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Tote bei Protesten gegen Koranverbrennung

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Kabul (dpa) - Die Unruhen wegen der Koranschändung in Afghanistan fordern immer mehr Opfer. Doch auch Obamas Entschuldigung dürfte die aufgebrachten Afghanen kaum besänftigen. Die Taliban schwören Rache.

Die Ausschreitungen wegen der unbedachten Koranverbrennung durch US-Soldaten in Afghanistan haben sich ausgeweitet und mindestens sechs weiteren Demonstranten das Leben gekostet. In einem mutmaßlichen Racheakt wegen des Vorfalls erschoss ein afghanischer Soldat vor einer US-Basis zudem zwei Soldaten der Internationalen Schutztruppe Isaf. US-Präsident Barack Obama entschuldigte sich nach Angaben der afghanischen Regierung in einem offiziellen Schreiben für die Verbrennung von Koran-Exemplaren. Die Taliban schworen am Donnerstag Rache und riefen Angehörige der afghanischen Sicherheitskräfte zur Fahnenflucht auf.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle erklärte in London: «Ich bedauere zutiefst, dass es bei Protesten gegen die Koranverbrennung heute erneut Todesopfer in Afghanistan gab. Ich rufe alle Beteiligten zu Mäßigung, Zurückhaltung und Gewaltlosigkeit auf.» Nach den Gebeten an diesem Freitag wurde weitere Gewalt befürchtet.

Zum blutigsten Zwischenfall kam es am Donnerstag an einer gemeinsamen Militärbasis der US-Truppen und der afghanischen Armee in der östlichen Provinz Nangarhar. Bei einer Demonstration vor dem Camp habe ein einheimischer Soldat das Feuer auf Isaf-Soldaten eröffnet, sagte der Polizeichef des Distrikts Khogyani, Hadschi Mohammad Hassan. Nachdem der Attentäter zwei Soldaten erschossen habe, sei er davongerannt und habe sich unter die Demonstranten gemischt.

Beim Erwidern des Feuers hätten amerikanische und afghanische Soldaten zwei Demonstranten getötet und sieben weitere verwundet, sagte Hassan weiter. Aus afghanischen Sicherheitskreisen hieß es, vermutlich habe sich der Angreifer für die Koranverbrennung rächen wollen. Die Isaf bestätigte, dass ein einheimischer Soldat zwei ausländische Kameraden erschossen habe, äußerte sich aber nicht zu Einzelheiten.

Bei Zusammenstößen in der südafghanischen Provinz Urusgan seien drei Demonstranten getötet worden, sagte ein Polizeisprecher. Die Gewalt sei eskaliert, als Aufrührer das Feuer eröffneten. In der nordafghanischen Provinz Baghlan, die zum Einsatzgebiet der Bundeswehr gehört, starb ein Demonstrant. Der Gouverneur des Distrikts Baghlan-e-Markasi, Amir Gul, sagte, hunderte Menschen hätten versucht, das dortige Polizei-Hauptquartier zu stürmen.

Bereits am Mittwoch waren nach unterschiedlichen Behördenangaben zwischen sieben und neun Demonstranten bei Ausschreitungen in Kabul und in ostafghanischen Provinzen gestorben. Am Donnerstag kam es auch in Kabul wieder zu Protesten von rund 1000 Demonstranten, wie Polizeichef Ajub Salangi sagte. Meldungen über Tote gab es nicht. Afghanen protestieren seit Dienstag gegen die Koranverbrennung.

Das Entschuldigungsschreiben Obamas sei am Donnerstag von US-Botschafter Ryan Crocker an Präsident Hamid Karsai übergeben worden, teilte der Präsidentenpalast in Kabul mit. Darin habe Obama auch betont, dass die Verbrennung von Exemplaren des Korans auf der US-Basis Bagram nicht vorsätzlich geschehen sei. Der US-Präsident habe eine vollständige Aufklärung des Falls zugesagt.

Die islamischen Staaten verurteilten die Koranverbrennung. Die Organisation der Islamischen Zusammenarbeit (OIC) betonte in einer Erklärung, die Tat stehe im Widerspruch zu den gemeinsamen Bemühungen von muslimischen Ländern und internationaler Gemeinschaft, Intoleranz und religiösen Hass zu bekämpfen. Zugleich begrüßte die Organisation, der 57 Staaten angehören, die Entschuldigungen der Isaf und der USA.

Die Isaf teilte mit, ein Team aus Isaf-Angehörigen und Vertretern der afghanischen Regierung habe inzwischen das Gefängnis auf dem Stützpunkt Bagram untersucht, um die Umstände der Koranverbrennung zu untersuchen. Die Koran-Exemplare, die entsorgt werden sollten, waren dort Häftlingen zur Verfügung gestellt worden.

Zwei afghanische Untersuchungskommissionen mit Regierungsvertretern, Geistlichen und Abgeordneten verurteilten die «beleidigende und schändliche Tat der Koranverbrennung». Sie appellierten in einer gemeinsamen Erklärung aber auch an die Afghanen, Zurückhaltung zu üben.

Die Taliban riefen erneut dazu auf, Isaf-Soldaten anzugreifen. «Tapfere afghanische Muslime» sollten Stützpunkte und Konvois der internationalen Militärs angreifen, hieß es in einer Mitteilung der Aufständischen. Afghanen sollten Ausländer schlagen, fangen und töten, damit diese lernten, den Koran nie wieder zu schänden.

In einer im Internet verbreiteten Mitteilung der Aufständischen hieß es zudem: «Das Islamische Emirat Afghanistans fordert alle jungen Menschen im Sicherheitsapparat des Kabuler Regimes dazu auf, ihre religiösen und nationalen Pflichten zu erfüllen.» Taliban-Funktionäre seien angewiesen worden, alle Deserteure, die sich gegen die «Invasoren» stellten, als «Helden» willkommen zu heißen.

Wegen der gewaltsamen Proteste in Afghanistan hat sich die Bundeswehr vorzeitig komplett aus ihrem Stützpunkt Talokan zurückgezogen. Allerdings sollte das Lager im März ohnehin geräumt werden. Angesichts eines Auflaufs von rund 300 Demonstranten unmittelbar vor dem Stützpunkt Talokan habe der Kommandeur der Nordregion am Donnerstag die mit der Räumung beschäftigten Kräfte ins rund 70 Kilometer entfernte größere Feldlager Kundus abrücken lassen, teilte die Bundeswehr mit. Ein Sprecher des Einsatzführungskommandos berichtete, die rund 50 Soldaten hätten sämtliche Fahrzeuge mitgenommen.

Konflikte / Afghanistan
23.02.2012 · 22:56 Uhr
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