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Timoschenko ruft zum Kampf gegen Janukowitsch auf

Die ukrainische Oppositionsführerin Julia Timoschenko ist nach zweieinhalb Jahren Haft wieder frei. Foto: Sergey KozlovGroßansicht

Kiew (dpa) - Kaum in Freiheit, feiert das Volk in Kiew die Ex-Regierungschefin Timoschenko wie eine Heldin. Mit tränenerstickter Stimme wendet sich die in Haft erkrankte Politikerin an Zehntausende. Es klingt wie eine Wahlrede.

Mit einer hochemotionalen Rede in Kiew hat sich die ukrainische Oppositionsführerin Julia Timoschenko nach mehr als zweieinhalb Jahren Haft in der Freiheit zurückgemeldet. Vor mehr als 100 000 Menschen auf dem Unabhängigkeitsplatz (Maidan) rief die Ex-Regierungschefin zum weiteren Kampf gegen Präsident Viktor Janukowitsch auf. «Kämpft bis zum Ende!», rief sie. «Wir müssen Janukowitsch und den Abschaum um ihn herum auf den Maidan bringen», forderte sie mit sich überschlagender Stimme. Die gewaltige Menge im Zentrum der Hauptstadt empfing die 53-Jährige mit riesigem Beifall.

«Ihr müsst bleiben bis zum Ende, bis Politiker gewählt sind, die das Vertrauen verdienen. Wir müssen es vollenden. Ihr habt ein neues Land verdient. Erlaubt ihnen nicht, ein Land aufzubauen, das ihr nicht wollt», sagte Timoschenko. Die in Haft an einem Rückenleiden erkrankte Politikerin saß auf der Bühne in einem Rollstuhl. «Ehre den Helden», waren ihre ersten bewegten Worte. Die emotionale Rede rührte viele Menschen auf dem Platz zu Tränen. Auch Timoschenko selbst rang mit der Fassung.

Wie in einer Wahlrede warb Timoschenko um Vertrauen. «Ich werde die Garantin dafür sein, dass Euch niemand verrät und niemand Hinterzimmerabsprachen trifft», sagte sie. Zuvor hatte sie bereits angekündigt, bei den nächsten Präsidentenwahlen antreten zu wollen. «Ihr seid die Kraft, die Garantie dafür, dass es keinen Weg zurück gibt. Ihr habt alles verändert - nicht die Diplomaten, nicht die Welt.» Die Rede wurde live im Fernsehen übertragen.

Die Politikerin würdigte die mindestens 82 Toten der vergangenen Tage: «Wir haben es nicht auf friedliche Weise erreicht, aber diese Jungen haben das Ende der Diktatur erreicht», sagte sie. Die Täter müssten bestraft werden.

«Die Helden sterben nie!», rief Timoschenko, und die Menge antwortete in Sprechchören. «Ich habe daran gedacht, wie unsere Kinder auf der Straße standen und bereit waren, ihr Leben zu geben. Als Scharfschützen ihre Kugeln in die Herzen unserer Jungen feuerten, trafen sie auch unsere Herzen, und dort werden diese Wunden immer bleiben.»

Immer wieder warnte sie davor, den Maidan jetzt zu räumen. «Wenn irgendjemand Euch sagt, Ihr sollt nach Hause gehen, traut ihm nicht, geht bis zum letzten Schritt!», sagte die Politikerin.

Unmittelbar nach ihrer Ankunft in Kiew hatte Timoschenko bereits einen direkten Kurs auf die EU gefordert. «Ich bin überzeugt, dass die Ukraine in nächster Zeit Mitglied der Europäischen Union sein und dies alles ändern wird», sagte sie. Janukowitsch hatte auf Druck Russlands eine EU-Annäherung auf Eis gelegt.

Timoschenko war nur wenige Stunden zuvor nach mehr als zweieinhalbjähriger Haft in die Freiheit entlassen worden. In einem Privatjet flog die Politikerin aus ihrem Haftort Charkow nach Kiew. Zuletzt war Timoschenko mehr als anderthalb Jahre wegen eines schweren Rückenleidens in einer Klinik behandelt worden. Sie war im Oktober 2011 wegen Amtsmissbrauchs in einem international kritisierten Prozess zu sieben Jahren Haft verurteilt worden.

Demonstrationen / Ukraine
22.02.2014 · 21:34 Uhr
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