen demokratischen Tschechoslowakei. Die Prager Burg über der Moldau ist Sitz des Staatschefs.

Frisch im Amt des Staatspräsidenten wählte Havel als erstes Ziel einer Auslandsreise die beiden deutschen Staaten. Er sprach damit den Beziehungen zum größeren Nachbarn eine Schlüsselrolle für die Zukunft zu.

Havel war bis 1993 Präsident der damaligen Tschechoslowakei, anschließend bis 2003 Staatsoberhaupt der neu gegründeten Tschechischen Republik. Bis zu seinem Ausscheiden aus dem Amt betrieb er erfolgreich die Anbindung Tschechiens an Nato und EU.

Vor und nach seiner Zeit als Präsident war Havel auch ein erfolgreicher Theaterautor. Mit der Verfilmung seines Dramas «Abgang» (Odchazeni) debütierte er zuletzt als Regisseur. Damit erfüllte sich der Neffe eines Filmstudio-Pioniers einen langgehegten Traum. Die Prager Premiere Ende März war der letzten öffentlichen Auftritte Havels.

«Den Namen Havel kennt die ganze Welt», würdigte die tschechische Nachrichtenagentur CTK den Verstorbenen. «Der berühmte Denker und Kämpfer für Menschenrechte hat immer Emotionen geweckt.» Seine Leistungen als Politiker blieben im eigenen Land nicht ohne Kritik. «Während er international vor allem bewundert wurde, gingen die Meinungen über sein Wirken auf der politischen Bühne des Inlandes immer auseinander», schrieb CTK.

Eine Minderheit in Tschechien bemängelt, dass Havel die negativen Folgen der Privatisierung der 1990er Jahre wie zum Beispiel die grassierende Korruption nicht entschieden genug bekämpft hätte. In der Slowakei musste er sich indes den Vorwurf gefallen lassen, für die Belange der Slowaken nicht ausreichend Verständnis aufgebracht zu haben.

Personen / Tschechien
18.12.2011 · 22:03 Uhr
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