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Trauer um Ägypterin und Appelle gegen Rassismus

Vor dem Dresdner Rathaus werden am Samstag weiße Rosen für die erstochenen Ägypterin Marwa El Sherbiny niedergelegt.Großansicht
Dresden (dpa) - Weiße Rosen als Zeichen der Mahnung: Rund 1500 Menschen haben die Dresdner Trauerfeier zum Gedenken an die erstochene Ägypterin Marwa El-Sherbini zum Appell gegen Fremdenfeindlichkeit genutzt. Die brutale Tat eines Russlanddeutschen löste in der islamischen Welt erneut Proteste aus.

In Teheran demonstrierten regierungstreue iranische Studenten vor der deutschen Botschaft gegen den Umgang mit Muslimen in der Bundesrepublik. Die erzkonservative Tageszeitung «Kejhan» forderte in einem Leitartikel die Ausweisung aller deutschen Botschafter in der islamischen Welt. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland forderte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zu einem deutlichen Signal gegen Islamfeindlichkeit in Deutschland auf.

«Wir müssen dafür sorgen, dass Rechtsextreme und Rassisten verboten werden und keine Chance mehr haben, sich in Parteien zu organisieren», forderte der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering in Dresden. Der Tod von Marwa El-Sherbini am 1. Juli verpflichte zu einem respektvollen Zusammenleben von Menschen aller Nationen, Hautfarben und Religionen. Ägyptens Botschafter Ramsi Ess Eldin Ramsi sagte, die 31-Jährige sei ein Opfer von blindem Hass und Fanatismus geworden. «Lasst die Saat des Extremismus nicht aufgehen», forderte Nabil Yacoub vom Ausländerrat.

Die schwangere Frau war als Zeugin während einer Berufungsverhandlung im Dresdener Landgericht wegen Beleidigung vom Angeklagten mit 18 Messerstichen getötet worden. Sie hatte den Mann 2008 angezeigt, nachdem er sie auf einem Spielplatz als «Islamistin» und «Terroristin» beschimpft hatte. Der 28-Jährige, der danach zu einer Geldstrafe verurteilt worden war, sitzt unter Mordverdacht in Untersuchungshaft. Er war schon im ersten Prozess ausländerfeindlich aufgetreten, bestätigte Oberstaatsanwalt Christian Avenarius einen Bericht des Magazins «Focus». Vor Erhebung der Anklage in wenigen Monaten würden keine Details bekanntgeben, der Prozess soll voraussichtlich Ende 2009/Anfang 2010 stattfinden.

Vor dem Dresdner Rathaus verharrten Deutsche und Ausländer mit ernsten Mienen zu einer Schweigeminute. Einige Frauen weinten, andere hielten Plakate hoch mit Parolen wie «Rassismus tötet» und «Wir sind gegen Terror, stoppt die Hetze gegen den Islam». Viele hatten eine weiße Rose als Zeichen der Mahnung in der Hand, die sich dann unter dem Foto der jungen Frau häuften. «Sie hat im Glauben an den Rechtsstaat mit Zivilcourage ihre Würde als Muslimin verteidigt», sagte Student Magdi Khalil.

Der Zentralrat der Muslime forderte, Merkel möge sich auch «direkt an die mehr als vier Millionen Muslime hierzulande wenden und den brutalen rassistischen Mord aus islamfeindlichen Motiven verurteilen». Das sagte Generalsekretär Aiman Mazyek dem Berliner «Tagesspiegel am Sonntag». Der Zentralrat der Ex-Muslime sieht keine Anzeichen für Islamophobie. Deutschland müsse eher aufpassen, nicht mit falschen Zugeständnissen dem radikalen Islamismus Vorschub zu leisten, sagte die Vorsitzende Mina Ahadi der «Leipziger Volkszeitung» (Montag). Sie warnte davor, den Tod der Ägypterin politisch zu instrumentalisieren.

«Es wird alles getan, um den Täter so schnell wie möglich vor einen Richter zu stellen», sagte Sachsens Justizminister Geert Mackenroth (CDU) der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die schnelle Verurteilung des Täters und die Entschädigung der betroffenen Familie erwartet auch Botschafter Ramsi. Diese «verbrecherische Einzeltat» bringe jedoch nicht die Wirklichkeit der deutschen Gesellschaft zum Ausdruck. Diese sei «weltoffen, offen für andere Kulturen, Nationalitäten und Glaubensrichtungen».

Kriminalität / Justiz / Deutschland
12.07.2009 · 15:15 Uhr
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