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Tote bei Befreiung von «New York Times»-Reporter

ISAF-SoldatenGroßansicht
Kundus/New York (dpa) - Bei der gewaltsamen Befreiung eines in der nordafghanischen Provinz Kundus von den Taliban entführten Reporters der «New York Times» sind mehrere Menschen getötet worden.

Die «New York Times» berichtete, der afghanische Dolmetscher des britisch-irischen Journalisten Stephen Farrell, Sultan Munadi, sei bei der Militäroperation ums Leben gekommen.

Unklar blieb, ob der 34- Jährige, der in Deutschland studierte, bei dem Gefecht von Soldaten oder von Aufständischen erschossen wurde. Nach Angaben des britischen Verteidigungsministeriums starb bei der Operation der Internationalen Schutztruppe ISAF auch ein britischer Soldat. Offiziellen afghanischen Angaben zufolge kam zudem eine afghanische Zivilistin ums Leben.

Der 46 Jahre alte Reporter - der 2004 bereits im Irak entführt worden war - blieb unverletzt. Farrell und sein Übersetzer waren am Samstag vergangener Woche in der Nähe des Ortes verschleppt worden, an dem die Bundeswehr am Tag zuvor den umstrittenen Luftangriff gegen zwei von Taliban gekaperte Tanklastwagen angeordnet hatte. Sie wollten Recherchen über mögliche zivile Opfer des Bombardements anstellen, als die Taliban sie in ihre Gewalt brachten. Der Gouverneur des Unruhe-Distrikts Char Darah, Abdul Wahid Omarkhel, sagte, Truppen hätten in der Nacht zu Mittwoch das Haus in dem Dorf Mungtapa gestürmt, in dem Farrell und Munadi gefangen gehalten wurden. Dabei sei es zu einem Gefecht gekommen, bei dem der Übersetzer und die Frau getötet worden seien.

Die «New York Times» berichtete, Farrell habe sich bei seiner Zentrale mit den Worten gemeldet: «Ich bin raus, ich bin frei.» In einem zweiten Telefonat habe er beschrieben, wie die Befreiung ablief. «Wir waren alle in einem Zimmer, die Taliban rannten alle, es war offensichtlich ein Angriff», sagte Farrell. «Wir dachten, sie würden uns umbringen. Wir dachten, sollen wir rausgehen.» Er habe britische und afghanische Stimmen gehört. «Überall um uns herum waren Kugeln.» Munadi habe gerufen: «Journalist! Journalist!» und sei dann im Kugelhagel zu Boden gegangen. Farrell habe in einem Graben Deckung gesucht und «britische Geisel!» gerufen.

Farrell konnte nicht sagen, ob Kugeln von Soldaten oder von Aufständischen Munadi trafen. Der afghanische Präsident Hamid Karsai teilte mit, Munadi sei von «Feinden des afghanischen Volkes» getötet worden, womit afghanische Behörden Aufständische wie die Taliban umschreiben. Der UN-Sondergesandte Kai Eide nannten den Tod Munadis «eine tragische Erinnerung an die Gefahren, denen Medienmitarbeiter in Afghanistan ausgesetzt sind». Eide rief die Behörden und die Aufständischen dazu auf, die Rechte von Journalisten zu respektieren. Die «New York Times» kondolierte der Familie Munadis, der zwei Kinder hinterlässt. Das Blatt berichtete, weder die Zeitung noch Farrells Familie sei über die Militäroperation unterrichtet gewesen.

Vor zweieinhalb Monaten war ein weiterer Reporter der «New York Times», David Rohde, gemeinsam mit seinem Übersetzer aus der Gewalt der Taliban entkommen. Sie waren in der Provinz Logar südlich von Kabul entführt worden.

Die ISAF teilte derweil mit, bei einem Selbstmordanschlag vor einem britischen ISAF-Lager in der südafghanischen Provinz Helmand seien mindestens zwei afghanische Zivilisten getötet worden. Mehrere Soldaten und Zivilisten seien verletzt worden, als der Attentäter vor dem Tor von Camp Bastion seine Sprengstoffweste zündete.

Konflikte / Afghanistan
09.09.2009 · 15:05 Uhr
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