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Tote bei Anschlägen im Nordkaukasus

Russische Fahnder ermitteln am Schauplatz des Bombenanschlags.Großansicht
Moskau (dpa) - Eine neue Terrorwelle erschüttert Russland. Zwei Tage nach den Anschlägen in der Moskauer Metro sind bei neuen Selbstmordattentaten diesmal im Konfliktgebiet Nordkaukasus zwölf Menschen getötet worden.

Zwei Männer sprengten sich in der Stadt Kisljar in der russischen Teilrepublik Dagestan in die Luft. Einer der Täter soll nach Angaben des russischen Innenministeriums eine Polizeiuniform getragen haben. Einige der 28 Verletzten schweben noch in Lebensgefahr. Präsident Dmitri Medwedew und Regierungschef Wladimir Putin vermuten, dass hinter dem Blutbad dieselben Drahtzieher stecken wie bei den Attentaten von Moskau. Am Abend bekannte sich der Anführer der Islamisten im Nordkaukasus, Doku Umarow, zu den Anschlägen in der Moskauer U-Bahn.

Die Sicherheitskräfte hatten den Fahrer eines Autos in der Nähe eines Schulgebäudes in der dagestanischen Stadt Kisljar angehalten, um ihn zu kontrollieren. Daraufhin habe der Mann am Steuer einen Sprengsatz mit einer Wucht von 200 Kilogramm TNT gezündet, sagte ein Polizeisprecher. Als sich am Tatort eine Menschenmenge bildete, habe sich ein zweiter Attentäter in Polizeiuniform in die Luft gesprengt. Am Tatort liegen auch Dienststellen des Innenministeriums und des Geheimdienstes FSB. Unter den Opfern waren vor allem Polizisten.

Bekennervideo zu Moskauer Anschlägen

Am Montag waren bei zwei Selbstmordattentaten in der Moskauer Metro 39 Menschen in den Tod gerissen und Dutzende verletzt worden. Der Terroristenführer Umarow teilte am Mittwoch in einer Videobotschaft mit, die Anschläge in Moskau seien die Rache für die «blutige Besatzungspolitik» der russischen Führung im Nordkaukasus. In der Region würden auf Befehl des russischen Regierungschefs Wladimir Putin friedliche Menschen massenhaft ermordet. Umarow kündigte demnach neue Anschläge an in Russland.

«Der Krieg wird in Eure Straßen kommen und Ihr werdet ihn in Euren eigenen Leben spüren», sagte Umarow nach Angaben von kavkaz.tv. Umarow, der sich auch der «Emir vom Kaukasus» nennt, kämpft nach eigenen Angaben für die Errichtung eines unabhängigen islamischen Gottesstaats im Nordkaukasus. Putin hat gedroht, ihn jagen und töten zu lassen. Experten des Internetportals intelcenter.com zur Überwachung islamistischer Inhalte im Netz stuften die Mitteilung als echt ein.

Die Angst vor neuen Anschlägen war bei den Hauptstädtern am Mittwoch auch weiter groß. «Ziel der Terroristen ist es, Angst und Schrecken in der Bevölkerung zu verbreiten - das werden wir nicht zulassen», sagte Medwedew. Am Abend demonstrierten mehr als 3000 Menschen im Stadtzentrum gegen den Terror. Der Kremlchef ordnete an, ein Sicherheitssystem für das Transportwesen auszuarbeiten, mit dem empfindliche Punkte wie Bahnhöfe, wichtige Straßen und Schienenwege besser geschützt werden.

Suche nach Komplizen

Der Inlandsgeheimdienst FSB hatte schon am Montag Terroristen aus dem Nordkaukasus für das Blutbad in der Hauptstadt verantwortlich gemacht. Der Chef des russischen Sicherheitsrates, Nikolai Patruschew, betonte, dass die Terrorbedrohung aus dem Kaukasus komme. Russland werde alles tun, den Terroristenführer Umarow zur Strecke zu bringen. Russische Medien veröffentlichten den Namen eines Tschetschenen, der den beiden Selbstmordattentäterinnen in Moskau geholfen haben soll, sowie Personenbeschreibungen zweier Komplizinnen.

Tschetschenien warnt vor voreiligen Schlüssen

Der Menschenrechtsbeauftragte in Tschetschenien, Nurdi Nurchaschijew, sowie der tschetschenische Parlamentspräsident Dukuwacha Abdurachmanow warnten vor einer Vorverurteilung. Umarow hatte nach anderslautenden Berichten vom Vormittag die Vorwürfe gegen ihn in einem Video zurückgewiesen. Schuld hätten der FSB und Putin, sagte er. Auch nach früheren Attentaten in Russland gab es oft Verschwörungstheorien, nach denen Geheimdienstler oder Teile des Innenministeriums damit Gewalt rechtfertigen und ihre Macht sichern wollten. Der Kreml hatte dies stets als Unfug zurückgewiesen.

Häufig Attentate in Krisenregion

Im Nordkaukasus kommt es immer wieder zu schweren Anschlägen islamistischer Untergrundkämpfer, die nach einem unabhängigen Gottesstaat streben. Dort starben allein 2009 bei Kämpfen zwischen russischen Sicherheitskräften, kriminellen Banden und islamistischen Rebellen mehr als 1000 Menschen, unter ihnen auch viele Zivilisten. Der Kreml versucht seit Jahren, Ruhe in die Region zu bringen. In dem Gebiet sind 23 000 Sicherheitskräfte stationiert. Die Islamisten hatten zuletzt gedroht, den «Krieg» weiter ins russische Kernland zu tragen.

Terrorismus / Konflikte / Nordkaukasus / Russland
31.03.2010 · 20:32 Uhr
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