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Top-Ökonomen fürchten Eskalation der Euro-Krise wegen untätiger Politik

Berlin (dts) - Führende Ökonomen in Deutschland befürchten wegen des zögerlichen Euro-Krisenmanagements der Politik eine weitere Zuspitzung der Krise. "Die Spannungen am Interbankenmarkt sind ein klares Indiz dafür, dass die Zeitbomben, die in den Bilanzen einiger Geschäftsbanken liegen, kurz davor sind zu explodieren", sagte der Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Ferdinand Fichtner, "Handelsblatt-Online". "Der schwarze Peter liegt nun bei den Zentralbanken."

Der Druck auf die Notenbanken, der Krise etwas entgegenzusetzen, sei auch deshalb "immens, weil die Politik es bisher versäumt hat, tragfähige Lösungen für die Krise zu präsentieren", fügte Fichtner hinzu. "Zum jetzigen Zeitpunkt scheint mir aber der Zug abgefahren, der Krise noch mit fiskalpolitischen Mitteln wie etwa einem vergrößerten Rettungsschirm beizukommen." Der Chefvolkswirt der Dekabank, Ulrich Kater, warnte allerdings davor, die Fähigkeiten der Notenbanken zu überschätzen: "Sie sind die Anästhesisten der Finanzmärkte, nicht die Chirurgen", sagte Kater "Handelsblatt-Online". Die gemeinsame Aktion der Notenbanken zur Stärkung des Finanzsystems, wie auch Ankäufe von Anleihen, könnten nur Zeit gewinnen, um die eigentlich notwendigen Operationen an den zu hohen Schuldenständen von Staaten oder anderen Sektoren durchzuführen. "Bleiben diese aus, dann werden die Volkswirtschaften durch das Morphium des billigen Geldes schleichend vergiftet", sagte Kater. Harsche Kritik an der Politik äußerte auch der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer. "Die europäischen Finanzminister haben seit Ausbruch der Staatsschuldenkrise viele Vorschläge entwickelt, die jedoch die Anleger nicht überzeugt haben", sagte Krämer "Handelsblatt-Online". Das setze die Zentralbanken unter Druck, mit der Notenpresse auszuhelfen. Krämer ist überzeugt, dass die Europäische Zentralbank in den kommenden Monaten viel mehr Staatsanleihen der strauchelnden Peripherieländer kaufen werde, als sich viele vorstellen können. "Ich halte es für gefährlich, wenn die Europäische Notenbank Staatsausgaben mit der Notenpresse finanziert", fügte der Ökonom hinzu. "Das führt früher oder später zu einer hohen Inflation." Auch DIW-Konjunkturchef Fichtner gab zu bedenken, dass die gestrige abgestimmte Maßnahme wichtiger Zentralbanken lediglich kurzfristig geholfen habe, eine leichte Verbesserung zu erreichen. "Lange Zeit gewinnt man damit aber nicht", warnte er. Diese Möglichkeit habe kurzfristig nur die EZB, die durch die Ankündigung massiver Interventionen der großen Verunsicherung als einzige schnell Einhalt gebieten könne. "Klar ist aber auch", fügte Fichtner hinzu, "Interventionen der Zentralbank sind immer nur eine Symptombekämpfung werden die Krise nicht dauerhaft aus der Welt schaffen". Das könne nur die Politik, die die mit den Zentralbank-Interventionen gekaufte Zeit hoffentlich nutze, um "an den Ursachen der Krise, darunter auch die fahrlässige Fiskalpolitik einiger Mitgliedsländer, anzusetzen" Die Europäische Zentralbank (EZB), die US-amerikanische Notenbank Fed und weitere Institute hatten am Mittwoch die Zinsen für Dollar-Tauschgeschäfte zwischen den Zentralbanken herabgesetzt. Damit soll es europäischen Banken erleichtert werden, an US-Dollars zur Abwicklung von Geschäften zu kommen. Unter anderem aufgrund des Misstrauens gegenüber der Eurozone in den USA hatte sich ein Engpass abgezeichnet, der sich auch auf die Unternehmen in Europa hätte auswirken können.
DEU / Finanzindustrie / Wirtschaftskrise
01.12.2011 · 16:56 Uhr
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