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Tote und Verletzte bei Notlandung in Moskau

Ermittler am Unglücksort: Die TU-154  kam bei der Notlandung von der Landebahn ab.Großansicht

Moskau (dpa) - Die harte Notlandung eines voll besetzten Flugzeugs hat in Moskau mindestens 2 Menschen das Leben gekostet und 87 weitere verletzt. Alle drei Motoren der Maschine vom Typ Tupolew Tu-154 mit 171 Menschen an Bord hatten am Samstag kurz nach dem Start versagt.

Nach dem Aufsetzen auf dem Flughafen Domodedowo schoss die Maschine über das Rollfeld hinaus und zerbrach auf freiem Feld. Probleme mit der Treibstoffzufuhr sollen das Unglück verursacht haben, so die russischen Behörden.

Ermittler gingen nach vorläufigen Angaben von menschlichem Versagen aus. Die Maschine war vom Moskauer Flughafen Wnukowo gestartet und dann in Domodedowo wegen der Triebwerksprobleme notgelandet. Die knapp 20 Jahre alte Tupolew war nach inoffiziellen Angaben in 10 000 Metern Höhe, als zunächst zwei Motoren ausfielen. Im Sinkflug schaltete sich auch das dritte Triebwerk ab.

Unklar war zunächst, was genau mit der Treibstoffversorgung nicht stimmte. Ermittler meinten, dass die Pump- und Einspritzsysteme falsch bedient worden seien und die Motoren Luft gezogen hätten, wie die Agentur Interfax am Sonntag berichtete. Unglücksursache könnte auch ein Problem mit dem Treibstoff selbst gewesen sein, der den Anforderungen nicht genügt habe, hatten Experten am Vortag gesagt.

Das Flugzeug sollte nach Machatschkala fliegen, die Hauptstadt der islamisch geprägten russischen Teilrepublik Dagestan im Konfliktgebiet Nordkaukasus. Bei der Bruchlandung kamen der Bruder des dagestanischen Präsidenten und die Mutter eines russischen Verfassungsrichters ums Leben. Die Leichen sollten noch am Sonntag nach islamischem Brauch in Dagestan beerdigt werden.

Nach Angaben der Behörden kam knapp die Hälfte der 163 Passagiere und 8 Besatzungsmitglieder mit dem Schrecken davon. Viele waren allerdings in einem Schockzustand und mussten psychologisch betreut werden. «Die Frauen an Bord stießen im Sinkflug panische Schreie aus», sagte ein Augenzeuge.

In Moskau stellte der russische Generalstaatsanwalt Juri Tschaika die Ermittlungen unter seine Kontrolle. Ein Terroranschlag wurde zunächst ausgeschlossen. Die russische Konfliktregion Dagestan wird immer wieder von schweren Terroranschlägen erschüttert. Die dagestanische Fluggesellschaft teilte mit, dass das 1992 in den Dienst gestellte Flugzeug technisch einwandfrei gewesen sei.

Der Betrieb auf dem Großflughafen Domodedowo laufe trotz des Unglücks weiter wie geplant, sagte Sprecherin Jelena Galanowa. Die Flüge würden über die zweite Start- und Landebahn abgewickelt. An Bord der notgelandeten Maschine war auch ein Sarg mit der Leiche einer Frau, weshalb einige Medien am Samstag zunächst von drei Todesopfern berichtet hatten.

Das dreistrahlige Mittelstreckenflugzeug Tupolew-154 ist das größte Modell dieser aus Sowjetzeiten stammenden Marke. Nach seinem Jungfernflug 1968 ging es 1972 bei der staatlichen sowjetischen Fluggesellschaft Aeroflot in den Dienst. Im April war eine Tu-154 mit dem polnischen Präsidenten Lech Kaczynski an Bord in der Nähe der russischen Stadt Smolensk abgestürzt. Alle 96 Insassen starben damals. Als Ursache galt menschliches Versagen bei schlechter Sicht.

Luftverkehr / Notfälle / Russland
05.12.2010 · 13:21 Uhr
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