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Tote nach Grubenunglück in Sibirien

Grubenunglück in SibirienGroßansicht
Moskau (dpa) - Tragödie in Russlands größtem Kohlebergwerk: Bei zwei schweren Methangas-Explosionen sind in Kemerowo in Sibirien mindestens 12 Bergleute getötet und 53 weitere verletzt worden.

Etwa 80 Arbeiter und Rettungskräfte waren am Sonntag in dem eingestürzten Schacht «Raspadskaja» eingeschlossen. Ihr Schicksal war unklar. Rettungskräfte befürchteten wegen der giftigen Dämpfe deutlich mehr Tote. Der russische Regierungschef Wladimir Putin sprach von einem «sehr schweren» und «tragischen» Unglück.

Das Drama unter Tage überschattete am Wochenende die Feiern zum 65. Jahrestag des Sieges über Hitler-Deutschland. Es war der schwerste Grubenunfall seit Jahren. Die Lage sei besonders dramatisch, weil in dem Schacht die Belüftung nicht mehr funktionierte, sagte Putin. Wegen der hohen Konzentration an dem leicht entzündlichen Methangas bestehe weiter Explosionsgefahr. Putin und Kremlchef Dmitri Medwedew ordneten an, alles für die Rettung der Männer zu tun.

Nach einer ersten Explosion am Samstag entzündete sich in der Nacht zum Sonntag erneut Methangas, als bereits Rettungskräfte in den Schacht gestiegen waren. Wegen der zweiten Explosion war der Kontakt zu 20 Helfern unterbrochen, die in 500 Metern Tiefe die 64 eingeschlossenen Kumpel retten wollten. Die Detonation hatte den Hauptbelüftungs-Schacht zerstört.

Die Rettungsarbeiten wurden wegen dichten Rauchs für unbestimmte Zeit gestoppt, sagte der Gouverneur der Region Kemerowo, Aman Tulejew. Es müsse erst wieder Luft in den Schacht gepumpt werden. «Jetzt die Rettungseinsätze einfach fortzusetzen würde bedeuten, Menschen in den Tod zu schicken», sagte Tulejew. Auch über Tage seien einige Menschen verletzt worden. Die Explosion zerstörte mehrere Gebäude. Schwere Technik wurde zur Trümmerbeseitigung eingesetzt.

Die Staatsanwaltschaft leitete ein Verfahren wegen Verstoßes gegen den Arbeitsschutz ein. Die Familien der getöteten Bergleute sollen umgerechnet 25 000 Euro Wiedergutmachung erhalten. Zum Zeitpunkt der ersten Detonation am Samstagabend waren 359 Arbeiter unter Tage gewesen. Das betroffene «Raspadskaja»-Kohlebergwerk ist das größte seiner Art in Russland. Auf dem Gebiet der früheren Sowjetunion kommt es wegen unzureichender Sicherheitsvorkehrungen immer wieder zu schweren Grubenunglücken mit hohen Opferzahlen.

Zur Koordinierung der Rettungsarbeiten flog am Sonntag auch Zivilschutzminister Sergej Schoigu in das mehrere tausend Kilometer von Moskau entfernte Gebiet. Kemerowo liegt im berühmten Kusnezker Kohlenbecken - kurz: Kusbass. Die Kohle wird an Betriebe in Russland, der Ukraine und Asien geliefert. In der Region war es zuletzt Anfang 2007 zu zwei schweren Bergwerksunglücken gekommen. Damals starben in einem Nachbarschacht von Nowokusnezk 110 Arbeiter - es war der schwerste Unfall seit Jahrzehnten gewesen.

Unfälle / Russland
09.05.2010 · 13:34 Uhr
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