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Tote in Athen - Griechenland unter Schock

Eskalation der Proteste in AthenGroßansicht
Athen (dpa) - Die Proteste gegen das massive Sparprogramm in Griechenland sind am Mittwoch blutig eskaliert. Drei Menschen verbrannten am Mittwoch bei lebendigem Leibe, nachdem Randalierer am Rande einer Großdemonstration eine Bank mit Molotowcocktails in Brand gesetzt hatten.

Eine der Frauen war schwanger. Das griechische Parlament, das an diesem Donnerstag über das Sparpaket abstimmen will, legte eine Schweigeminute ein. Ministerpräsident Giorgos Papandreou rief seine Landsleute in einem eindringlichen Appell auf, die Demokratie zu verteidigen. In Europa herrschte Betroffenheit und Trauer.

Bei den Toten - zwei Frauen und ein Mann - handelte es sich um Angestellte der Marfin-Egnatia-Bank in der Nähe des zentralen Omonoia-Platzes. Verzweifelt hatten sie versucht, sich aufs Dach des mehrgeschossigen Gebäudes zu retten. Dabei atmeten sie giftige Gase ein und fielen in Ohnmacht. Nach Angaben der Feuerwehr hatten sie keine Chance mehr, dem Inferno zu entkommen. «Sie verbrannten bei lebendigem Leibe», sagte ein Feuerwehrmann im Radio. Die Feuerwehr konnte den Angaben zufolge den Brandort nicht rechtzeitig erreichen, weil Autonome sie mit Steinen «bombardierten». Als am Nachmittag die Leichen aus dem Bankgebäude getragen wurden, brach der Mann der schwangeren Frau weinend zusammen.

Unbekannte zündeten auch eine Nebenstelle des Finanzministeriums an. Im Zentrum Athens stiegen dunkle Rauchwolken auf. Drei Menschen mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Dutzende Polizisten und Demonstranten wurden leicht verletzt, berichtete der griechische Rundfunk.

Die Nachricht vom Tod der Bankangestellten verbreitete sich in Windeseile. Die Großdemonstration gegen das massive Sparprogramm der Regierung, über das an diesem Donnerstag im Parlament abgestimmt werden soll, löste sich angesichts der Horrormeldungen auf. Es herrschte gespenstische Ruhe.

Die Polizei sperrte das Areal rund um das Parlamentsgebäude weiträumig ab. Im Zentrum Athens standen zahlreiche Polizeiwagen, die Kontrollen wurden massiv verschärft. Noch Stunden nach dem Gewaltausbruch lag beißender Tränengasgeruch in der Luft.

Mehr als 100 000 Menschen hatten zuvor allein in Athen gegen das Sparprogramm der Regierung demonstriert. Hunderte Autonome und wütende Demonstranten versuchten dabei, das Parlamentsgebäude zu stürmen. Es flogen Brandflaschen, die Polizei setzte massiv Tränengas ein. Menschen flohen in Panik aus dem Zentrum.

Die Gewerkschaften sprachen sogar von mehr als 200 000 Demonstranten. Nach Angaben von politischen Beobachtern war es eine der größten Demonstrationen der vergangenen 20 Jahre. Auch in Thessaloniki und anderen Städten des Landes gingen tausende Menschen auf die Straße. Dort kam es ebenfalls zu Ausschreitungen.

Ministerpräsident Papandreou verurteilte den Tod unschuldiger Menschen aufs Schärfste. «Es ist die Stunde der Verteidigung des Landes und der Demokratie», sagte Papandreou. Jeder habe das Recht zu demonstrieren, doch niemand dürfe dabei Gewalt anwenden oder gar töten. «Drei Familien erleben heute ein Drama. Diesen Menschen sage ich: Wir werden die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen.»

Die EU bedauerte den blutigen Zwischenfall. «Wir sind alle betroffen von der wirtschaftlichen und haushaltspolitischen Lage Griechenlands, aber in diesem Augenblick sind unsere Gedanken bei den Opfern in Athen», sagte der ständige EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy in Brüssel.

EU / Finanzen / Streiks / Griechenland
05.05.2010 · 18:22 Uhr
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